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Der Name Michael Bay steht vor allem für eins: Pompöses Actionkino mit beachtlichem Schauwert. Das nötige Feingefühl für Charakter- und Storyentwicklung fehlte ihm allerdings bislang, so sehr sich seine Drehbuchautoren auch abmühten. Nun denn, mit „The Island“ schien Bay seinem Krawall-Image ein wenig Beine machen zu wollen, denn für sich betrachtet erscheint die Story schon mal wesentlich komplexer und anspruchsvoller als sonst.

Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) sind Klone, die in einer hermetischen abgeriegelten Sicherheitsanlage in dem Glauben leben, die Welt um sie herum wäre kontaminiert und sie die letzten Überlebenden ihrer Art. Ihr einziges Lebensziel: Das Erreichen der “Insel“, dem angeblich einzigen noch sicheren Ort auf der Erde – der natürlich in Wirklichkeit nicht existiert. Als Lincoln hinter das Geheimnis der Anlage kommt, flüchtet er mit Jordan. Das Ziel: Sein „Sponsor“, der ihm dabei helfen soll, das Schicksal der menschlichen Ersatzteillager publik zu machen.

Beinahe überraschend ist es, dass die erste halbe Stunde sehr gemächlich abläuft und man sich hier relativ viel Zeit nahm, die Charaktere einzuführen und ihren drögen Alltag in dem unterirdischen Bunker darzustellen. Die Bemühungen, der Story so etwas wie Tiefe zu verleihen sind also durchaus erkennbar. Leider wird die heikle Klon-Thematik nach dem Ausbruch der beiden kaum noch aufgegriffen und es entwickelt sich genau das , was man von Bay gewohnt ist: Ein rasantes Actionfeuerwerk, das besonders auf der großen Kinoleinwand jede Menge Spaß macht und beste Popcorn-Unterhaltung bietet. Dies trifft auch für die typischen Zeitlupeneffekte und Kamerafahrten zu, die immer wieder zu bewundern sind und die Handschrift des Regisseurs stets erkennen lassen.

Diese Handschrift wird allerdings überdeutlich wenn man sich die insgesamt doch recht sterile Machart des Streifens vor Augen führt. Die Hauptcharaktere sind zwar stets präsent, wirken aber trotzdem sehr unterkühlt und oberflächlich – folglich bleibt ihr Schicksal dem Zuschauer ziemlich gleichgültig, verpasste man doch hier schlicht und einfach, den Figuren einen Hauch von Menschlichkeit zu verleihen – die Eigenschaft, die die beiden zu ihrer Flucht veranlasste und auch die Motivation für ihre weiteren Vorgehensweisen darstellt. So verfolgt man die spektakuläre Jagd auf die beiden zwar mit Vergnügen, ohne aber mit ihnen wirklich mitfühlen zu können. Ähnlich blass bleiben auch Steve Buscemi in seiner Paraderolle als schrulliger Sidekick und Fluchthelfer mit alleinigem Anrecht auf die (hier reichlich überflüssige) Humorkomponente und Djimon Hounsou als Menschenjäger mit Ehrgefühl, der als einzige Figur eine Wandlung vollziehen darf, die aber letztlich äußerst unglaubwürdig und aufgesetzt erscheint.

Desweiteren verläuft der Plot nach der Begegnung mit Lincolns Sponsor zunehmend im Sande, gibt es doch ab diesem Zeitpunkt kaum noch tragende Impulse für den Storyverlauf, der schlussendlich in einem recht uninspirierten und vorhersehbaren Showdown mündet, der zwar technisch immer noch sehr ansehnlich ist, aber eigentlich nur noch langweilt. Spätestens hier erreicht die Anzahl an logischen Unstimmigkeiten und Storylücken eine beachtliche Zahl, die sich auch bei einem visuellen Overkill dieser Größenordnung nur schwer ausblenden lassen. Und über das allzu aufdringliche Product Placement schweigen wir uns lieber gänzlich aus.

„The Island“ bietet genau das, was man von Michael Bay erwarten durfte: Einen ansehnlichen, größtenteils sehr unterhaltsamen Actionthriller mit durchgestylten Bildern und rasanten Verfolgungsjagden, aber seelenlosen Charakteren, die wegen der viel zu oberflächlichen Abhandlung des interessanten Grundthemas kaum Entfaltungsmöglichkeiten bekommen. Ein passabler Blockbuster eben - nicht mehr und nicht weniger.

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