Gestern war es noch handfeste Unterhaltung für die ganze Familie, heute ist es Trash vom Feinsten, was Kevin Connor als Mini-SF-Welle da Mitte der 70er von Großbritannien lostrat.
Als Hammers Horrorfilme in der Pleite der legendären Firma strandeten und jenseits des Teiches die Tierhorrorwelle mit Haien, Ratten und einem Riesenaffen noch mal losgetreten wurde, hatte der Engländer die ausgetretenen Ideen der 50er und 60er Jahre schon vom atomaren Ballast befreit und mit dem Dinosaurierabenteuer "Caprona - Das vergessene Land" die optimale Schnittmenge aus Jules Verne, Steinzeitstory und kernig preiswerten Spezialeffekten zusammengetragen.
Held dieses kleinen Quartetts eher naiver Historienabenteuer aus der Beinahe-Fantasyecke war der kantig-sympathische Doug McClure, der stets ein aufrechter Kerl war, sich aber dennoch ständig in Schwierigkeiten befand. Nachdem es ihn im ersten Weltkrieg in die Antarktis verschlagen hatte, wo Briten und Deutsche sich in einem tropischen Ländle mit allerlei Urgetier herumschlagen mußte, war der Erfolg ausreichend groß, um später dann gleich noch eine Fortsetzung zu drehen. Zwischendurch aber probierte Connor die erfolgreiche Formel gleich an einem anderen Projekt aus, diesmal eben nicht in die Ferne, sondern in die Tiefe, wie der Originaltitel "At Earth's Core" schon suggeriert ("Der sechste Kontinent" bzw. "Angriff der Dinosaurier" treffen es nicht halb so gut.)
Rotzfrech behauptete man, man hätte hier eine Story von "Tarzan"-Schöpfer Edgar Rice Burroughs adaptiert und schickte ausgerechnet den im selben Jahr mit "Star Wars" am anderen Ende der Qualitätsskala beschäftigten Altmimen Peter Cushing an McClures Seite ins Rennen.
Die beiden Starten mit ihrem überdimensionalen Bohrgeschoss eigentlich nur auf eine Tour durch einen walisischen (übrigens mies rückprojezierten Modell-) Berg, landen aber aufgrund von Steuerungsunfähigkeit in der Tiefe des Erdmantels.
Wer jetzt anmerkt, diese Idee eventuell schon mal in "The Core" mitbekommen zu haben, liegt richtig, aber Connor verzichtet auf wissenschaftlichen Unterbau, Erdreichverdrängung oder Temperaturanstiege und läßt unsere Helden in einer unterirdischen Dschungelwelt landen. Dort wimmelt es nicht nur von abstrusen Monstren, sondern auch von Maulwurfsmenschen, telepathischen Vogelwesen, die die dort ansässigen Menschen unterjochen und von einer knuffigen Caroline Munro, die praktisch in jedem Lendenschurz sexy ausschaut.
War "Caprona" ein richtiger Popcorntütenleerer der naiven Machart, so schlägt "Der sechste Kontinent" leider in eine ganz andere Kerbe. Zwar zitiert Connor fröhlich den Filmmythenschöpfer George Melies, wenn er Cushing mit einem Regenschirm auf die lokale Fauna losgehen läßt, aber die Mischung aus künstlichen Sets und in diesem Fall zumindest grauenhaft überdeutlichen Rückprojektionen läßt das alles recht billig und für den guten Onkel Peter ziemlich unwürdig wirken.
Faszinierend auch, daß man sich im Erdkern offenbar als Mensch irre gut mittels Oxfordenglisch verständigen kann, während man dann den halben Film mittels Ketten und Peitschen durch das Unterholz getrieben wird, bis man in der Sklavenstadt dann in einem studioaffinen Tunnelsystem landet, wo man kostengünstig den Rest inszenieren kann.
Es ist überdeutlich, "At Earth's Core" ist absoluter Käse, ein kompletter Mumpitz, den sich Milton Subotsky besser nie ausgedacht hätte, denn der Film tritt zumeist auf der Stelle und leidet an fehlender Dramaturgie. Da müssen Infos über die bestehende Situation mit der Brechstange zusammengesucht werden, während die laufenden Maulwüfe einen auspeitschen (als ob je jemand so schneller gelaufen wäre) und den Rest des Films verbringen wir mit erfolglosen Fluchtversuchen.
Die telepathisch versierten Vogelwesen, die hier auf Diktator machen und hie und da mal eine Jungsteinzeitfrau wegknuspern, sind zwar eine dolle Idee, die Kostüme jedoch der absolute Jokus, was nur noch von den Pappmache- und Blechmonstren übertroffen wird, die hier die Dinos ersetzen. Die Toho-Studios haben sich vermutlich vor Lachen die Hosen genäßt, wenn sie die Rhinozeros-Monstren und Arena-Echsen hier nach dem Mann-im-Kostüm-Prinzip auf einander losgelassen hätten.
Als Held präsentiert sich McClure als ziemlich unorganisiert und ineffektiv und Cushing überrascht mit ungeheuren Talenten, wenn er eine vollkommen unbekannte Schrift gerade dann lesen kann, wenn er es laut Drehbuch mal braucht. Frau Munro ist den halben Film über komplett abwesend, kommt aber rechtzeitig zurück, um mitzubekommen, wie man ein opressives Mutantenregime mal so binnen weniger Stunden zum Sturz bringt, indem man den ansässigen Kerlen und Mädels mal zeigt, was Pfeil und Bogen sind.
Wer also bei Richard Chamberlains "Quatermain" vor Lachen in die Auslegeware gebissen hat, der wird auch hier sein Gebiß festhalten müssen, denn hier stimmt gar nichts (der Autor verfaßte nie wieder ein Drehbuch, war aber ein bewährter Anthologienschreiber für Amicus, die hier das Erbe Hammers antreten wollten), das aber mit bemerkenswerter Konsequenz.
Die Story hat zwar einen witzigen Schlußgag, aber die billige Machart und die albernen Spezialeffekte tragen nie den naiven Charme, den "Caprona" so auszeichnete.
Immerhin: die natürliche Disziplin und Würde, die Peter Cushing so unverwechselbar machte, läßt ihn auch diesen kuriosen Job mit dem Maximum an Ernsthaftigkeit und Spielfreude durchziehen, was man ungemein honorieren sollte. McClure kehrte anschließend nach Caprona zurück und reüssierte dann abschließend in dem Kracher "Tauchfahrt des Schreckens", der die Erdkernstory praktisch in neuem und submarinen Gewand noch einmal wiederholte, wenn auch latent hochwertiger.
Aber wenn sie schon einen dieser Burroughs-Quasi-Adaptionen verpassen wollen, dann nehmen sie diesen. (3/10)