Review

Fortsetzungen haben ja den Hang dazu, die Originale nur dreist zu kopieren und so fast identisch zu Teil 1 zu sein. Nicht so „Speed 2“! Okay, die Handlung wurde nur von einem Bus in ein Schiff verlegt, aber ansonsten hat der zweite Teil nicht viel von Teil 1 abbekommen. Wo da noch Spannung herrschte, gibt es hier nur gähnende Langweile. Innovationen scheinen ein Fremdwort zu sein. Nichts, was man nicht schon gesehen hätte.
Das ganze Debakel beginnt eigentlich mit den Hauptdarstellern. Sandra Bullok, der heimliche Star aus Teil 1 wurde in eine Nebenrolle gedrängt und muss hier eigentlich nur noch (bis auf eine Ausnahme) hübsch lächeln oder mal kreischen, je nach Situation. Außerdem hat man den IQ ihrer Person auf 60 runtergeschraubt (ist ja nur ne Frau....). Ihr männlicher Partner scheint aus dem Modekatalog und nicht aus der Schauspielschule zu kommen. So was wie Ausstrahlung oder Charakter hat dieser Kleiderständer nicht, er muss einfach immer cool bleiben, aber nicht einmal das gelingt ihm glaubhaft. Dann hätten wir da noch Willem Dafoe, ein an sich guter Schauspieler, der hier aber anscheinend mit dem falschen Fuß aufgestanden ist und den obligatorischen „Bösen“ zu böse spielt. Da er mit dieser „Ich-bring-euch-alle-um“ Miene schon am Anfang des Films rumläuft, weiß man sofort, wer hier für das Unglück verantwortlich sein wird. Von der Verrücktheit und Abgründigkeit eines Dennis Hopper aus Teil 1 ist hier nichts mehr übrig geblieben, Dafoe wirkt, wie der Rest des Films, einfach nur wie ein schlechter Aufguss des Originals.
Schlechte Schauspieler in Actionfilmen gibt’s häufig, und trotzdem machen die Filme Spaß, schließlich geht es nun mal um die Action. Genau das dachte sich auch unser kluger Regisseur und handelte getreu dem Motto: „Lieber eine Explosion zuviel als eine zu wenig.“ Wer hätte gedacht, dass das schief gehen kann? Das tut es nämlich voll und ganz, denn wenn selbst ein riesiges Frachtschiff sich in einen atomexplosionsartigen Feuerball verwandelt, nur weil ein kleines Flugzeug gegen seine Antenne stößt, ist das nicht nur unglaubwürdig und geradezu lächerlich, sondern auch langweilig und schnell ermüdend. So geht das dann den ganzen Film, Explosion hier, Feuergefecht da und alles gipfelt in einer von der Grundidee gar nicht mal so blöden Szene: Der Luxusliner rast mit voller Fahrt in einen Hafen. Aber wie gesagt, das ist nur von der Grundidee nicht schlecht, die Ausführung geht nämlich voll daneben. Abgesehen davon, dass das Schiff schon hunderte Meter vor dem Hafen auf Grund hätte laufen müssen, sieht dieser aus wie eine Miniatur-Pappstatt und nicht wie eine echte Stadt.
Ja, bei dem ganzen Gemeckere hätte ich fast eines der wichtigsten Bestandteile eines Films vergessen: Die Story. Ja, wo ist sie denn, die Handlung? Die muss mit der Spannung und dem Realismus einen trinken gegangen sein. Denn das ein Irrer einen Luxusliner kapert und nur einer ihn aufhalten kann, das ist nicht direkt neu. Genauer gesagt hatten wir solche Szenarien schon in so vielen Filmen, dass man als Drehbuchschreiber wenigstens etwas neues hätte reinbringen sollen. Irgendwas. Aber man hofft den ganzen Film lang vergebens auf eine Überraschung oder darauf, dass eine der Klischeefiguren doch noch eine Seite von sich zeigt, die der Zuschauer nicht erwartet hätte.
Aber trotz allem muss der Autor des Drehbuches doch ein gar lustiger Gesell gewesen sein, denn er hat eine „witzige“ Situation nach der anderen eingebaut. Gleich am Anfang beginnt der Film mit der Fahrschulprüfung von Sandra Bullock, die diese natürlich versaut. Ein Querverweis auf Teil 1 also. Und trotzdem nicht einmal Ansatzweise erheiternd. Oder dann hätten wir noch die telefonierende Frau im Hafen, die sich immer fragt, warum es so laut ist, während hinter ihr ein riesiges Schiff auf den Steg zurast. Holà! Welch Situationskomik! Das hatten wir ja noch nie! Außer in unzähligen anderen Filmen, in denen es überall besser funktioniert hat. Denn hier lacht man schon nicht mal mehr darüber, dass der Witz wieder mal nicht funktioniert, hier ärgert man sich schon und fragt sich, warum man mit so einem Stuss seine Zeit sinnlos verplempert.
Daher sei jedem geraten, ob anspruchsvoll oder nicht, von diesem Machwerk der übelsten Sorte unbedingt die Finger zu lassen! Da seht euch lieber noch mal Teil 1 an. Der ist zwar auch unrealistisch und anspruchslos, aber wenigstens spannend.
1/10

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