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1968 wurde Mel Brooks für „The Producers“ mit dem Oscar für das beste Drehbuch geehrt, 2001 fand der Stoff seinen Weg an den Broadway und feierte einen so durchschlagenden Erfolg wie kein Musical zuvor (12 Tony-Awards) und nun ließ Mel Brooks das Musical auf Zelluloid bannen... Was steckt nur hinter diesen „Producers“? Was rechtfertigt den Erfolg dieses Stoffes? Lange Fragen, kurzer Sinn: Was sich hinter dem unscheinbaren Titel “The Producers” verbirgt ist bitterböse, politisch unkorrekt und vor allen Dingen: urkomisch! Und genau das ist Rechtfertigung genug für die Erfolge, die dieser nun von Susan Stroman neu aufgelegte Stoff bislang feierte.

Springtime for Hitler… and Germany

Max Bialystock (Nathan Lane) feiert mit seinen Broadway-Musicals schon lange keine Erfolge mehr. Er produziert einen Flop nach dem anderen und wird von Kritikern und Publikum gleichermaßen verschmäht. Doch eines Tages kommt der Buchprüfer Leopold Bloom (Matthew Broderick) dahinter, dass man durch einen von vornherein geschickt geplanten Flop durchaus mehr verdienen könnte als durch einen richtigen Hit. Und schon wird Bialystock hellhörig und überredet Bloom, gemeinsam einen Flop zu produzieren… Auf der Suche nach dem schlechtesten Drehbuch aller Zeiten stoßen die beiden auf „Frühling für Hitler“ aus der Feder des National-Sozialisten Franz Liebkind (Will Ferrell), der nach dem Krieg Zuflucht in New York fand. Und zur Umsetzung des schlechtesten Bühnenstücks aller Zeiten braucht man natürlich standesgemäß auch den schlechtesten Regisseur aller Zeiten, den die beiden offensichtlich in Roger DeBris (Gary Beach) gefunden haben. Mit Franz Liebkind höchstpersönlich in der Hauptrolle als Adolf Hitler soll „Springtime for Hitler“ seinen Weg an den Broadway finden und… wider Erwarten zu einem durchschlagenden Erfolg werden.

Den Biss, den Mel Brooks bereits so oft in seinem filmischen Schaffen unter Beweis stellte, findet man auch recht schnell in der Neuauflage von „Frühling für Hitler“ wieder, strotzen doch vor allen Dingen die musikalischen Einlagen nur so vor Wortwitz und bitterbösem Sarkasmus. Doch das hervorragende Drehbuch mit seinen urkomischen Gesangseinlagen ist nicht der einzige Grund dafür, dass Susan Stroman bei der Verfilmung des Musicals leichtes Spiel hatte und somit eine wirklich gelungene Musical-Comedy schaffen konnte. Nicht nur, dass sie selbst bereits beim Broadway-Stück im Regiestuhl Platz nahm, nein, es gelang Brooks und seiner Regisseurin zudem, den Großteil des Broadway-Ensembles für die Leinwand-Adaption zu gewinnen. So merkt man vor allen Dingen Nathan Lane und Matthew Broderick jederzeit an, dass sie sich in ihren Rollen wohl fühlen und sie schon so stark verinnerlicht haben, dass sie sich den Luxus leisten können, sich auf kleine Nuancierungen ihres Spiels konzentrieren zu können. So sieht dann wohl souveränes Schauspiel aus…

Neben den beiden Hauptdarstellern glänzt vor allen Dingen Will Ferrell in seiner Rolle als paranoider, leicht vertrottelter Alt-Nazi. Seine Gesangseinlagen (unbedingt im Original-Ton anschauen) sind mit Abstand das Witzigste, das der Comedy-Star bisher in seiner Karriere auf der Leinwand dargeboten hat. Uma Thurman als schwedische Schauspielerin Ulla jedoch wurde für „The Producers“ offensichtlich nicht zum großen Schauspielern gecastet, sondern lediglich um als Eye-Candy zu glänzen. Das funktioniert zwar ganz hervorragend, aber irgendwie kann man sich nicht des Eindrucks verwehren, dass dadurch enormes Potential verschenkt wurde.

Aber auch wenn mit vorhandenem Potential mitunter etwas verschwenderisch umgegangen wurde und es an der einen oder anderen Stelle mal etwas in der Inszenierung von „The Producers“ hakt, überwiegt doch die Freude über eine sehr gelungene Musical-Komödie. Wer sich über einen schwulen tanzenden Adolf Hitler amüsieren kann und keine grundsätzlichen Probleme mit Musicals hat, wird bei „The Producers“ bestens unterhalten. 9/10

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