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Der Film beginnt mit Bildern eines verschlafenen und malerischen Touristen Städtchens in abendlicher Dämmer-Stimmung, ein Sprecher salbt dazu merkwürdiges von alten Zeiten. Es dauert jedoch keine 2 Minuten bis Regisseur Hanns Schott- Schöbinger Nicki und Bonny, zwei nicht unattraktive und wirklich talentierte Schauspielerinnen mit harten Brustwarzen, den Beischlaf inszenieren lässt. Nach dem empfindungsreichen Liebesspiel gönnt man sich in entspannter Atmosphäre ein belegtes Brot. Belegte Brote werden noch ein weiteres Mal im Film zur Sprache kommen. Hier kündigt sich leichtfüßig und mit subtilen kleinen Schritten ein Juwel an, um uns mit einer vollen obskuren Breitseite in unserem ästhetischen Wohlbefinden zu treffen! VON HAUT ZU HAUT ist ein fein geschliffener Edelstein, der durch die einerseits unglaublichen Dialoge und die andererseits faszinierende Inszenierung Szenen von unglaublicher Kraft zeigt. Bei einem Arzt den Nicki auf Anraten Bonnys aufsucht, kommt es dann zu einem interessanten Dialog über Ein- und Zweieiige Zwillinge. Arzt: „Sie waren doch bei ihrer Geburt dabei, oder?“ Nickis Problem: Sie erlebt die Gefühlswelten ihrer verheirateten Zwillingsschwester Karen (Lassander), wie Erotik und Angst, auf eine geradezu schizophren- telepathische Art mit. Was Nickis Lebensgefährtin Bonny dazu veranlasst eifersüchtig zu reagieren. Neben diesem psychogenen Thema springt Regisseur Schott- Schöbinger noch auf einen anderen Zug und der fährt auf den beliebten Gleisen Thriller und Horror. Ein Antiquitätenhändler (Rudolf Forster, DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS), welcher aussieht wie ein noch lebender Adolf Hitler, führt ein mysteriöses Doppelleben. Einen Hippie instruiert er zu dem Mord an Karen. Dabei spielt ein üppig verzierter Lampenschirm eine zwar besondere aber undurchschaubare Rolle. Hanns Schott- Schöbinger drehte mit Dagmar Lassander noch ANDREA- WIE EIN BLATT AUF NACKTER HAUT. Außerdem den interessanten DIE NACKTE BOVARY, mit Edwige Fenech und Peter Carsten. Schöbinger war mit Werken wie HOLIDAY AM WÖRTHERSEE eigentlich bis Mitte der 60er der typische Heimat- und Lustspiel Regisseur, bevor er sich mit diesem hier besprochenen Streifen auch ins Genre- Terrain wagte. Die künstlich agierenden Darsteller und die insgesamt sehr artifiziell wirkenden Szenen, unterstrichen von den englisch klingenden Namen, unterhalten auf eine schon beinahe märchenhafte Weise. Und auch Handwerklich ist dieses Werk ein Ereignis von besonderen Gnaden. Schott- Schöbinger inszeniert gekonnt abstrakte Kamerafahrten mit mehrfach Überblendungen, von einem feinen Jazzbeat- Thema begleitet. Heutzutage ist es ja üblich (und Chic?), undefinierbare Genre mit anderen Regisseur Leistungen zu vergleichen. Etwa X trifft Y trifft Z. Was ich eigentlich als albern und lächerlich empfinde (im cinema würde es auch meets heißen)! Aber was bleibt mir anderes übrig als H. S. Schöbinger mit jemandem zu vergleichen der durch diese Art Kino zum Idol wurde und der diesen Film nicht anders inszeniert hätte: Jean Rollin. Wie und wer auch immer, Toppic war ein Label welches sich auch dieses vergessenen Diamanten annahm und Schott- Schöbinger einem echten Meister noch einmal die Ehre erwies. Ausgezeichnete Wahl!Sergio garrone

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