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Was als Bestseller ziemlich spannend ist, muss als Film nicht unbedingt die gleiche Qualität haben wie auch die Ken Follett Verfilmung „Die Nadel“ beweist.
Er heißt eigentlich Heinrich Faber (Donald Sutherland), doch man nennt ihn nur die Nadel, weil er mit diesem Instrument am liebsten tötet. Der deutsche Spion hat 1940 an sich eine gute Tarnung als englischer Offizier – bis ihn seine Vermieterin beim Funken erwischt. Faber beseitigt die Zeugin, muss aber gleichzeitig untertauchen. Zur gleichen Zeit erleiden ein junger englischer Offizier und seine frisch angetraute Ehefrau einen Unfall. Zwei momentan noch voneinander unabhängige Geschichten, aber das eherne Gesetz des Thrillers besagt, dass beide Handlungsstränge früher oder später zusammenlaufen müssen.
1944, kurz vor der Invasion in der Normandie: Die Nadel macht Photos von der angeblich in England stationierten Luftstreitmacht und stellt fest, dass es sich dabei nur um Attrappen handelt. Mit dieser möglicherweise kriegsentscheidenden Information flieht die Nadel Richtung Deutschland, doch die englischen Behörden sind ihm auf den Fersen…

„Die Nadel“ beginnt als sehr spannender Spionagethriller vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges, bei dem es auch nicht weiter stört, dass ein paar Dinge schon feststehen. Zum einen weiß man aus der Geschichte, dass die Nachricht die Deutschen nie erreicht, aber man kann sich auch denken, dass die Nadel erst am Ende des Films scheitern kann, da er ja die Hauptfigur ist. Doch trotzdem hat es die Hetzjagd, welche die erste Hälfte einnimmt in sich, denn es ist schon spannend, wie die Nadel immer wieder um Haaresbreite entgeht und den Verfolgern immer wieder Schnippchen schlägt.
Hälfte Nummer zwei hingegen begeistert deutlich weniger: Nach einem Schiffbruch landet die Nadel auf der Insel, auf der ausgerechnet das Ehepaar vom Anfang inzwischen lebt – er ist an den Rollstuhl gefesselt und verbittert, sie daher frustriert. Von da an tritt „Die Nadel“ leider auf der Stelle, da die eigentliche Geschichte weit in den Hintergrund tritt, die Nadel zwar immer noch nach Deutschland will, aber erstmal im Familienleben des Ehepaars mitmischt. Es folgen die Erfüllung ersehnter Hausfrauenwünsche, Eifersucht und alles was sonst noch dazu gehört, leider irgendwie uninteressant und teilweise fast schon auf Soap Opera Niveau. Das mag im Roman ja spannend sein, in dem man die Gedanken der Charaktere aufzeigen kann, doch im Film wirkt das Ganze plump und wenig spannend.

So kommt dann erst gegen Ende wieder Fahrt auf, wenn die Flucht der Nadel in die heiße Phase geht und dabei auch das Leben der Kleinfamilie in Gefahr gerät. *SPOILER* Beeindruckend sicherlich die Szenen, in denen die Nadel erstmal den Ehemann beseitigt und die Frau spitzkriegt, was tatsächlich abläuft. Auch das Finale, in dem die Frau sich dem Agenten dann ganz alleine entgegenstellen muss, ist noch mal wirklich spannend. Lediglich der leichte Anflug von Patriotismus am Ende verärgert leicht: Die Ehefrau erschießt die Nadel, obwohl ihr Kind in Sicherheit ist, und das offensichtlich nur, damit dieser seinen Auftrag nicht ausführen kann. Motive wie Rache für den getöteten Gatten scheinen da keine Rolle zu spielen. *SPOILER ENDE*
Wirklich beeindruckend als skrupelloser Killer ist Donald Sutherland: Keine Emotionen oder moralische Bedenken halten ihn auf, er ist ein eiskalter Opportunist. Da sind Kate Nelligan und Christopher Cazenove als disfunktionales Ehepaar weitaus weniger einprägsam, spielen aber auch ziemlich gut, sodass dem Kammerspiel auf dem Eiland nicht die Würze fehlt.

„Die Nadel“ ist leider kein Thrillerhighlight, da der Film beim Eifersuchtsgeplänkel in der zweiten Hälfte einige derbe Hänger hat, die den sonst spannenden Plot und Donald Sutherlands Glanzleistung leider schmälern.

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