„Die Figuren sind überzeichnet, …dass sie keine Persönlichkeit, …nur Attribute haben“ kritisierte einst jemand einen Streifen von Exploitation-Filmer Russ Meyer.
Damen mit auffallend üppiger Oberweite, bizarre Typen und skurrile Einfälle zeichneten dessen Werke vorzugsweise aus, - Zutaten, die Regisseur Jonathan Yudis für seine Hommage „Pervert“ sehr gut unter einen Hut bringen konnte.
Auch die Story, die zunächst wenig Abwechslung verspricht, punktet im Verlauf mit immer mehr abgefahrenen Einfällen. Da besucht James seinen Vater Hezekiah auf dem Lande, wo ihm sogleich zwei halbnackte Eigenschaften dessen mindestens 40 Jahre jüngeren Freundin entgegenhüpfen. James lässt sich auf eine Affäre mit der üppigen Blondine ein, doch Dad bemerkt irgendwann die Seitensprünge und kurz darauf ist die Frau spurlos verschwunden.
Wurde sie etwa Hezekiahs Opfer für dessen Fleischskulptur, an der er seit einiger Zeit in seinem „Atelier“ arbeitet?
Zugegeben, ein Freund übermächtiger Oberweiten war ich noch nie, aber Yudis hat sie hier so in Szene gesetzt, dass sie einem nicht gleich dutzendfach erschlagen. Zwar hüpfen einige Tüten auch mal in Zeitlupe durchs Bild, natürlich auch völlig entblößt und doch hält man sich Nahaufnahmen und übermäßigem Ablichten von Details zurück. Schließlich ist dies nicht nur ein Tittenfilm.
Obwohl. Doch. Vor allem in der ersten Hälfte, wenn Pornostar Mary Carey an einem Maiskolben herumlutscht und später Honig über ihre nackten Hupen laufen lässt.
Im Verlauf wird immer mal wieder blank gezogen und gesext, - allerdings ergibt sich daraus lediglich Softcore – etwas anderes hätte Vorbild Russ Meyer schließlich auch nicht abgefilmt (zumindest nicht für die Öffentlichkeit…).
Aber es gibt auch noch andere Zutaten. Denn die weibliche Skulptur in Dads Fleischwerkstatt, die ganz deutlich aus Mett besteht, löst mindestens ein Schmunzeln aus und auch der Nazi-Mechaniker, der vom Regisseur selbst dargestellt wird, ist nicht ohne, da er im Verlauf noch ungeahnte Vorlieben äußert. Wirkt zwar etwas deplatziert, wenn er sein Kind (auch in Wirklichkeit) schroff in die Werkstatt zurück kickt, aber letztlich sieht der Effekt wieder so stark nach Gummipuppe aus, dass auch hier Heiterkeit entstehen kann.
Den Höhepunkt des trashigen Treibens bildet allerdings ein Penis-Monster, das mit Clay-Motion-Technik animiert wurde. Und zwar so richtig übel, vor allem in den Bewegungen, was herzhaft scheiße aussieht, wenn man es letztlich am unsichtbaren Faden durch die Wüste zieht. Süß ist aber die Mimik des Phallus, mit treffenden Gefühlsregungen wie Ärger, Heiterkeit, Zustimmung und Enttäuschung.
Was dem Ganzen insgesamt ein wenig fehlt, ist ein durchgehend konstantes Tempo, wie es das letzte Drittel aufweist. Denn trotz überaus abwechslungsreicher musikalischer Untermalung, Einsatz von comichaften Sounds und Unterbringung blutiger Gewaltszenen, wie Kopf ab oder offener Brust, mangelt es oft an Drive. Zu viele Zwischenschnitte auf strippende Damen und merkwürdige Voodoo-Sequenzen wurden untergebracht, die die „eigentliche“ Handlung stets ein wenig ausbremsen.
Da kann auch darstellerisch nichts ausgeglichen werden, denn bis auf Darrell Sandeen als alter Hezekiah stechen vor allem sämtliche Damen durch mimische Unbeweglichkeit hervor, ihre Melonen sind da beweglicher.
Und da sind wir wieder beim Hauptmerkmal des unvergessenen Meyers, welches durch diesen Beitrag recht zielsicher geehrt wird. Ordentliche Rundungen, dazu ein paar derbe Gewaltszenen, tiefschwarzer Humor mit teilweise geschmacklosen Pointen, manchmal auch flache Pups-Witzchen und schräge Typen.
Das gestaltet sich zwar nicht durchweg unterhaltsam, verbreitet aber einen recht eigenständigen Charme und dürfte für Fans von Russ Meyer Filmen definitiv eine Sichtung wert sein.
Knapp
7 von 10