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Ein Bay-Film ohne Bruckheimer, kann das gut gehen ?? Ja es kann, und wie. Denn neben der gewohnt spektakulären Action bietet „Die Insel“ auch das, was bei den sonstigen Bay-Filmen, die unter der Obhut von Jerry Bruckheimer entstanden, nicht zu sehen war: eine spannende und intelligente Story, Emotionen und eine dichte Atmosphäre. Da ist es umso erstaunlicher, das sich „die Insel“ in den USA schnell als Flop herausstellte und dem oft kritisierten Bay leider bestätigt, dass er sich lieber auf seine alte Tugenden spezialisieren sollte. Wie auch immer. Für mich ist „die Insel“ ein perfekter Thriller, der zu den besten Filmen des Jahres zählt.

Ein Bay-Film und eine gute Story – das passt nicht. Hier macht „Die Insel“ die erste Ausnahme. Die Charaktere bzw. die Klone sind lebhafter als vermutet und siehe an, es kommt sogar Spannung auf. Zwar krallt man sich nicht an den Kinosessel, aber der Ausgang des Films interessiert einen doch. Zugegeben herrscht in der ersten dreiviertel Stunde etwas Leerlauf, langweilig wird es aufgrund der unglaublich interessanten Materie aber nicht. Wirkliche Kritik wird nicht geäußert, das Vorgehen des Fabrikchefs Merrick und seiner Gefolgschaft schockiert den Zuschauer trotzdem. Da stellt man sich schon mal die Frage, ob das Klonen moralisch korrekt ist und ob der Mensch wirklich Gott spielen darf. Daher ist der Film deutlich tiefgründiger als die vorherigen Filme von Michael Bay, er entfacht vielleicht keine Podiumsdiskussion, zum Nachdenken regt er jedoch allemal an.
Natürlich findet sich auch hier die ein oder andere Logiklücke, allerdings sind einige Wendungen wirklich clever und kommen unerwartet.

Thema Action. Was hat „die Insel“ zu bieten ?? Qualitativ hochwertig und atemberaubend, Quantitativ etwas zu wenig. In der ersten Stunde passiert nichts, danach entfacht Bay eine Zerstörungsorgie die sich sehen lassen kann, ohne Story und Spannung aus den Augen zu verlieren. Die Verfolgungsjagd auf dem Freeway bietet das, worauf alle Actionfans abfahren – gecrashte Autos und wilde Stunts. Erstaunlich auch, das die Shoot-Outs blutig sind, trotz FSK16-Freigabe. Das Ganze ist gewohnt perfekt choreographiert, bis ins kleine Detail durchgestylt und mit vielen technischen Spielereien (Zeitlupe, rasante Schnitte etc.) versehen.
An der Inszenierung gibt es generell nichts auszusetzen. Das Produktionsdesign ist überwältigend und futuristisch-realistisch, die Optik ein Genuss und die Musik passt perfekt. Vor allem am Ende, wenn alle Klone frei sind und auf die wüstenleere Landschaft schauen und die emotionale Musik einsetzt, spürt man Gänsehaut (ging zumindest mir so).

Von den Darstellern machen alle ihren Job ausgezeichnet. Bilderbuch-Bösewicht Sean Bean spielt den skrupellosen Firmenboss ebenso überzeugend wie Ewan McGregor, der in seiner (Doppel-)Rolle eine ebenso gute Figur macht. Scarlett Johanson, frisch vom Independent-Kino in die BigBudget-Abteilung gewechselt, macht meiner Meinung nach die beste Figur. Mancher Mensch würde sich freuen, wenn er die Welt auf die schön-navive Weise der Klone entdecken könnte. Denn auch der Humor kommt an der ein oder anderen Stelle nicht zu kurz. Ob sich Lincoln über zu wenig Speck beschwert oder ob er sich fragt, was Sex ist, zum schmunzeln wird man an mehreren Stellen eingeladen.


Fazit:
„Die Insel“ erfüllt die hohen Erwartungen und überzeugt auf ganzer Linie. Die Story ist clever, bietet trickreiche Wendungen und erhöht die Spannung immer mehr. Die Actionszenen sind rasant, faszinierend und perfekt inszeniert. Auch der Cast liefert gute Leistungen ab, die Optik lädt zum Staunen ein und kann die futuristische Atmosphäre sehr gut einfangen.
Für mich der Blockbuster schlechthin und die Kinokarte auf jeden fall wert.

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