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Nachdem Roland Emmerich (Stargate) mit "Independence Day" seinen internationalen Durchbruch feiern konnte, standen ihm in Hollywood einige Türen mehr auf als zuvor auf. Darum wollte er einen Film abdrehen, wo ein Asteroit auf die Erde knallt. Allerdings hatten 1998 noch andere Leute diese Idee. Glücklicherweise erklärte man sich in Japan dazu bereit, einer US-Version ihres geliebten City-Destroyers Godzilla grünes Licht zu geben. Da Jan De Bont dummerweise mit seiner Realisierung das Budget sprengen würde, kickte man den Holländer kurzerhand aus dem Projekt und fragte den Deutschen, der ja für sein sparsames Händchen bekannt war. Da der Film in kürzerster Zeit fertiggestellt werden musste, blieben Emmerich und seinem Spezi Dean Devlin recht wenig Zeit, um ein vernünftiges Skript und einen neuen Godzilla zu entwickeln, was man den Japanern dann unterschieben konnte. Diese waren dann von dem getunten Godzi dermaßen begeistert, dass ihnen das hauchdünne Drehbuch scheißegal war. Froh, dass sie die Freunde aus Nippon über den Tisch ziehen konnten, begannen Emmerich und Devlin mit den Dreharbeiten...

Forscher Nick Tatopoulos (Matthew Broderick) hat sich auf "radioaktive Deformationen" spezialisiert. Sein Rat ist gefragt, als man riesige Prankenabdrücke an einem Strand sowie ein von gigantischen Klauen zerstörtes Schiffswrack entdeckt. Nick befürchtet, dass bei französischen Atombombentests ein Reptil zum Giganten mutiert ist. Kurz darauf taucht die Riesenechse Godzilla aus dem Meer vor New York auf, stapft an Land und richtet in den Straßen eine Verwüstung an. Das US-Militär will dem Monster mit allerhand Raketen, Kanonen und Helikoptern zu Leibe rücken, richtet im Endeffekt aber mehr Schaden an als Godzilla selber. Indessen findet Nick heraus, dass Godzilla schwanger ist und irgendwie in Manhattan Eier ablegen wird...

Ziemlich blass und lustlos bewegt sich hier Matthew Broderick (Glory) durchs Bild, darf ein paar Erklärungssprüche über Godzilla klopfen und ansonsten nur dumm aus der Wäsche gucken. Das hätte Broderick bestimmt besser hinbekommen. Vermutlich guckt er deshalb ständig zu doof drein, weil sein Blick immer auf den von Emmerich auf ihn gerichteten Gewehrlauf fiel. Ähnlich wie in "Rollerball" ist Jean Reno (Ronin) ziemlich unterfordert und gibt den Klischee-Franzosen wieder. Wahrscheinlich spielt er hier nur mit, damit er die letzten Raten für seinen Swimmingpool abbezahlen konnte. Allerdings fällt Reno dennoch von allen beteiligten Darstellern am positivsten auf. Währendessen macht Maria Pitillo (True Romance) mit ihrem belämmerten Rehblick Broderick echte Konkurrenz im blöde Rumgucken. Dialogmäßig hat sie mit ihren Reporterkollegen den Vogel abgeschossen. Auch Hank Azaria (Grosse Pointe Blank) als Kameraknilch kann wenig überzeugen. Schließlich bleibt noch Kevin Dunn (Zum Töten freigegeben) als Anführer der nichtsnutzigen US-Army, womit er wenig zu tun bekommt.

Somit ist klar, dass Emmerich hier nicht auf Charaktertiefe und Logik setzt, sondern auf die schlichte Plattmachorgie unseres geliebten Riesenlurchis. Dieser sieht jedoch wie ein hochgepuschter T-Rex mit Stegosaurus-Stacheln aus und sein berühmtberüchtigter Nuklearstrahl hat sich in einen wenig eingesetzten Flammenatem verwandelt. Irgendwie fehlt dem Vieh auch der Charme seines Nippon-Vorbildes aus Gummi. Besagter Japan-Godzilla gefiel mir bisher in "Godzilla - Der Urgigant" und "Godzilla - Duell der Megasaurier" viel besser als Emmerichs CGI-Lurchi, der zwar aus biologischer Sicht realistischer erscheinen mag, aber selten bedrohlich wirkt. Zudem ist er auch nicht so unkaputtbar wie der Nippon-Godzilla, sondern überlebt im Prinzip nur durch blosses Ausweichen der auf ihn abgefeuerten Geschosse. Darum kann er im recht gut inszinierten Showdown dann auch recht zügig durch ein paar Tomahawk-Raketen weggeballert werden. Im besagten Showdown stellt sich einem dann die Frage, warum Godzilla unzähligen Helikoptern, Jeeps und sogar U-Booten entkommen kann, aber dann nichtmal ein normales Taxi einholen kann. Und damit es nicht langweilig wird, haben Emmerich und Devlin noch die Brut des Monsters in den Film gewürfelt, die dann im Madison Square Garden schlüpfen und sich gleich auf Nick & Co. stürzen wollen, um Sushi aus ihnen zu machen. Die Babyzillas ähneln dann irgendwie den Raptoren aus "Jurassic Park", die mal eben ein Bodybuilding-Studio besucht haben. Viel eingefallen ist Emmerich auch hier nicht, denn die Babyzillas knuspern schnell ein paar Franzosen weg, und hetzen dann nur noch Nick und seinen Freunden hinterher.
Doch so komplett behämmert ist "Godzilla" nun auch wieder nicht. Zwar weiß Emmerich hier mit Drehbuch und Darstellern nix anzufangen, kann aber actionmäßig was auf die Beine stellen. Allein Godzillas Duell mit den Helikoptern ist ziemlich gut gelungen und auch seine Unterwasseraktion mit den U-Booten wurde ordentlich animiert. Ein schwitzender Japaner in einem kiloschweren Gummikostüm hätte das bestimmt nicht hinbekommen. Der Showdown bleibt durch die oben genannten Logikfehler zwar etwas schwach, kann von der Optik her aber überzeugen. Das eingreifende US-Militär ist eine Plamage für sich, da sie alles treffen, nur eben einen riesigen Godzilla nicht. So wird rasch das Chrysler Building durch die Unfähigkeit des Militärs zerschrotten, was auch gut aussieht, aber in "Armageddon" noch übertroffen wurde. Somit kann "Godzilla" actionmäßig wieder einiges aufwerten, was durch lustlose Darsteller und ein kaum vorhandenes sowie eilig zusammengeschriebenes Drehbuch vermurkst wurde.

Unterm Strich macht das "Godzilla" zu einem kurzlebigen Popcorn-Vergnügen, wo man ruhig mal das Gehirn im Kühlschrank abstellen kann und zuschauen kann, wie ein entfremdeter Godzilla das alles niedertrampelt, was man in "Independence Day" noch hat übrig gelassen. Nicht mehr und nicht weniger. Da hätte man von Roland Emmerich schon mehr erwarten können. Aber vielleicht war auch nur die Zeit zu knapp gewesen, um mehr aus dem Stoff machen zu können. Schade um Godzilla!

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