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Der „Transporter“ beehrt zum zweiten Mal die Kinoleinwände und macht dieses Mal das sonnige Miami unsicher.
Frank Martin (Jason Statham) ist nach Miami übergesiedelt, aber immer noch der coole Vollprofi, der er bereits im ersten Teil war, das machen schon die ersten Minuten klar. Wie der Vorgänger beginnt es in einer Lagerhalle, dieses Mal bekommt jedoch Stress mit einer Horde von Carjackern. Aber es gibt kurz und bündig auf die Fresse, dazu behält Frank noch seine gewohnte Coolness und Professionalität, da kommt schnell das Feeling des ersten Teils auf.
Frank fährt vor für seinen nächsten Auftrag: Den kleinen Jack (Hunter Clary) von der Schule abzuholen. Der Kurierfahrer hat in seiner freundlichen Art diesen Auftrag angenommen, obwohl dies sonst nicht sein Metier ist. Frank spielt mit Jack Ratespiele, wo schnell klar wird, dass Frank das Kind nicht von der Hochbegabtenschule abgeholt hat. Das Kind nervt auch (wie Blagen in Filmen es häufig tun), aber zum muss man es im weiteren Verlauf nie mehr so lange wie bei der Autofahrt ertragen.

Jack ist der Sohn von Audrey (Amber Valetta) und Jeff Billings (Matthew Modine). Jeff ist führender Drogenbekämpfer in Miami und das ruft Schurken wie Gianni (Alessandro Gassman) und dessen Geliebte Lola (Kate Nauta) auf den Plan. Bei einem Arzttermin, zu dem Frank Jack fährt, wollen sie Jack etwas spritzen und ihn entführen, aber Frank riecht den Braten und rettet den Jungen. Das gibt dann eine zerschossene Praxis, doch hier fällt der unnötige Trasheinschlag in „Transporter 2“ auf, wenn Lola in Strapsen mit zwei Uzis rumballert, die selbstverfreilich nie nachgeladen werden müssen. Ohnehin wirkt Lola so, als habe Luc Besson in dieser Figur wirklich alle Killerinnen-Klischees zusammengeschrieben, die ihm einfielen: Lola läuft ständig leicht bekleidet rum, ist die totale Superbitch (leckt Frank übers Gesicht usw.) und erweist sich als total schießgeil. Soviel Blödheit hätte echt nicht sein müssen.
Doch die Freude über Jacks Rettung ist nur von kurzer Dauer, denn die Entführer kriegen den Jungen mit einem hundsgemeinen Trick doch noch in ihre Gewalt. Von den Behörden als möglicher Komplize verdächtigt, schreitet Frank zur Rettung…

Luc Besson hat für „Transpoter 2“ ein Script zusammengeschrieben, welches noch simpler als das des Vorgängers daherkommt: Die Bösewichte sind von Anfang an bekannt und der einzige wirkliche Twist ist die Tatsache, dass noch mehr hinter der Entführung steckt. Aber jeder Zuschauer kann sich nach dem Arzttermin bereits denken, wie der Plan aussieht, also fällt auch hier das Überraschungsmoment flach. Doch dafür liegt hier die Würze in der Kürze und der Film tritt ebenso aufs Gaspedal wie seine Hauptfigur: Bei einer Laufzeit von rund 80 Minuten geht es hier Schlag auf Schlag, sodass „Transporter 2“ immerhin einige Kurzweil bietet.
Doch das Gelingen von „Transporter 2“ liegt einzig und allein in den Händen von Corey Yuen. Der Actionregisseur dreht die Actionszenen wirklich famos und es geht sogar noch häufiger zur Sache als im Vorgänger. Geschossen wird dieses Mal nicht soviel, stattdessen gibt es wieder reichlich Verfolgungsjagden und Fights. Es geht noch spektakulärer als im ersten Teil zu (Sprung von einem Hochhaus ins andere), was leider auch heißt, dass „Transporter 2“ noch unrealistischer ist und das ist teilweise zuviel des Guten (die Szene, in der Frank die Bombe unter seinem Wagen an einem Kranhaken abstreift, ist z.B. einfach zu übertrieben). Echte Highlights sind die Szenen, in den Frank mal wieder ganze Gegnerhorden in Grund und Boden klöppelt und in bestem HK-Stil Feuerwehrschläuche, Südfrüchte und was das Set noch so hergibt zweckentfremdet.

Das klingt jetzt ganz so, als könne „Transporter 2“ den Vorgänger überflügeln, doch das gelingt leider nicht. Schuld daran ist zuallererst der Showdown: Nach einem langweiligen, unspektakulären Fight gegen Lola geht es zur Finale in außer Kontrolle geratenen Jet. Der trudelt entgegen jeder Flugphysik herum, in dem rumrollenden Flugzeug hat der Endfight weniger Schauwerte als Spielplatzrauferei und zudem sehen die CGI-Außenaufnahmen vom trudelnden Flugzeug katastrophal schlecht aus. Das trifft leider auf einige CGIs hier zu, wie z.B. den grauenvoll animierten Hubschrauber. Ebenfalls etwas enttäuschend ist der bereits angesprochene Trashfaktor; da war der Vorgänger mit seiner etwas bodenständigeren Art sympathischer.
Neben Corey Yuen kann man noch Jason Statham einen Anteil am Gelingen des Films zusprechen, denn der Mann verkörpert den Transporter mal wieder genial: Cool, professionell, aber auch gelegentlich mal mit einem ironischen Spruch. Amber Valetta und Matthew Modine sind solide, Alessandro Gassman und Kate Nauta gehen als Fieslinge eher in Richtung Knallchargen. Erfreulich: François Berléand aus dem Vorgänger darf wieder als Tarconi mitmischen.

„Transporter 2“ hätte den Vorgänger toppen können, denn die Actionmenge ist hier noch höher. Der enttäuschende Showdown, die miesen CGI-Effekte und der trashig-übertriebene Einschlag sorgen jedoch leider dafür, dass der Film geringfügig schwächer als der erste Teil daherkommt.

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