Da ist er also - der zweite Auftritt von Jason Statham als Transporter. Nach etlichen Actionblockbustern diesen Sommer also der nächste Ausflug für den Zuschauer in die Abteilung „Sinnlose Action“. Wo die "Fantastic Four" scheiterten (keine Story, bescheidene Schauspieler und verhältnismäßig wenig Action), konnte Michael Bay bei "The Island" wenigstens ein wenig Sinn reinbringen und scheiterte ironischerweise genau mit der leicht unausgegorenen Mischung aus Story und Action. Einzig das Ehepaar "Mr & Mrs Smith" konnte bisher begeistern. Zwar haben wir da auch keine Story, aber eine riesige Menge Humor, eine noch größere Menge Action und dadurch großen Unterhaltungswert. Beim zweiten "Transporter" haben wir von allem etwas - oder auch eben nicht. Keine Story - check. Schwache Schauspieler - durchaus. Sinn - auf keinen Fall. Maßlose Übertreibungen - das wäre noch untertrieben. Nichts mit dem man bei einem Film dieses Genres nicht leben könnte. Der erste Teil hatte davon auch alles. Allerdings hatte der auch noch mehr als der zweite Teil: nämlich mehr als einige Oneliner, die ziehen, und mehr Action - denn hier geht's nur zum Schluss zur Sache...
Frank "The Transporter" Martin transportiert diesmal einen Jungen; jeden Morgen zur Schule hin und jeden Nachmittag wieder zurück nach Hause. Als er ihn aber unplanmäßig mal zum Arzt bringen muss, beginnt richtige Arbeit für ihn. Denn der Arzt wurde vor kurzem erschossen und die neuen zwielichtigen "Vertretungen" setzen kurz darauf schon ihre sicherlich nicht gegen Tetanus wirkende Spritze an den Arm des Jungen. Blitzschnell schaltend kann Frank erst einmal das Schlimmste verhindern, doch wird kurze Zeit später noch aufgespürt und verliert den Jungen an Gianni (Alessandro Gassman), dessen Freundin Lola (Kate Nauta) und seine Kollegen. Sie erpressen die Eltern, aber da muss doch noch mehr hinter stecken...
Da steckt tatsächlich mehr dahinter, aber das dürfte sowieso keinen interessieren. Der erschaffene Virus und der Auftrag dahinter dienen hier natürlich nur dazu, die Actioneinlagen zusammenzuhalten. Aber schon kommen wir zum Problem Nr.1: mir war irgendwie so, als wären alle Actioneinlagen, jedenfalls alle vor dem Showdown, der spektakulärer und weitaus ansehnlicher daherkommt als alles zuvor auf den Zuschauer Niederregnende, recht kurz und ohne irgendwelche Höhepunkte. Ein bisschen Kloppen, zwei Verfolgungsjagden und ein bisschen Geballer, meistens von Franks Gegnern ausgehend, hören sich auf dem Papier sicherlich ganz spaßig an, doch an der Umsetzung hapert es. Nicht, dass ich groß erwartet hätte, dass man hier nach allen Regeln der Physik und Logik einen Actionfilm zaubert, aber die Bombenentschärfung war dann doch ein wenig zu viel des Guten. Das will ich nicht als Kritik werten, aber wer die Szene gesehen hat, weiß, was ich meine. Das Auge von Frank muss hervorragend sein, wenn er das so timen kann. Alle Actionszenen sind zwar so "logisch", aber hier wird der Vogel abgeschossen. Die Logik ist aber wie schon gesagt nicht das Problem, sondern ganz einfach die Kürze der Szenen. Besonders die erste Klopperei im Parkhaus gibt schon erste Anzeichen, in welche Richtung wir uns hier bewegen. Nach einem der wenigen guten Oneliner von Frank, der schon aus dem Trailer bekannt sein sollte, wird sich hier, geschätzt, nicht mal eine Minute auf die Rübe gegeben, um dann schon wieder entspannte Töne anzuschlagen. In der Arztpraxis werden mehrere solcher kurzen Actionsequenzen aneinandergereiht und auch die Zu-Fuß-Verfolgung geht grade so lange, dass sie den Pulsschlag langsam beginnt, ansteigen zu lassen. Doch auch die ist schneller zu Ende als einem lieb ist (wobei die Jetski-Szene durchaus stylisch war). Erst nach geschlagenen 70 Minuten, also genauer gesagt zum Showdown, der hier bei dem sehr kurzen Film von knapp über 80 Minuten Netto beginnt, geht's ordentlich zur Sache und ich bekam endlich das, wofür ich mich eigentlich ins Kino bewegte: mehr Action, mehr Coolness und noch mehr Sinnlosigkeit. DIE Szene im Film findet sich erst hier. Beim Kampf gegen unzählige Gegenspieler dient Frank nur ein Schlauch als Waffe. Was man damit alles anstellen kann, sollte man selber sehen. Beim Gut-gegen-Böse-Showdown merkt man einen weiteren negativen Anspekt. Manche CGI-Effekte sind wirklich lächerlich. Ich will hier nicht zuviel verraten, aber die Aussenansichten des Flugzeugs sind wirklich unter aller Würde.
