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Eine Hollywoodregel lautet, daß die Hauptdarsteller immer in einer Wohnung leben, die mindestens eine Klasse besser ist, als sie sich von ihrem Gehalt her leisten könnten.

Bei Sarah Nolan (Diane Lane) reicht das noch nicht. Entweder bezahlt ihr Ex-Mann ordentlich Unterhalt oder ihr Vater (Christopher Plummer) schießt noch einiges hinzu, denn das schöne Häuschen, indem sie alleine nach ihrer Scheidung lebt kann sie bestimmt nicht von ihrem Gehalt als Lehrerin für Vorschulkinder bezahlen.

Auch John Anderson (John Cusack) scheint gewisse materielle Grundlagen zu besitzen.Anders ist nicht zu erklären, daß er es sich leisten kann, ewig ein Holzboot in Handarbeit zu bauen für das er keinen Käufer findet.

Sind solche Überlegungen für eine Romantik-Komödie wichtig?

Im Prinzip nicht, aber es hat damit zu tun, warum diese Komödie nicht richtig funktioniert, obwohl so viele Zutaten vielversprechend sind :

Sarah und John sind beide frisch getrennt und da dieses gegen ihren Willen geschah, entsprechend verletzt. Da beide schon Ende 30 sind, besteht seitens ihrer Umwelt (bei John in Persona seines Freundes, bei Sarah ihrer zahlreichen Familienmitglieder) ein verstärkter Wille, die beiden wieder zu verkuppeln.

Sehr schön schildert der Film wie sehr das ganze Leben hier auf Familie getrimmt ist, indem Sarah schon Schwierigkeiten bekommt, wenn sie beim Fleischer nur eine kleinere Menge für einen Single-Haushalt einkaufen will.

Da sich beide schwertun, Kontakte herzustellen oder auf die zahlreichgen Tipps nicht eingehen, die ihnen ständig vor die Nase gehalten werden, wird einfach auf das Internet zu gegriffen. Gegen ihr Wissen werden diverse Blind-Dates verabredet, darunter auch eines zwischen John und Sarah, was prompt schiefgeht....

Neben den Treffen, die auf Basis von Sarah’s Internet-Anzeige zu Stande kommen – und natürlich zu vielen komischen Situationen führen – gibt es diverse Gelegenheiten auch in der unmittelbaren Umgebung, besonders dem attraktiven Vater (Dermot Mulroney) eines ihrer Schüler.

Warum bleibt diese Komödie so durchschnittlich, obwohl die Hauptdarsteller wie gewohnt überzeugend und symphatisch agieren? – Sie ist nicht ehrlich und irgendwie furchtbar angepaßt!

Ich möchte, um diese These zu untermauern, einen sehr frühen Film Cusack’s , der ja ein Spezialist für dieses Genre ist, anführen, nämlich „Der Volltreffer“ aus dem Jahr 1985.

Auch hier lernt er eine Frau unter etwas unglücklichen Umständen kennen, auch hier glänzt er wie gewohnt mit witzigen Sprüchen und Argumentationen . Aber das Ganze ist eingebettet in eine völlig überzeugende Rahmenhandlung und das für Jugendliche die Suche nach der ersten Liebe eine absolute Lebenspriorität darstellt ist völlig normal.

In „Frau mit Hund“ besteht diese Rahmenhandlung dagegen aus völliger Sorglosigkeit, die in einer wunderschönen Umgebung mit viel Natur spielt und in der sich alle Protagonisten – obwohl jenseits der 30 – wie die Teenager verhalten, z.B. als Mulroney nach der ersten Liebesnacht mit Sarah am nächsten Tag nur an seinen Sport denkt. Erst gibt er sich viel Mühe um sie rumzukriegen, dann macht er diesen Anfänger-Fehler.

Das könnte man alles durchgehen lassen, wenn der Witz und die durchaus guten Dialoge, die immer wieder rechtzeitig jeglichen Kitsch umschiffen, nicht auch daraus entstehen würden, daß sie gerade diesen Kuppelwahn und völlige Familienorientiertheit kritisieren.

Sarah und John wehren sich ja und wollen als Individuen dastehen, die sich dieser Hysterie nicht unterordnen, einfach weil sie auch das Recht haben,sich auf Grund ihrer verletzten Gefühle eine Auszeit zu nehmen und nicht mit dem Strom zu schwimmen.....

In Filmen wie der „Volltreffer“ ist die am Ende zustande gekommene Beziehung dann auch immer ein Ausdruck von Individualität, Cusack macht am Ende eben nicht, was seine Umgebung (und Freund) von ihm erwartet.

Hier dagegen bedeutet das Zusammenkommen – bei allen Wendungen, die bis dahin geschehen sind – eine Kapitulation vor der Massenmeinung. Am Ende darf der Fleischer erleichtert zum Himmel schauen, anstatt daß er für sein idiotisches Verhalten mal einen Tritt in den Hintern bekommt.

Und das ist das Geheimnis aller echten „Feel-Good-Filme“ : das hier auch immer ein Leben heraufbeschworen und ermöglicht wird, was als etwas Besonderes, etwas Einmaliges angesehen werden kann, von dem Jeder träumt.

Sarah und John dagegen passen sich an und verschwinden am Ende in der Menge und damit auch leider der Film (5/10).

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