Als eines der letzten brauchbaren Produkte aus dem Hause P.M. Entertainment betrachtet man „The Sender“ als Genrefan am besten mit viel Wohlwollen, denn obwohl der irrwitzige Science-Fiction-Quatsch bereits nicht mehr an die Glanzzeiten des Studios anknüpfen kann, macht er über weite Strecken noch jede Menge Spaß. Die abgedrehte Storyline sollte man als Zuschauer dabei genauso wenig ernst nehmen wie Hauptdarsteller Michael Madsen („Reservoir Dogs“, „Species“), der jeder Situation mit einer stoischen Gelassenheit inklusive trockenem Spruch begegnet, als würde er jeden Tag mit einem Alien seine Tochter retten.
Der Alien-Boom der Neunziger machte bekanntlich auch vor P.M. Entertainment nicht halt und so konfrontiert man einleitend 1965 eine Flieger-Staffel über dem Bermuda-Dreieck mit einem riesigen UFO. Als sich ein kleineres Flugobjekt forsch nähert und mit dem Piloten Jack Grayson (Jack Bloom) kollidiert, geht dieser baden. Die Airforce kehrt den brisanten Vorfall darauf unter den Teppich und vertuscht den Unfall als menschliches Versagen.
Als Jahre später das Wrack des abgeschmierten Flugzeugs geborgen wird, ist sein Sohn Dallas (Madsen), alleinerziehend und selbst Pilot, sofort zur Stelle. Er wollte sein Leben lang nichts anderes als den ruinierten Ruf seines toten Vater reinwaschen und sieht nun die Chance zu erfahren, was damals wirklich geschah. Allerdings hat das Militär ganz andere Pläne mit den Überresten, tatsächlich taucht ein weibliches Alien auf und zu allem Überfluss tragen Dallas und seine Tochter auch noch ein sogenanntes Sender-Gen in sich, das die Kontaktaufnahme mit außerirdischen Lebensformen ermöglicht.Na, wenn das keinen Spaß garantiert...
Das mit der heißen Nadel gestrickte Drehbuch verhält sich für P.M. - Verhältnisse typisch doof, leitet darüber hinaus aus der irrwitzigen Prämisse aber genügend Kurzweiligkeit ab und generiert auch ein solides Tempo zwischen der sehenswerten Action. Die kitschigen Szenen zwischen Dallas und seiner Tochter Lisa (Erica Everage) fallen dabei nicht ganz so negativ ins Gewicht, weil Madsen ein ordentlicher Akteur ist und „The Sender“ dieses Mal auch nicht ganz so dick aufdrückt. Was das Skript dann für Ideen auftischt, muss man als Genrefan aber mit der dicken Kelle schlucken. Denn tatsächlich begegnet den beiden bald ein Alien im Wald, das die Form einer hübschen Frau angenommen hat, silberne Engelsklamotten sowie eine Perücke aus Sicherheitsnadeln trägt und Lisa von ihrem Krebsleiden zu heilen vermag. Das Militär unter der Führung von Colonel Rosewater (trotzt Paraderolle blass und außer Form: R. Lee Ermey, „Full Metall Jacket“, „The Texas Chainsaw Massacre“) hat natürlich längst ein Auge auf die beiden geworfen, wittert die Chance an außerirdische Technologien zu gelangen und entführt Lisa nach Area 51, wo Silberlocke Lockwood (mit einem Stock im Arsch: Steven Williams, „L.A. Heat“, „The Elite“) finstere Pläne schmiedet. Der Rest ist nur noch eine Hetzjagd, um das Mädchen wieder freizubekommen.
Die hat es allerdings in sich, zumal die Effekte von „The Sender“ für so eine Produktion wirklich nicht übel sind. Denn der Einstieg im Bermudadreieck war kein bloßes Strohfeuer zum Auftakt. Die Tricktechniker arbeiten auf diesem befriedigenden Niveau weiter. So kommt das UFO mehrmals zum Einsatz, beharkt sich zwischen den Wolkenkratzern in L.A. mit Hubschraubern und braust in die Wüste hinaus. Abwechslung garantieren die für einen P.M. - Streifen standesgemäßen Autoverfolgungsjagden, von denen aber wirklich nur die erste beiden Zerstörungsorgien an die Qualität früherer Werke heranreichen. Zum dritten Akt fehlte offensichtlich schon ein wenig die Kohle, so dass der finale Shootout in der Area 51 noch einen soliden Eindruck hinterlässt, aber kein Highlight mehr darstellt.
