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Wenn es um Comicverfilmungen geht, konnte sich Hollywood immer auf die Marvel-Gefilde verlassen. Für „Fantastic Four“ hielt jedoch Bernd Eichinger die Rechte, weshalb 20th Century Fox bei diesem Film mit ihm zusammenarbeiten musste.
Im Zentrum der Geschichte stehen vier Wissenschaftler, von denen zumindest drei ihr Studium wohl durch Modeljobs finanziert haben: Reed Richards (Ioan Gruffudd), brillant, aber mittellos, Sue Storm (Jessica Alba), seine Ex-Freundin, jetzt bei Reeds Jugendfreund Victor Von Doom (Julian McMahon) unter Vertrag, ihr Bruder Johnny (Chris Evans), Pilot, Motorradfreak und Playboy, sowie Reeds Kumpel Ben Grimm (Michael Chiklis), der als einziger kein Schönling ist, sondern ein normaler Mensch mit Ecken und Kanten. Reed und Ben jedenfalls wenden sich mangels Knete an Victor, um ihr neuestes Experiment zu finanzieren.
Ein besonders bewegender Partikelsturm zieht nämlich an der Erde vorbei und Reed meint, dass eine Analyse des Phänomens neue Aufschlüsse über menschliche DNA liefern könnte. Nach handelsüblichem Vorgeplänkel (Victor verlangt den Löwenanteil des Gewinns, Victor baggert natürlich fleißig Sue an, welche Reed heimlich noch liebt) kommt dann also der große Unfall, der die Helden gebiert (analog zum Spinnenbiss aus „Spiderman“), und zwar als der Sturm unerwartet früh eintrifft und die Schutzmaßnahmen der Raumstation noch nicht komplett stehen.

Victor als klassische feige Sau hat sich natürlich rechtzeitig abgeschottet, doch die anderen vier haben sich verwandelt: Reed kann sich dehnen, Sue unsichtbar werden, Johnny in Flammen aufgehen und Ben mutiert zu einem steinernen Ding mit Bärenkräften...
Will man „Fantastic Four“ kurz beschreiben, dann am besten so: „X-Men“ gewollt und nicht gekonnt. Statt richtiger Figuren knallt das Eichinger-Produkt dem Zuschauer nur klischeehaft gezeichnete Abziehbilder vor die Füße, Reed, Sue und Johnny sind total austauschbar. Einzig und allein Ben Grimm als moderne Version von Frankensteins Kreatur gewinnt ein wenig Profil: Er schreckt die Öffentlichkeit ab, seine Frau wendet sich nach dem Mutation von ihm ab, was eine der wenigen wirklichen guten Szenen des Films nach sich zieht: Die traurige Rückgabe des Eherings. Ganz schwach der Bösewicht, denn Victor ist halt eine arrogante dumme Sau weil... weil... na weil er es schon immer war. Als er auch zu mutieren beginnt, rastet er halt aus.

Was die Mutationen angeht, sollte man besser nicht mit Logik kommen. Warum eine Veränderung der DNA Verwandlung in leblose Stoffe wie Metall, Stein oder Feuer bewirkt, warum sich alle unterschiedlich verändern usw. – all das fragt man besser nicht. Doch auch der Umgang mit den Superkräften ist platt: Die fantastischen Vier treten fast direkt in die Öffentlichkeit, Johnny promotet das Ganze sogar. Es mag ja ein Gegenentwurf zu den sonstigen auf Diskretion Superhelden, raubt aber viel Potential (Verstecken der Identität usw.). Ganz nett nur der Ansatz, dass die Fanta Vier nicht alle glücklich mit ihren Fähigkeiten und daher nach einem Gegenmittel suchen, doch auch dies wird nur nebenher behandelt – im Finale sogar offengelassen (Raum für Sequels muss ja bleiben).
Leider ist die Story noch nicht mal ansatzweise spannend, da kaum etwas passiert. „Fantastic Four“ reitet ewig auf der Art herum, wie das Quartett mit seiner Veränderung umgeht, ehe Victor mutiert, ist der Film schon halb vorbei. Der uncharismatische Fiesling hat auch kaum einen richtigen Plan, begeht einfach ein paar derbe Gewaltakte und irgendwann in den letzten Minuten kommt das Heldenteam auf die Idee, dass er aufgehalten werden müsse – es folgt die Routine von Showdown und Happy End. Überraschungen oder Plottwists sind dem Film dabei vollkommen fremd, alles läuft innovationsfrei nach Schema F ab.

Doch bei dieser Minischlacht Gut contra Böse kann „Fantastic Four“ enttäuschend wenig Schauwerte bieten. Die handgemachten, die Geschichte kaum weiterbringenden Extremsportszenen (Motorradfahren, Snowboarden) sind noch das Spektakulärste, die sonstigen Einsätze der Fanta Vier sind fast ausschließlich vom Rechenknecht gezaubert – und das noch nicht mal besonders gut. Die Dehnszenen von Reed sehen übelst fake aus, das CGI-Feuer der Human Torch ist mal annehmbar, mal nicht. Invisible Woman hingegen ist effekttechnisch fast auf „Hollow Man“-Niveau, Ben Grimm alias The Thing im Gummianzug hat den Charme handgemachter Tricks und überzeugt daher. In den wenigen Konfrontationen regiert dann lebloser Bombast, man wirft mit Autos (größtenteils CGI-animiert) und zerstört den Kampfplatz, doch eine packende Choreographie sucht man vergebens, sodass auch die meisten Actionszenen eher lahm wirken.
Ioan Gruffudd als Hauptdarsteller ist blass und hat soviel Charisma wie eine aufgeschnittene Packung Weißbrot, Jessica Alba soll vor allem gut aussehen und spielt kaum. Chris Evans als Sprücheklopfer hingegen macht eine ganz gute Figur und Michael Chiklis ist schauspielerisch sogar ziemlich überzeugend, da er Ben Grimm Gefühle und Persönlichkeit verleiht. Julian McMahon als Fiesling wirkt zum einen harmlos und spielt auch vor der Mutation mit soviel Ausdrucksfreude als wäre er aus Metall.

„Fantastic Four“ ist ein echter Vollflop: Langweilig, oberflächlich und mit teilweise überraschend schlechten Actionszenen. Ein paar Schauwerte sowie den einen oder anderen netten Storyansatz die Chose ja, aber das rettet das Debakel nicht. Da lieber noch mal die „X-Men“-Trilogie.

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