Review

Vom Parkett ins Bett


Fünf Jahre bevor Alan J. Pakula mit „All The Presidents Men“ seinen prägenden Alltimer schaffen konnte, bewies er schon mit dem eiskalten und starbesetzten Neo Noir „Klute“ was er womöglich zu leisten im Stande war. In dem dreckigen NYC-Krimi lernt ein Privatdetektiv ein attraktives und gefühlt überdurchschnittlich cleveres Callgirl kennen, das womöglich etwas mit dem jetzt schon ein Jahr zurückliegenden Verschwinden eines alten Freundes zu tun haben könnte…

Als Teil Pakulas inoffizieller „Paranoia-Trilogie“ und in bester Tradition solcher regierungskritischer Klassiker wie „Der Dialog“ oder „Three Days of the Condor“ bzw. diese sogar schon vorwegnehmend, kommt „Klute“ bis heute unter dem Radar angeflogen und sehr distanziert rüber. Zumindest auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin erblickt und erspürt man gerade in Fondas Callgirl eine große Menschlich- und Verletzlichkeit. Gerade ihre Beziehung zu Sutherlands Figur in all dem Morast aus Disco, Drogen und Drohgebärden ankert, orientiert und emotionalisiert einen ansonsten sehr fremdkörperartigen, technischen Film. Fondas Werdegang von der Aerobickönigin zu dieser oscarwürdigen Performance ist ohne Frage ein weiteres Kaufargument und mega beeindruckend. Das kann man sich bei heutigen Fitnessinfluencern nicht im Traum vorstellen. Ihr gelang dieser Wandel bzw. unerwartet Kombi, beide Felder nur durch ihre enorme Attraktivität und Erotik verbunden. Hier in „Klute“ aber verletzlicher und unsicherer denn je. Dazu kommt ein tapsenden Minimalismus-Score voller Gänsehaut und Grundspannung, alles zwischen Noir, Giallo und im Kern schon romantischer Beziehungsreise. Charakterentwicklung ohne Ende. Stark. Und nur oberflächlich betrachtet etwas trocken und grau. 

Fazit: unterkühlt, undurchsichtig und unheimlich - einer der packenderen und menschlich schmutzigeren New York-Flicks seiner Zeit. Was was heißen will. Paradeparanoia trifft Paartherapie. 

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