Da kommt Hector Babenco in die Vereinigten Staaten um seine erste (und irgendwie auch letzte) US - Produktion zu verwirklichen; er hat die Schauspielergiganten Nicholson und Streep zur Verfügung. Tatsächlich dreht er auch einen überraschend überzeugenden Film. Man merkt beim Sehen, dass dies nicht wirklich ein US-Film ist, oder zumindest etwa gut 30 Jahre früher entstehen hätte müssen. Im US - Film hat sich mittlerweile auch aus dem Genre Drama die "lange Einstellung" vollkommen verabschiedet. Kubrick ist tot und eigentlich mehr Brite. Nur M. Night Shyamalan hält diese Fahne noch ab und zu hoch.
Was mich an "Wolfsmilch" fasziniert hat, waren die gebrochenen Charaktere. Tatsächlich kämpfen die Personen in diesem Film mit ihrer Vergangenheit, ihren Entscheidungen und den Fehlern, die sie begangen haben. Ich will nicht viel verraten. Die Brechung des Hauptcharakters ist sehr überzeugend und innovativ. Das fehlt den heutigen Filmen. Seit Tarantino ist jeder gebrochen, der irgendwann jemanden umgebracht hat und dabei verdammt cool in die Kamera geschaut hat. Aber auch in US- Dramen werden die Charaktere mit der Zeit immer nur langweiliger und noch zu oft werden sie durch ein Happy End absolut demoliert. "Wolfsmilch" zeigt ein anderes Verständnis von Film, von Geschichte und von Menschen. Vor allem das Ende ist positiv hervorzuheben.
Ich empfehle "Wolfsmilch" jedem, der genug von der Postmoderne hat. Leider war "Wolfsmilch" in den Staaten ein Flop. Das überrascht mich nicht.