Review

LA BOUM - DIE FETE (Frankreich, 1980)
Bewundernswerter Ausnahmefilm!!

Schreibt mich nicht ab oder haltet mich für verrückt, sondern lest die Begründung.

Die 13jährige Vic (Sophie Marceau) will auf Partys, versteht sich nicht mehr mit den Eltern, verliebt sich unsterblich, kurz: sie pupertiert

....Dreams are my Reality....

Wer nicht zu diesem Schmacht-Pop-Song verliebt getanzt hat oder wollte ist nicht in den 80ern großgeworden.
Man hat sich damals in Lemmingmanier massenhaft mit Vic, ihrem Lover, ihrer Freundin, den Freunden ihres Lovers, der Schwester ihrer Freundin, dem Zahnspangenträger, dem Brillenträger, vor allem mit dem Schniedel in der Popcorntüte oder mit irgendeiner anderen Schnarchnase identifizieren können.
Der Film wurde Massenphänomen und die Wiedersehensszene, als die Verliebten in Zeitlupe aufeinander zuschweben ist so oft zitiert, gespooft und selbst im realen Leben nachgestellt worden,
daß auch Menschen die den Film nicht kennen, die Szene als absolute Clichedarstellung kennen.
So, Jaaaahre später wollte ich meiner Frau den kleinen Nostalgiespaß gönnen und muß mit Erstaunen feststellen, daß der Film in seiner flockigen Lockerheit sogar heute noch wunderbar funktioniert

...WARUM....

weil sich die Identifikationsfiguren komplett geändert haben, heute als Vater sehe ich den Film viel eher mit den Augen von Vics Vater, dem Lehrer, ihrer Mutter und erkenne in Vic meine Kinder in ein paar Jahren wieder. Denn auch die Erwachsenen haben ihre nachvollziehbaren Probleme, erleben ihre Höhen und Tiefen und sind sogar relativ modern dargestellt.

...und es geht ja noch weiter in 40-50 Jahren kann man sich dann mit Vics Uroma identifizieren, denn die coole Alte ist Vics unkonventioneller Anker im schwankenden Pubertätshafen und wer möchte in dem Alter nicht einen so guten Draht zu seinen Enkeln und Urenkeln haben?
Genau diese Möglichkeit der generationsübergreifenden und veränderlichen Anteilnahme ist mir bisher noch nicht untergekommen und macht den Film zu einem bewundernswerten Ausnahmefilm, und ich bin mir nicht mal sicher ob das überhaupt so geplant war.
Neben dieser Besonderheit ist LaBoum Nostalgie pur, sehr französisch und wohl auch ziemlich belanglos dahinplätschernd, war aber zur richtigen Zeit um den damaligen Nerv zu treffen.

Ich gebe daher ernsthaft starke 8/10 Schmalzherzen

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