„Speed 2“ sollte den Erfolg des Vorgängers wiederholen, vernachlässigte jedoch fast alle Elemente, die diesen sehenswert machten, und ging dementsprechend an der Kinokasse baden.
Schon der Auftakt macht Jack Traven, den Helden des ersten Teils runter (eventuell, weil Keanu Reeves für Teil zwei absagte). Seine Beziehung mit Annie Porter (Sandra Bullock) ging in die Brüche, weil er absolut unromantisch war. Annie wird hier eh immer mehr zur Witzfigur, muss gleich zu Beginn des Films eine Fahrprüfung zur Wiedererlangung ihres Führerscheins ablegen, dabei fahren wie der letzte Henker und sich unvorsichtig bis zum Exzess anstellen.
Mit ihrem neuen Freund, dem Polizisten Alex Shaw (Jason Patric), will sie eine Kreuzfahrt machen. Doch das psychopathische Genie John Geiger (Willem Dafoe) übernimmt die Kontrolle über den Kahn...
„Speed 2“ macht extrem viel falsch, was schon bei der Wahl des Bösewichts und dessen Motiv auffällt. Der Psychopath des ersten Teils hatte ein Ziel, der hier ist nicht nur todkrank (kennt man aus Filmen wie „Gunpower“), sondern will sich noch an seinem Ex-Arbeitgeber rächen (siehe „Alarmstufe: Rot 2“). Dazu benutzt „Speed 2“ noch den alten „Stirb langsam“-Clou, nämlich dass hinter der ganzen Chose materielle Interessen stecken, aber die Ausstellungsszene nach wenigen Filmminuten gibt auch überdeutlich Hinweise. Darüber hinaus bleibt der Fiesling leider blass und farblos.
Ansonsten orientiert sich der Plot vor allem an „Stirb langsam“ und „Speed“, Alex und Annie machen dem Übelwicht immer wieder einen Strich durch die Rechnung, während der seinen masterplan weiter durchziehen will. Das ist alles solide erdacht, jedoch fehlt der richtige Drive. Angeblich sagte Keanu Reeves ja gerade deshalb ab, weil er sich fragte, wie viel Speed man mit einem Kreuzfahrtschiff hinlegen kann. So ist es auch nicht wie im Vorgänger, in dem der außer Kontrolle geratene Bus alle paar Minuten mit einer neuen Gefahr fertig werden musste, sondern nur gelegentlich müssen kleinere und größere Katastrophen verhindert werden.
Ebenfalls ärgerlich sind die Logikfehler, die selbst für Actionverhältnisse einfach zu dick sind. Kielwasser und Schiffsturbinen haben kaum Sog und wenn man hineingerät, dann reicht ein popeliges Seil, damit man nicht hineingesogen wird. Würde ja auch Blut fließen, denn „Speed 2“ ist künstlich auf harmlose getrimmt: Wird ein Boot zerstört, springen die Leute darauf alle vorher runter und ein Tanker explodiert natürlich erst dann, als die gesamte Mannschaft evakuiert wurde.
Das Einzige, was „Speed 2“ noch einigermaßen rettet, ist die Action. Die setzt dabei deutlich mehr auf Budget und Bombast als der Vorgänger: Der Kreuzer plättet im Finale diverse Bötchen und fräst sich sogar ein kleines Stück in Festland hinein, ein Tanker explodiert und das Schiff selbst wird gründlich demoliert. Es schleudert Heroen und Besatzung durch Glasscheiben, der Böse lässt ein paar Bomben explodieren und gelegentlich muss man ums Überleben und gegen Absaufen kämpfen. Leider retten diese Höhepunkte inmitten der Langeweile nur geringfügig etwas.
Sandra Bullock strengt sich ordentlich an, muss aber damit kämpfen, dass das Drehbuch aus der starken Frauenrolle des ersten Teils immer mehr die Frau an der Seite des Helden macht, die kaum selbst agiert. Jason Patric als Held ist leider zu profillos, um da noch groß was zu machen, und Willem Dafoe chargiert als Fiesling teilweise zu arg. Die Darsteller von Passagieren erfüllen Klischees (dicke Weight Watchers, taubstummes Mädel, das sich in den Helden verliebt, überforderter Navigator usw.) können aber null Akzente setzen. Bloß Glen Plummer in der gleichen Rolle wie im Vorgänger ist ein Schmankerl, wenngleich sein Auftritt bei weitem nicht so cool wie in „Speed“ ist.
Das Ausmaß an Bombast und Zerstörung in „Speed 2“ sorgt immerhin für ein Mindestmaß an Unterhaltung, doch die Geschichte ist langweilig, die Figurenzeichnung arm und von Mark Mancinas Musik mal abgesehen erreicht hier nichts den Drive des Vorgängers. Ein mäßiges Sequel.