Transporter - The Mission ist der beste Beweis, dass die Franzosen es mittlerweile auch perfekt drauf haben:
Bunte, laute und inhaltlich sekundäre Actionfilme zu drehen nämlich.
Diesjähriger Genreprimus xXx² - Next Level wird beinahe vom Thron gestossen; auch die anderen Bezüge zum [ finanziellen ] Tamahori - Flop sind so auffallend, dass man an besten eine Doppelvorstellung arrangieren sollte.
Beide Sequels spielen nach dem vorher europäischen Schauplatz diesmal in dem gelobten Land, wo die Kamera Postkarten von Urlaubsorten und knapp bekleideten Mädels einfangen kann. Nun behält diese Fortsetzung zwar seinen Helden, aber setzt ihn ausserhalb seiner sonstigen Tätigkeit und inmitten weit grösserer Dimensionen aus, nur das Auto und der Anzug ist noch geblieben.
Der hochdekorierte Ex - Soldat Frank Martin [ Jason Statham ] spielt diesmal für einen Freund Vertretung und damit Babysitter; er darf den kleinen Sohn eines Drogenbeauftragten chauffieren.
Als dieser trotzdem entführt wird, geht die Chose los.
Die im Erstling etablierten Vorgaben werden dabei zwar noch anskizziert, aber leider auch öfters zu stark variiert, wobei der ursprüngliche Reiz abhanden kommt und durch eine visuell volle und inhaltlich leere Überflutung ausgetauscht wird. Der zweite Teil ist dem Ersten gegenüber weder konsequent noch stimmig, und will das scheinbar auch gar nicht sein; der Bedeutungswechsel geht von der ersten Einstellung an in ein Mehr über: Diesmal ist es halt bunt und laut und gehörig dumm.
Überladen also; genau das, was man vorher nach Möglichkeit vermieden hat.
Werden anfangs noch einige Twists aus der bekannten Konstellation geschlagen - hier bimmelt die Sirene der Schule, dort die der Bank - , und auch einige wenige Eigenschaften übernommen - der französische Polizeikommissar kommt zu Besuch - ; so ist der Rest des Filmes ein eigenständiger, der auch ohne die Hinweise funktioniert hätte, wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt sagen kann.
Das Skript von Besson sieht genauso aus, wie man das nach einiger Kenntnis der Materie und dem Trailer erwarten konnte: Eine naive und zwangsläufig substanzlose Comicabhandlung nach der Man on Fire Formel, die wenig Dialog und Sinn macht, aber dafür rasch und mechanisch voranschreitet. Materiell ist das alles Schmierentheater, schematische Albernheit mit fehlender Kongruenz. Nicht einmal Komödie, da scheinbar ernsthaft mit den Klischees gearbeitet wird, anstatt diese für subtile Lacher einzusetzen. Der Rastamann im Taxi. Der crepes-backende Franzose. Der farbige Cop. Das zerstrittene Ehepaar, das über den entführten Sohn wieder zueinander findet. Ein lateinamerikanischer Schmierlappen - Bösewicht mit der goldenen Uhr. Ein tödliches Virus und die Suche nach dem begrenzten Gegengift.
Es stimmt schon, dass alle Geschichten schon einmal erzählt wurden, aber die so bekannt noch mal zusammenzusetzen ist keine gedankliche Leistung.
Es wäre Trash auf hohen Niveau, wenn man öfters spüren würde, dass alles nur ein Spass ist. Es wäre Last Action Hero, wenn der Held zwischen Kugeln, Autos und Explosionen ausweichen erkennen würde, dass er nur schlecht erfunden ist.
Statham selber bleibt lakonisch, aber ansonsten ernst, dringend nötige Oneliner nicht inbegriffen.
Zudem verärgert Besson und/oder Leterrier mit ihrem Frauenbild: Der Prolog mit einer grotesken Schulmädchenphantasie wird in der Gespielin des Bad Guys weitergeführt, einer obszön waffenstarrenden grossen dürren Strapsmaus. Da fragt man sich schon, ob der Regisseur auf so etwas abfährt oder ob er glaubt, dass sein Publikum darauf steht. Was noch schlimmer wär.
Abgesehen davon lässt er auch hier wieder lieber seine Assistenten Corey Yuen Kwai und Michel Julienne arbeiten. Anlass für Action wird jedenfalls genug geschaffen und dann auch ohne lange Atempause umgesetzt, wobei die Qualität aber jedesmal stark schwankt und ausgerechnet die kleineren Szenen eher in Erinnerung bleiben. Bei Verfolgungsjagden in extremer Sonnenästhetik wird gleichzeitig auf abstrakter Weise Blues Brothers mit der Polizei gespielt und James Bond nachgeäfft. Was mit etwas Stirnrunzeln solange gut aussieht bis die wahnwitzigen CGI Effekte zum Vorschein kommen und zum Schluss die Oberhand gewinnen; noch eine Gemeinsamkeit.
Konträr zu dem falsch gesetzten Effektbewusstsein sind die Martial Arts Einlagen eher mit minimalistischen Mitteln und optimal konfigurierten Szenenbilder ausgestattet. Sowohl der Kampf im Boothaus als auch der Garage entsprechen endlich mal dem, was man zu Sehen wünscht; etwaige Härten für die niedrige Freigabe werden hierbei auch ausgespielt.
Das alleine reicht natürlich nicht als Qualitätsreservoir für einen guten Film aus. Jedenfalls nicht, wenn der Rest zwar zugegeben auch unterhaltsam, aber das meistens nur aufgrund seiner Lächerlichkeit ist.