Nach dem Erfolg vom ersten "Transporter" war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung das Licht der Filmwelt erblickt. Verantwortlich für das Drehbuch ist wieder einmal Luc Besson, der das Geschehen nach Miami verlagert und der Film auch sonst sehr veramerikanisiert - klar, denn schließlich soll das Teil ja auch in den Staaten Kohle ranschaffen. Die Totalverkommerzialisierung ist Besson aber überraschen gut gelungen, wenn man - nach genügend Erfahrung mit US-Actionfilmen - weder Wert auf eine sinnvolle Story, realistische Action und intelligenten Humor legt.
Frank Martin (Jason Statham) ist der "Transporter", der ohne Fragen zu stellen seine Jobs souverän erledigt. Zur Zeit ist er als Chauffeur des Jungen eines wichtigen Mitglieds des Drogenbekämpfungsausschusses. Doch der Junge wird von entführt und Frank wird verdächtigt Mittäter zu sein Nun liegt es an ihm die Entführer dingfest zu machen und den Jungen heil zurück zu bringen. Doch die Kidnapper verfolgen einen hinterhältigen Plan...
Klar ist die Story alles andere als originell oder tiefgründig. Sie ist relativ oberflächig und selbst nach sechs Flaschen Bier noch komplett verständlich. Das dies bei amikanischen Actionfilmen standard ist, wusste Luc Besson und hat "Transporter 2" dementsprechend auch perfekt angepasst. Schauspielerisch wird wiederum ansehnliches Niveau geboten, sowohl Jason Statham, dem die Coolness scheinbar in die Wiege gelegt wurde, als auch Model Kate Nauta, die eine mordlüsterne und sexgeile Killerbitch erster Güte spielt, können überzeugen. Aber auch die restlichen Schauspieler machen ihre Sache ordentlich, allen voran François Berléand, der den Bekannten von Frank spielt und andere gerne vom Kochen überzeugt.
Actionmäßig wird hier viel geboten, was natürlich auch der Sinn eines Actionfilms sein sollte. Den mordernen Genrestandards zufolge muss dies natürlich sehr stylisch inszeniert und möglichst realitätsfern sein. "Transporter 2" ist in dieser Hinsicht nahezu perfekt, den vor allem die Autostunts sind so weit von der Realität entfernt wie die BILD Schlagzeilen. Allein die 360 Grad Drehung im Flug um damit die an der Fahrzeugunterseite angebrachte Bombe loszuwerden ist einfach nur genial hirnrissig. Aber für Audi dürfte dies perfektes Product Placement bedeuten, denn was dieses Auto alles kann, das ist schon phänomenal ;-)
Die Kampfszenen wie auch die Schießereien sind hervorragend choreografiert und einfach nur schön anzuschauen. Natürlich ist keine übermäßige Brutalität im Spiel, denn schließlich ist der Film auch für eine jugendliche Zielgruppe gedacht und nicht nur für Erwachsene. Vor allem Kate Nauta im sexy Bitchdress macht mächtig Chaos und schießt gerne alles kurz und klein. Bei der Szene mit dem Wasserschlauch scheint man sich aber bei "Romeo Must Die" inspiriert zu haben...
Louis Leterrier hat mit "Transporter 2" eine wirklich hervorragende Fortsetzung hingelegt, die anders als der erste Teil nicht auf französisches Flair und Eleganz setzt sondern voll auf moderne amerikanische Werte wie Hochglanzoptik der Action samt eigentlich unmöglichen Stunts, einer ordentlichen Portion Selbstironie und einer tadellosen unterhaltsamen stylistischen Inszenierung. Dies ist wunderbar geglückt und "Transporter 2" ist somit einer der besten Actioner des laufenden Jahres geworden.
Hirn aus, Bier auf und genießen :)
9 von 10 Punkten.