Hurra, die nächste Superheldenverfilmung ist da! Da Hollywood scheinbar in letzter Zeit die Ideen ausgehen, setzt man immer wieder auf altbewährtes. Comics und Superhelden hatten das amerikanische Box-Office in den letzten Jahren fest im Griff, da lohnt es sich doch mal in ein paar angestaubten Marvel-Comics zu suchen. Und siehe da, es gibt ja noch die Fantastic Four! Wie man Comics schlecht adaptiert, bewiesen unlängst „Catwoman“ und „Hulk“, auch die Eichinger Produktion F4 lässt Feingefühl schmerzlich vermissen.
Im Comic geht es um eine Gruppe Wissenschaftler die seit einem Unfall übernatürliche Kräfte besitzt und gegen das Böse, in diesem Fall der diabolische Dr. Doom, einsetzt. Die vier Helden besitzen allesamt unterschiedliche Kräfte, die besonders im Team ihre volle Kraft entfalten. Da wäre zum einen Human Torch (die menschliche Fackel), welcher Macht über Feuer besitzt und sogar fliegen kann. Mr. Fantastic der Kopf der Gruppe kann seinen Körper wie Gummi verbiegen und seine Gliedmaßen extrem dehnen. Susan Storm aka Invisible Girl kann sich unsichtbar machen und besitzt PSI-Kräfte. Last but not least The Thing, ein übermenschlicher Steinkoloss - unverwüstlich und bärenstark. Ihnen gegenüber steht Dr. Doom, ebenfalls ein ehemaliger Wissenschaftler, der von Wut und Zorn getrieben nach unendlicher Macht strebt.
Kommen wir zum Film, dieser erzählt in knapp 100 Minuten die Verwandlung der Vier zu den uns bekannten Superhelden. Reed Richards (Ion Gruffudd) will ein Experiment zum Wohle der Menschheit auf der Raumstation von Victor von Doom (Juliam McMahon) durchführen. Er verkalkuliert sich und eine gewaltige Energiewolke trifft die Raumstation. Nach diesem Vorfall entwickeln alle Beteiligten übernatürliche Kräfte die sich anfangs nur schwer kontrollieren lassen. Während Torch den Medienrummel liebt und sich wie ein Popstar feiern lässt, hat besonders Ben aka The Thing mit seinem abstoßenden Äußeren zu kämpfen. Erst spät begreifen die F4 dass sie nur zusammen stark sind - es kommt zum finalen Schlagabtausch mit Doom…
„Fantastic Four“ setzt voll Action und drückt von der ersten Minute an ordentlich auf die Tube. Die Vorgeschichte der Personen wird in ein paar Nebensätzen abgehandelt und schwups schon haben sie ihre Superkräfte. Oberflächlichkeit ist die größte Schwäche des Films, andere Comicverfilmungen wie „Batman“ oder auch „Spiderman“ haben ja bewiesen das auch unter der harten Schale eines Superhelden ein menschlicher, verletzlicher Kern ruht. Die F4 besitzen nicht wirklich einen Makel, bis auf einen kleinen Streit geht es immer aalglatt zu. Pünktlich zum Showdown sind schließlich alle wieder freudig vereint um Doom die Metallvisage zu demolieren. Spannung kommt dabei leider zu keinem Zeitpunkt auf, nicht einmal im Finale. Doom ist nie die ernstzunehmende Bedrohung wie man sie aus den Comics kennt, denn nach gut 2 Minuten ist alles gegessen. Der Plot ist löchrig wie ein Schweizer Käse und obendrein absolut vorhersehbar - Überraschungen oder Story-Twists hätten der Story richtig gut getan und den ein oder anderen Fehler verschmerzen lassen.
Selten dämlich sind auch die Witzchen auf Kindergartenniveau. Hin und wieder ist zwar mal ein Lacher dabei, für alle jenseits der Pubertät wird’s aber schnell nervig. Besonders die menschliche Fackel enttäuscht durch sein kindisches Benehmen, definitiv ein Fall für die Erziehungsklinik.
Trotz vieler Defizite macht aber auch „Fantastic Four“ Spaß, jedenfalls wenn man sich auf anspruchslose Unterhaltung einlässt. Die Effekte sind durchweg sehenswert und in den Actionszenen wird richtig geklotzt. Ein Highlight ist der Massencrash auf einer New Yorker Brücke, hier wird richtig großes Kino zelebriert. Optisch wurden die F4 und ihre Fähigkeiten gut herausgeputzt, nur Doom wirkt hinter seiner Blechmaske selten richtig bedrohlich. Wirklich hervortun kann sich jedenfalls keiner der Darsteller, außer vielleicht Jessica Alba durch ihre optischen Reize, aber wer hat das schon erwartet. Für einen netten Abend der Marke „Brainless Entertainment“ ist das Ganze also durchaus geeignet, mehr aber auch nicht.
Fazit:
„Fantastic Four“ ist Hollywood Blockbuster-Kino welches sich einmal mehr den Mainstream-Konventionen unterwirft: zu simple Story und null Anspruch, kaschiert durch Unmengen an Special Effects. Dass dieser Spagat besser gelingen kann, haben z.B. „X-Men“ und „Spiderman“ gezeigt. Schade, hier wäre mehr drin gewesen! Trotz aller Mängel schnitt der Film gut ab und spielte seine Produktionskosten locker ein, eine Fortsetzung bleibt also nur eine Frage der Zeit! Wers braucht…