Dank Michael Madsen, der das Treiben niemals todernst nimmt, offensichtlich seinen Spaß hat und von Aliens bis UFOs alles demonstrativ gelassen hinnimmt, nimmt sich „The Sender“ dann auch nicht zu ernst. Seine Mitstreitern Angel präsentiert sich zudem als ein sehr direktes Exemplar, das sich während der Fahrt durch die Wüste auch schon mal komplett auszieht, um sich mit Sonnenenergie aufzuladen – sehr zur Freude Madsens, der nebenher noch die nötigen Details gesteckt bekommt, was ihn und seine Tochter zu etwas Besonderen macht.
Klischees werden dabei natürlich möglichst hoch geschichtet. Besonders die Zwiegespräche zwischen Rosewater und Lockwood (Warum trägt der in einer Szene eigentlich eine Schweißerbrille?) in der Area 51 – Zentrale sind in dieser Hinsicht eine helle Freude, repräsentieren sie doch alles, was man von finsteren Militärs erwartet, die außerirdische Wesen für ihre Zwecke missbrauchen wollen und dabei auch keinerlei Skrupel kennen. Im Dienste der guten Sache lassen sie mitten in L.A. sogar Kampfhelikopter los, die wild feuernd ohne Rücksicht auf Verluste einiges an Kollateralschaden verursachen dürfen.
Robert Vaughn („River of Death“, „Renegade“) darf übrigens ein einer Nebenrolle ran und nochmal „The Man from U.N.C.L.E.“ spielen, kommt aber leider nicht über die Funktion als Dallas väterlicher Freund und Informant hinaus und wird dann auch recht unspektakulär aus der Handlung befördert. Schade eigentlich. Wenigstens besitzt der Fabrikkomplex mit vielen Apparaturen, einem UFO-Hangar und Labors zum Schluss noch genügend Charme, um als letzter Schauplatz der finalen Ballersequenz nicht negativ in Erinnerung zu verbleiben.
P.M. - Fans müssen insgesamt also ein paar Abstriche hinnehmen, auch weil die Actionpalette nicht so reichhaltig abgedeckt wird. Die ausführlichen Verfolgungsjagden bürgen mit Explosionen, spektakulären Stunts und allem drum und dran zwar für gewohnte Qualität, zünftige Kloppereien spart man sich hingegen und der längere Shootout zum Finale wird auch gerade mal durchschnittlich inszeniert.Der Bodycount kann sich zwar sehen lassen, die Statisten sterben dafür aber vorwiegend bei kostengünstigen Stunts. Könnte sicherlich alles etwas spektakulärer aussehen.
Die vielen CGI-Gimmicks tragen zudem leider auch nicht den Charme solcher Genrekollegen wie „Dark Breed“, wo mehr Tricks handgemacht waren. „The Sender“ wurde zwar professionell umgesetzt, ihm fehlt allerdings ein wenig das düstere Flair. Wenigstens reißen die guten Darsteller noch einiges heraus, auch wenn Ermey und Williams wohl keine recht Lust auf ihre Bad Guy zu haben schienen. Und... naja... die ähm... zweckmäßigen Drehbücher mit ihren dicken Logiklöchern kennt man ja ohnehin nicht anders vom dem Studio. Wenigstens sorgen ein paar putzige Dialoge für Erheiterung.
Fazit:
Keine Frage, ein paar kleine Durchhänger besitzt „The Sender“ schon mal, trotzdem erkennt man seine Herkunft nur zu deutlich. Richard Pepin lässt es hier noch einmal so richtig krachen und kredenzt die von mir geliebten Auto-Stunts inklusive explosiver Pyrotechnik, vergreift sich allerdings auch an zu viel durchschnittlichem CGI-Schnickschnack, durch den das Treiben deutlich an Charme einbüßt. Da sich der Film wenigstens nicht bierernst nimmt, man so einen Quatsch wirklich nicht alle Tage zu sehen bekommt, die Darsteller einen ordentlichen Job machen und ein paar Sätze wirklich ganz köstlich sind, erreicht „The Sender“ noch locker den Genredurchschnitt ohne Gefahr zu laufen nach unten oder oben abzurutschen. Es gibt genug Beispiele von P.M. Enertainment die schlechter aber auch besser sind.