Überraschend grotekes Retro-Cowboy-Psycho-Sozialdrama mit Understatement
Schon in den ersten Bildern wird schön der Gegensatz des verträumt-charmanten Cowboys Harlen (Edward Norton) und des belebten Highways der Millionenstadt Los Angeles gepflegt. Es wird dies nicht der einzige unerwartete Gegensatz in DOWN IN THE VALLEY bleiben. Wie so oft, überrascht er am besten mit wenig Vorwissen am besten und deswegen wird auf den genauen Inhalt hier nicht eingegangen. Aber so manche Wendung in der zweiten Hälfte des Films zerschlägt die zart aufgebaute spielerische Romanze zwischen Tobe (Evan Rachel Wood) und Harlen (Edward Norton) und vertreibt damit die Zuschauer, die sich auf ein Liebesdrama eingestellt hatten.
Dies ist aber eine positive, weil unerwartete Entwicklung für den Rest der Cineasten und entspricht auch meinen Erwartungen an einen Film mit Edward Norton für den eine reine Lovestory sicherlich eine grobe Unterforderung gewesen wäre. Auch in DOWN IN THE VALLEY läuft er nicht zur Höchstform auf, dennoch fordert ihn die zweite Hälfte des Films deutlich mehr als man zunächst vermutet. Evan Rachel Wood gefällt auch sehr und kann schön die in der Rolle angelegte Zerrissenheit über die Leinwand transportieren. Das gleiche gilt auch für David Morse als Tobe's Vater Wade.
Dies ist eine gute Serie nach zuletzt ebenfalls guten Performances in IDES OF MARCH und THE WRESTLER. Interessant ist, dass Wood und Norton beide real schon einige Jahre älter als die Personen in ihren Rollen sind. Auf Basis eines gelungenen Indiefilm-Charmes merkt man im Laufe des Beginns dennoch bald, dass es eskalieren und irgendetwas Schlimmes passieren wird. Doch DOWN IN THE VALLEY lässt sehr zu seinem Vorteil den Zuschauer völlig im Unklaren darüber wie. Die Spannung steigt deswegen auch unaufhörlich für die Seher die noch dabei sind und erleben, wie der Film schier surreale Züge bekommt.
Aus der fast zu sehr weichgespülten Cowboy-Romantik wird ohne Vorwarnung ein kleiner Psychotrip der in dieser Zusammenstellung schon sehr eigen und ohne viele Vorbilder genannten werden kann. Nicht alles wirkt 100% logisch und konsistent, es gibt auch Längen und ich frage mich auch in Bezug auf die letztendlich präsentierte Moral was Regisseur David Jacobson (u.a. bekannt durch DAHMER) uns im Zentrum von DOWN IN THE VALLEY mitteilen wollte, aber die wirklich gelungen polarisierend-abgründige Eigenständigkeit des Films wiegt dies für mich mehr als auf.
7/10 BHs....äh,....Punkten