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Ende der 80er Jahre, der Eiserne Vorhang steht, Gorbatschow entdeckt Glasnost und Perestroika, Hollywood die Actionkomödien. Erstaunlich, wie unterhaltsam auch heute noch diese Filme sein können, allen voran Red Heat. Heute im Alter eines geschlechtsreifen Teenagers zeigt dieser Film die Begründung eines ganzen Genres.

Viel Ballerei, Tote, Rache, schießwütige Cops, Materialschlachten - und Sprüche, Sprüche, Sprüche. Beispiel gefällig? Bitte sehr: "Seh ich etwa aus wie ein Taxifahrer?" - "Ja."

Schwarzenegger ("Sie sehen aus wie Popeye") glänzt hier zum ersten Mal in diesem Genre, damals überraschend. War man doch zuvor nur mittelmäßige Actionstreifen von ihm gewohnt in ausgelatschter Stallone-Manier mit mangelndem schauspielerischem Talent. So ganz kann unser Arnie das hier auch noch nicht ablegen, aber es passt zu seiner Rolle: Ivan Danko ("Danko!" - "Bitte, gern geschehen"), der kantige muskulöse Held, verschwiegen und ohne Lächeln, hart zu seinen Gegnern, kompromisslos.

James Belushi kommt hier ganz groß raus. Die Rolle wurde ihm praktisch auf den Leib geschrieben. Das Drehbuch überzeugt, die Dialoge sind cool und witzig. Gleich zu Beginn führt sich Belushi auf dem Flughafen entsprechend ein mit seiner Fixiertheit auf das weibliche Geschlecht: "Kennen wir uns nicht?" - "Blas dir selber einen." - "Danke, vielen Dank!"

Wohl dosierter Witz und selbst heute noch äußerst unterhaltsame Sprüche dominieren das Drehbuch, wirklich erstaunlich wie jung und erfrischend der alte Schinken heute noch wirkt. Im Gegensatz zu anderen Belushi-Streifen.

Viele Ideen aus Red Heat finden sich später in anderen Filmen wieder, sogar in heute aktuellen Kinoblockbustern. Da hätten wir beispielsweise den Stress vom Polizeichef: Mit Entspannungsmusik und Atemübungen versucht er einem zweiten drohenden Herzinfarkt vorzubeugen. Woher wir das kennen? Richtig, Bad Boys 2 (Stichwort "Wuuuuuusa").

Oder der Spruch "wen interessiert der Arsch meiner Mutter?" - in jedem zweiten auf Red Heat folgenden Actionstreifen taucht Mutters Arsch in dieser oder ähnlicher Form wieder auf, selbst The-Meister-Himself-Tarantino bedient sich später dieser Steilvorlage.

Noch ein Wort zu Laurence Fishburne: man merkt, dass er in seiner trockenen humorlosen und steifen Rolle die Richtung begründet, die er später mit seinen Hauptrollen festigt (übrigens durchaus erfolgreich).

Red Heat ist ein Film, den man kennen muss. Nicht weil er so außergewöhnlich und umwerfend gut ist, sondern weil er einfach die Basics liefert für alle Nachfolger. Red Heat ist die Referenz, an der sich Actionkomödien messen und heute noch dieses Erfolgsrezept in wenig veränderter Form übernehmen. Sogar andere Filme werden durch den Kakao gezogen (Doktor Schiwago oder Dirty Harry - "wer ist Dirty Harry?"), was man damals so noch nicht kannte - also durchaus innovativ auf allen Ebenen. Kurzweilig und unterhaltsam!

(9/10)

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