Review
von Alex Kiensch
Eine der Grundregeln des modernen Blockbuster-Kinos lautet, dass so gut wie jeder Film, der erfolgreich an den Kassen lief, mindestens eine Fortsetzung benötigt. Und so war es nach dem Überraschungserfolg von "The Transporter" wohl nur eine Frage der Zeit, bis der zweite Teil folgen würde. Mit gleichem Team - Louis Leterrier auf dem Regiestuhl, Luc Besson als Produzent und Jason Statham in der Hauptrolle des knallharten Kurierfahrers Frank Martin - und ungleich mehr Ideen schlägt "Transporter - The Mission" denn auch ein wie eine Bombe. Auch wenn er mitunter über das Ziel hinausschießt.
In ihrem Bestreben, den Vorgänger in Sachen Action und Tempo noch zu überbieten, pfeifen die Filmemacher hier völlig auf Dinge wie Logik oder Figurencharakterisierung. Bis auf einige wenige ruhigere Strecken hangelt sich der Film von einer Actionsequenz zur nächsten. Dabei wird ein ganzes Arsenal von Genre-Klischees herbeizitiert: Action-Stunts jenseits aller Glaubwürdigkeit (Statham springt mit seinem Audi durch die Luft, überschlägt sich, streift mit dem Unterboden an einem Haken entlang und reißt dadurch eine am Wagen versteckte Bombe ab, bevor er sich weiter dreht, auf allen vier Rädern aufkommt und weiter fährt), eine kaum existierende Story und hemmungslos übertrieben gezeichnete Figuren - von den psychotischen Bösewichtern über impertinente Cops, hysterische Randfiguren bis zum supercoolen Helden, der aus zehn Metern Höhe auf ein Taxidach springt und danach ohne einen Kratzer weiter joggt.
Das alles ist eine ziemlich krude Mischung und es würde den Film sicher zu einem peinlichen Flop machen, wüssten die Macher nicht zumindest in Sachen Action, was sie tun. Abgesehen von einigen unrealistischen - und mäßig getricksten - Spezialeffekt-Stunts überzeugt nämlich auch der zweite Teil durch ebenso harte wie rasante und spektakuläre Actioneinlagen. Wilde Schießereien, Verfolgungsjagden mit hohem Blechschadenanteil und als Krönung furios choreographierte Fights in bester Kampfkunst-Manier. Hier zeigt sich wirklich das Talent Leterries: Die Kamera zelebriert in schnellen, aber doch übersichtlichen Bildern die brutalen Kämpfe und irren Prügeleien, in denen Statham reihenweise Gegner niederstreckt. Das alles wird erneut von einem größtenteils coolen Soundtrack unterlegt, der besonders diese Kampfszenen zu einem Genuss für Genre-Freunde macht.
Dennoch überwiegen hier die stilistischen und inhaltlichen Schwächen etwas mehr als im Original. Die vor Logiklücken strotzende Story, der Mangel an Selbstironie, der nicht durch einige platte Gags ersetzt werden kann, und der krampfhafte Versuch, sich durch Superzeitlupen, skurrile Kamerawinkel und Spezialeffekte an einen "CSI: Miami"-Look anzupassen, nehmen dem charismatischen Hauptdarsteller und den gelungenen Actionsequenzen den Atem.
Wer einen entspannten Abend mit einem kurzweiligen Action-Böller sucht, der ist bei "Transporter - The Mission" schon richtig. Aber auf einige grundlegende Filmattribute muss man hier dennoch verzichten. Hinter dem ersten Teil bleibt diese Fortsetzung - wie so viele andere - deutlich zurück.