Und dann, eigentlich ist noch gar nicht soo viel passiert, ist der Film auch schon wieder vorbei. Die Action ist vorhanden, allerdings so ausgeprägt, dass sie, wenn man es sich grade im Sessel bequem gemacht hat, auch schon wieder vorbei ist.
Ein weiterer negativer Aspekt wäre der zweite Teil, der den Vorgänger so unterhaltsam machte: der Humor. Der ein oder andere cool-lockere Spruch war schon da, aber eben nur sehr wenige. Dadurch sinkt der Unterhaltungswert noch mal ein gutes Stück und der Vorgänger verschwindet endgültig in weiter Ferne.
Schauspielerisch erwartet man hier, ähnlich einem Horrorfilm, keine Oscaranwärter, aber immerhin Jason Statham kann mit seiner Coolness (sehr stylisch schon, wenn er sich nur den Handschuh im Auto anzieht oder sein Jacket vor einem Kampf erst ablegen muss, da dieses frisch gereinigt ist) den knallharten Beschützer verkörpern. Einen Oscar wird er sicherlich nie gewinnen (auch mit Guy Ritchies neuem Film "Revolver" wahrscheinlich nicht), aber er passt einfach in diese Rolle und bleibt damit auch noch der beste Schauspieler.
Kate Nauta (ähhm wer?) als ständig mit zwei Waffen schießende (bezeichnet man ihren Charakter dank ihres Auftretens eigentlich schon als Schlampe?) Freundin von Gianni, läuft praktisch den ganzen Film in Unterwäsche rum, aber ich persönlich hätte es lieber begrüßt, wenn sie angezogen geblieben wäre, da sie mir persönlich, soviel Subjektivität sei mir an dieser Stelle gegönnt, äußerlich gar nicht zusagte. Aber auch schauspielerisch kam da gar nichts - sie musste ja nur schießen, da war zum fragen und schauspielern keine Zeit mehr.
Amber Valletta ("What lies beneath", "Hitch") geht für das Genre sicherlich als fürsorgliche, verzweifelte Mutter auch in Ordnung, während Franks Gegenspieler Alessandro Gassman ebenfalls sehr blass bleibt. Je böser die Rolle, desto schlechter die schauspielerischen Qualitäten also.
Festzuhalten bleibt, dass nach Teil 1 ein größerer Qualitätsabfall kam, als man zunächst gedacht hätte. Es ging auch nicht in die Unterhaltungsrichtung, wo der Film sicherlich hin will, wie "Mr & Mrs Smith", sondern bleibt erschreckenderweise eher in Gefilden eines lahmen "Fantastic Four" hängen. Ein stylischer Jason Statham, ein gelungener Schlussspurt und im Grunde keine großartige Langeweile sorgen dafür, dass man sich den Film, und sei es nur der Vollständigkeit halber, einmal angucken kann. Eine zweite Sichtung muss aber nicht sein. Dafür gibt es zu kurze Actionszenen, die zudem allseits bekannt ablaufen und keinerlei Innovationen bieten. Es gibt eine Autoverfolgungsjagd, viele Schlägereien und Frank darf auch kurz auf einem Jetski Platz nehmen. Aber man hat nie den Gedanken, dass das jetzt neu oder gar großartig ist. Hier wird zuviel Altbekanntes aufgewärmt. Wenn der Humor wenigstens noch gestimmt hätte, aber auch der bleibt diesmal fast gänzlich aus.
In spätestens zwei Wochen habe ich sicherlich bestenfalls noch das Jetski und die Schlauchszene im Sinn. Das ist immerhin etwas, wenn ich daran denke, was ich heute noch von den "Fantastic Four" weiß (Jessica Alba wird unsichtbar, Jessica Alba unter der Dusche, Jessica Alba zieht sich aus...). Allerdings ist das immer noch zu wenig, um daraus einen hervorragenden Unterhaltungsfilm zu machen. Langweilig nicht, aber auch nicht unterhaltsam. Irgendwie... nichts.
Brad? Angelina?