Etwas verwundert hat mich die Wirkung der Fantastic Four. In der Kritik eher negativ betrachtet, mußte ich dem Film nach Jahren eine Chance einräumend feststellen, daß die Rezeptionsprobleme offenbar bestehen, obwohl vieles richtig gemacht wurde. Dazu muß man in Betracht ziehen, daß der Ansatz der Marvel-Comicserie von 1961 als erstes Superheldenteam von Stan Lee ja tatsächlich auf einem damals brandaktuellen Thema basiert. Für einen heutigen Film mag es etwas einfältig erscheinen, eine fragwürdig zusammengewürfelte Weltraummannschaft kosmischer Strahlung auszusetzen und damit Superkräfte in den Figuren zu wecken. Aber so sind die Fantastic Four nunmal entstanden, genauso wie ein Peter Parker eben von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde.
Was hatte man nun auf diesem unschuldigen Plot herumgehackt? Als wären die Inhalte von Comicheften in der Regel besonders tiefschürfend und so ein Film zwingend einem existenziellen Grundsatzdiskurs zu unterworfen.
Auf der Erde angekommen haben sich die unterschiedlichen Charaktere mit Veränderungen ihres Körpers auseinander zu setzen. Der unter der Regie von Tim Story entstandene Fantastic Four belegt meisterlich, warum dieses Superheldensujet insbesondere Heranwachsende und Außenseiter anspricht. Es entwickeln sich Verstärkungen bereits im Vorfeld bestehender Eigenschaften, mit denen die Figuren unterschiedlich gut zurechtkommen. So ist der Körper des sich ungern festlegenden Reed Richards / Mr. Fantastic (Ioan Gruffudd) erstaunlich dehnbar und flexibel, der Hansdampf Johnny Storm / Human Torch (Chris Evans) geht auf seine extrovertierte Art in Flammen auf und Susan Storm / Invisible Woman (Jessica Alba) kann sich einem nicht unkontroversen Comicvorbild nach unsichtbar machen und Schutzschilde generieren.
Die fraglos interessanteste Figur dieses Quartetts ist Ben Grimm / The Thing (Michael Chiklis). Der etwas stämmigere Typus ist als zunächst einziger in Fantastic Four auch von einer direkten äußerlichen Veränderung betroffen, welche ihn zu einem muskelstrotzendem Gesteinswesen verwandelt. In Noir-Manier in Hut und Trenchcoat durch die Straßen wandelnd gibt er zum einen Anlaß für einen tragischen Moment, als ihn seine Frau oberflächlich denkend verläßt. Desweiteren gibt es für Chiklis, der begrüßenswert in einem physischen Kostüm agiert, die Möglichkeit ein wenig Komik in Fantastic Four einzubringen, wenn er mit seinen Megawurstfingern nicht in der Lage ist, die Tasten eines Telefons zu bedienen oder reguläres Essbesteck zu benutzen. Angesichts unter anderem damaligen Trends zur extremen Verkleinerung der Bedienelemente von Mobiltelefonen ist dies durchaus für den Zuschauer zugänglich.
Daß Fantastic Four im Vergleich mit dem Superteam-Film X-Men wesentlich aufgeräumter wirkt, basiert darauf, daß die Herangehensweise genau gegensätzlich stattfindet. Bryan Singers X-Men Verfilmung beginnt fragmentiert von Außen, um dann einen Weg ins Innere einer Superheldenorganisation zu finden. Bei den Fantastic Four beginnt der Film mit einer internen Beziehungsstruktur, die auch ein Spannungsfeld in der Zuneigung Susan Storms zu Reed Richards sowie Victor von Doom (Julian McMahon) beinhaltet. Victor von Doom bildet hierbei das egozentrische fünfte Rad am Superheldenwagen. Auch er ist insofern von einer Mutation betroffen, daß sein Körper zunehmend metallisch wird und er Strahlenkräfte entwickelt, die er als Bösewicht Doctor Doom im Gegensatz zu seinen Leidensgenossen im Aufbau eines Machtimperiums nutzt.
Bereits innerhalb der Fantastic Four kommt es zunächst zu Spannungen. Johnny Storm drängt mit seinem Hang zu Aufmerksamkeit an die Öffentlichkeit. Bald schon preist er die in haut-engen Uniformen auftretende Mannschaft als Sensation in den Medien an. Dieser Schritt war bereits bei der Comic-Konzeption eine Besonderheit, geht man doch bei einem Superhelden in der Regel von einer Geheimidentität aus. Die Fantastic Four waren jedoch nie maskierte Rächer, sondern eine offen agierende Rettungstruppe. Zunächst allerdings ist den Mitstreitern denkbar mulmig zu Mute, worin sich eine weitere Analogie zum mangelnden Selbstbewußtsein eines Jugendlichen findet.
Inwiefern Fantastic Four nun als Film eine Sensation darstellt ist sicherlich Ansichtssache. Abgesehen von durchaus angenehmer Paarung von handgemachten Effekten mit CGI handelt es sich eben auch der Vorlage geschuldet um einen etwas konservativen Einstieg in ein Superheldenuniversum, welcher schon aus der Natur heraus nicht viel weiter kommen kann, als einen ersten größeren Kampf mit einem Erzfeind, hier Doctor Doom, zu bestreiten.
Besonders bei diesem Franchise ist eher, daß Bernd Eichinger sich bereits in den 80er Jahren die Rechte an den Fantastic Four gesichert hatte. Um diese nicht zu verlieren hatte er tatsächlich schon in den 90ern einen Realfilm für knappe 1,5 Millionen Dollar drehen lassen, diesen jedoch bewußt nie veröffentlicht. Auch wenn aus diesem Grunde die Constantin zusammen mit dem Marvel-Partner 20th Century Fox als Produktionsfirma auftritt, kann man aber von keinem außerordentlichen Unterschied zu anderen Marvelfilmen sprechen. An Action wird nicht gespart. Gerade die handgemachten Tricks und Stunts sind es natürlich, die positiv auffallen, während CGI eine adäquate Umsetzung des Stoffes erst ermöglicht.
Fantastic Four mag im Schatten des wesentlich düsteren und schließlich auch beindruckenderen Batman Begins seinerzeit untergangen sein. Auch ist hier die in X-Men schließlich auch nur oberflächlich behandelte Stellung von Superhelden in der Gesellschaft kaum ein Reizthema. Aber was erwartet man letztlich von einer für Teenager gestalteten Comicverfilmung, abgesehen davon, daß man sich ausreichend an der Vorlage orientiert, Jessica Alba den Blickfang mimt und es ordentlich rummst? Natürlich sind die Figuren und das gewählte Universum irgendwo Geschmackssache. Fantastic Four ist aber ansonsten ein genauso durchschnittlich guter Film wie der sich weitaus größerer Beliebtheit erfreuender X-Men, wobei Tim Storys Film aufgrund der Ausgangssituation sogar besser verdichtet erscheint. Reinschauen sollte man als Comicfan also allemal.