Review

Nach einer kreativen Auszeit infolge einiger Flops meldete sich Tsui Hark mit „Die sieben Schwerter“ anno 2005 zurück, versprach nach dem zweieinhalbstündigen Kinocut noch eine vierstündige Version, die er jedoch zugunsten anderer Projekte fallen ließ.
Der Erzähler des Kampfkunst-Epos versetzt den Zuschauer zurück in eine mystische Vergangenheit, in welcher Martial Arts mittels kaiserlichen Dekrets nicht nur verboten werden, sondern Kampfkünstler gleich auch noch zu Freiwild erklärt. Eine Horde schwarz-weiß angemalter Übelwichte veranstaltet Massaker unter den Betreffenden, killt für das Kopfgeld auch Frauen und Kinder. Es ist ein Kampfkunstmärchen, in dem fast nur ausschließlich Gute und ausschließlich Böse einander bekriegen, in dem die Physik zugunsten fliegender Kampfakrobat zurücktreten darf, in dem Fantasy und Historie eine Symbiose eingehen.
Eine der wenigen ambivalenten Figuren ist Fu Qingzhu (Liu Chia-liang), ehemaliger Henker des Kaisers, der sich gegen die Mordbuben stellt, von ihnen verwundet wird und die Bewohner eines Dörfchens, die ihn aufpäppeln, vor den nahenden Schergen warnt. Die wollen jedoch Widerstand leisten, also lässt sich Fu von einem Männlein und einem Weiblein zum Schicksalsberg bringen, wobei man hier bereits die Straffungen im Film merkt: Ein Schneesturm zieht, nach einem Sturz in eine Gletscherspalte sind die Helden im Lager des Schwerthüters, ziehen dann direkt wieder von dannen, kriegen aber flugs Klingen vor die Füße geworfen und Unterstützung zugesichert – das wirkt sehr zusammengestoppelt.

Vier Schwertmeister kommen mit, für Fu und die beiden Dorfbewohner gibt es jeweils eine Klinge. Sieben Schwerter sind nun also unterwegs, bereit die Bösewichte aufzuhalten, deren Anführer Fire Wind (Honglei Sun) in der Nähe seinen Palast hat…
Was bei „Die sieben Schwerter“ auffällt, ist die Tatsache, dass die vorliegende Fassung leider kein guter Kompromiss ist. Als knackiger Schwertkampf-Actioner geht Harks Film mit seinen zweieinhalb Stunden jedenfalls nicht durch und gerade in der Mitte wird immer wieder Filmzeit für Subplots aufgewendet: Sei es die Verabschiedung eines treuen Pferdes oder zarte Liebesbande, all das wird abgehandelt und durchaus zeitintensiv, doch bleiben all diese Elemente in der Luft hängen. Denn der Film ist auch nicht das Epos, das er gerne wäre, zu oberflächlich werden die Charaktere eingeführt, zu wenig erfährt man über die einzelnen Schwertmeister. Von interessanten Fragen wie jener nach den Eigenschaften der Schwerter oder den Spezialfähigkeiten verschiedener Unterbosse im Feindeslager ganz zu schweigen – vermutlich hätte hier die vierstündige Version Abhilfe geschaffen, aber die gab es ja nun einmal nicht und so schwächelt „Die sieben Schwerter“ als wahlweise zu langer oder kurzer Film.

In den Actionszenen wiederum ist deutlich zu erkennen, was hier eigentlich möglich gewesen wäre. Gerade die guten wie bösen Fighter zeichnen sich durch verschiedene Kampfstile und Bewaffnung aus, weshalb choreographisch für große Vielfalt gesorgt ist. Trotz Drahtseiltricks ist das Bewegungsrepertoire der Kontrahenten gut zu erkennen, die Umgebung wird in die Kämpfe mit einbezogen und angesichts der immensen Anzahl fieser Schergen sind aufwändige Massenfights zu begutachten, ebenso klassische Mano-a-Mano-Fights, all das in überbordernder Länge und auch ganz gut über den Film verteilt, wenngleich „Die sieben Schwerter“ in der Mitte etwas hängt.
Dass die Darsteller, auch Donnie Yen, leider kaum gefordert sind, bekommt dem Film leider nicht gut, denn in besagtem Mittelteil zerfastert der Film. Die erwähnten Subplots laufen ins Leere, die Flucht der Dorfbewohner vor den Schurken macht die Bedrohung selten greifbar und allenfalls die Suche nach einem Verräter in den eigenen Reihen überzeugt. Da hilft es dann auch nur teilweise, dass „Die sieben Schwerter“ malerisch schön inszeniert ist, dass die Landschaftsaufnahmen schick aussehen und die Ausstattung opulent ist, es fehlt einfach der rechte Kick. Es bleiben Fu und Fire Wind als etwas stärkere Charaktere, wobei auch der Schurke vor allem durch seinen Darsteller lebt: Fire Wind ist zwar charismatisch, aber doch eine flache Figur, einfach nur machtgeil und böse, geldgierig und niederträchtig, aber ohne besonderen Grund dafür. Eine Figur, die man fast schon comichaft nennen könnte, wäre der Film ansonsten nicht so episch wie ernst aufgezogen.

Insofern ist „Die sieben Schwerter“ unheimlich schön anzuschauen und ist gerade in den Actionszenen ein kraftvoller Schwertkampffilm, doch unentschlossene Hängen zwischen kurzem Reißer und ausuferndem Epos schwächt die Wirkung von Harks Film: Für ersteres sind die Subplots zu ausgewalzt, für letzteres fehlt dann aber doch der Zugang zu den Figuren, bleiben zu viele Detailfragen offen. Nicht schlecht, aber vermutlich wäre der Film erst bei vierstündiger Länge zu Hochform aufgelaufen.

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