"Schon seit Jahrhunderten ist die Idee, den menschlichen Körper regenerieren zu können, eine der größten Herausforderungen."
Im Jahr 2019 scheint ein freies Leben auf der Erde nicht mehr möglich. Eine Katastrophe hat die Oberfläche unbewohnbar gemacht und nur wenige Überlebende hausen in einem abgeschirmten Gebäudekomplex, der streng überwacht wird. Die einzige Hoffnung besteht in einer Lotterie, dessen Gewinner auf den letzten Flecken nicht kontaminierter Erde ziehen dürfen: Die Insel.
So vergeht auch für Lincoln Six Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) ein Tag wie jeder andere. Sie gehen ihrer eintönigen Arbeit nach, ohne den tieferen Sinn dahinter zu hinterfragen, lassen sich nach automatisierten, ärztlichen Untersuchungen von Lebensmittelverordnungen einschränken und warten auf die Nennung ihres Namens in der Lotterie. Aber dann beginnt Lincoln, der sich verbotenerweise zu Jordan hingezogen fühlt, das System zu hinterfragen. Ihn wundern die ständigen Funde von Überlebenden in der außerhalb gelegenen Welt, wo kein Leben mehr existieren sollte. Antworten sucht er bei dem leitenden Arzt Merrick (Sean Bean) sowie dem Mechaniker McCord (Steve Buscemi), die ihm beide allerdings nicht weiterhelfen.
Als Lincoln eine lebende Motte entdeckt, stößt er auf ein Labor, das die Herkunft aller Überlebender und die wahren Absichten hinter der Lotterie klärt. Kaum zurück in seinem Wohnkomplex flüchtet er mit Jordan in die Außenwelt. Merrick engagiert derweil den unabhängigen Kopfgeldjäger Albert Laurent (Djimon Hounsou) um zu verhindern, dass die Flüchtigen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.
"Die Insel" ist ein ungewöhnlicher Film von Regisseur und Produzent Michael Bay ("The Rock", "Armageddon"), dessen Name eher für durchgehend destruktive Actionfilme steht. In seinem Science-Fiction Actionfilm fügt er erstmalig auch anspruchsvollen Inhalt bei, der allerdings eine gewisse Oberflächlichkeit nicht verlässt.
Fast die gesamte erste Stunde des Films nimmt sich Bay ungewohnt viel Zeit, die Rahmenbedingungen und die Figuren in Ruhe einzuführen und eine stimmungsvolle Atmosphäre aufzubauen. Es gibt zunächst keinerlei rasante Szenen, diese Folgen erst später.
Der Film beschäftigt sich mit einer einheitlichen Gesellschaftsstruktur und dem Verlust von Privatsphäre, bis hin zum gläsernen Menschen. Immer wieder zeigt "Die Insel" ein bis ins Detail vorgefertigtes Alltagsmodel, dass durch strikte Vorgaben und die propagierten Umstände von den Bewohnern des künstlich anmutenden Gebäudekomplexes eingehalten wird. Zwischenmenschliche Beziehungen sind verboten, Aggression wird durch Freizeittätigkeiten abgebaut und Neid und Besitz durch übergreifende Gleichheit unterdrückt. Vergessen wird dabei die Wahrnehmung und die Intelligenz eines Einzelnen. Ebenso der Wunsch nach einem tieferen Sinn sowie dem Gedanken, dass nicht alles der Wahrheit entspricht, was natürlich auch so ist.
Bay baut aus diesen Strukturen zunächst eine glaubwürdige Gesellschaft auf, deren Bestand allerdings von Anfang an in Frage gestellt. Ausgangspunkt ist dabei Protagonist Lincoln Six Echo, der spürbar unzufrieden ist und dessen Wissensdurst nach merkwürdigen Geschehnissen immer weiter ansteigt. "Die Insel" füllt die Charaktere dabei nur so rundimentär aus, um die Handlung am laufen zu halten und schließlich das Tempo zu steigern.
In der zweiten Hälfte verlässt der Film seine angerissenen Themen und beschäftigt sich kaum weiter damit. Nach den wenig überraschenden Wendungen folgt eine flotte Materialschlacht der anderen. Inszenatorisch ist dabei eindeutig die Handschrift von Bay erkennbar. Ganze Straßenzüge und Gebäude werden derart in Mitleidenschaft gezogen, dass man sich an einen Katastrophenfilm erinnert fühlt.
Die Bilder und die Effekte bleiben weitestgehend sauber. Teils so sauber, dass man sich über die Unverletzbarkeit der Protagonisten wundert und die arg konstruierten Szenen auffallen. Ebenso auffällig ist ein hoher Anteil an plakativem Product-Placement sowie einige Logiklücken, deren Existenz auch der imposante Soundtrack nicht wegspülen kann.
Die sympathischen Darsteller Ewan McGregor ("Freeze - Alptraum Nachtwache", "Star Wars"-Reihe), Scarlett Johansson ("Prestige - Die Meister der Magie"), Sean Bean ("Silent Hill", "Equilibrium") und Djimon Hounsou ("Gladiator") haben ihre wenig fordernden Figuren im Griff. Sinnvoll werden Steve Buscemi ("Con Air"), Michael Clarke Duncan ("The Green Mile") sowie Shawnee Smith ("Saw"-Reihe) in Nebenrollen verwendet. Höhen gibt es keine, Ausfälle ebensowenig.
"Die Insel" ist ein solider und kurzweiliger Blockbuster mit einem ungewöhnlichen, teils in die Länge gezogenen Rahmen. Die futuristische Stimmung enfaltet sich durch die zunächst klinisch sauberen Kulissen sowie ethischen Fragen zu den aktuellen und zukünftigen medizinischen und technischen Möglichkeiten. Dann aber vergisst der Film fast völligst seine anspruchsvolle Science-Fiction Vision und präsentiert ein bombastisches Actionfeuerwerk mit detailreichen Bildern und stimmungsvollem Soundtrack. Leider nicht gänzlich ohne Mängel, die besonders durch Ungereimtheiten und strikten Handlungsaufbau in Erscheinung treten. Knappe...
8 / 10