Basierend auf dem Leben von Charles Spencer Chaplin und dessen 1964 erschienenen Autobiografie: Charles Chaplin, gespielt von Robert Downey jr., der als Bühnenkomiker in England sein Geld verdient, wird von einem Stummfilm-Regisseur, gespielt von Dan Aykroyd, nach Kalifornien beordert, wo er schnell zu einem der bekanntesten Filmstars der Welt avanciert, bis ihn einige Konflikte privater und politischer Natur ins Exil in die Schweiz treiben.
Dass Richard Attenborough ein virtuoser Regisseur ist und sich darauf versteht Biopics fesselnd aufzubauen, hat er bereits mit "Gandhi" bewiesen. Mit der Biografie von Charlie Chaplin suchte sich Attenborough erneut eine überaus schillernde Person aus, die ohne Frage ein bewegtes Leben geführt hat und nutzt auch hier das Potential des interessanten Stoffs weitestgehend aus.
Als großes Plus kann "Chaplin" schon einmal seinen grandiosen Hauptdarsteller verbuchen. Robert Downey jr., bei dem es sich zweifelsohne um einen der besten Charakterdarsteller Hollywoods handelt, spielt hier die bis dato beste Rolle seiner Karriere und wird dem visionären Komiker damit durchaus gerecht. In den ernsten und emotionalen Szenen fesselt Downey jr. mit einer exzellenten Darstellung der jeweiligen Gefühlsregungen und in den zwischenzeitlich vorkommenden Slapstick-Szenen steht er dem echten Chaplin in nahezu nichts nach und überzeugt gänzlich mit dem Overacting der Stummfilmära. Mit seinem pointierten Spiel entwickelt er zudem eine enorm große Präsenz, gegen die keiner der namenhaften Nebendarsteller ankommt. In der Folgezeit stellte er sein Können dann unter anderem in "Natural Born Killers" und in "Zeit der Sinnlichkeit" unter Beweis. Der restliche Cast ist sehr prominent besetzt und überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. So spielt Anthony Hopkins den Verleger Chaplins gewohnt souverän, Dan Aykroyd ist als Stummfilm-Regisseur hervorragend besetzt, Geraldine Chaplin, die ihre eigene Großmutter spielt, weiß ebenfalls zu gefallen, genauso, wie Marisa Tomei, Kevin Kline, Kevin Dunn, James Woods und die restlichen Darsteller.
Inszenatorisch leistet Attenborough versierte Arbeit. Mit einem guten Auge für das detailverliebte Szenenbild, für den grandiosen Hauptdarsteller, für die nostalgische, opulente Ausstattung, neben der auch Garderobe und Maske absolut makellos gelungen sind, fängt er einige hervorragende Bilder ein, womit der Film optisch zu überzeugen weiß. Die stilvolle Filmmusik ist ebenfalls gut gewählt und so ergibt sich ein sehr geschmackvoller, nostalgischer Grundeindruck.
Die Story hingegen könnte besser sein. Zwar wird die Biografie des Künstlers stimmig wiedergegeben, aber der Erzählstil in Rückblenden, während Chaplin die Fragen seines Verlegers beantwortet, ist alles andere als geschickt gewählt, da der Film so, vor allem im Mittelteil sehr episodenhaft und damit dramaturgisch etwas holprig aufgebaut ist. Und diese dramaturgischen Brüche, die entstehen, kann auch Attenborough teilweise nicht überbrücken. Außerdem ist es problematisch, dass im Grunde zu viele Nebenfiguren in das Geschehen integriert werden, die den Film teilweise etwas unübersichtlich gestalten und zudem einige Längen hervorrufen. Vor allem im Abspann, wenn alle Personen noch einmal aufgelistet werden, fällt überdeutlich auf, dass die Handlung in dieser Hinsicht etwas überladen war und, wie es mit einigen überflüssigen Nebenschauplätzen nun einmal so ist: Sie verursachen Längen. Diese Laufzeit hätte man besser genutzt, um mehr auf Chaplins filmisches Werk einzugehen, auf seine Arbeit als Regisseur und Darsteller, oder die Gründung von United Artists.
Die Story sei aber nicht schlechter gemacht, als sie eigentlich ist. Denn die Person Chaplin, der politische Idealist, der sich seinen Mund nicht verbieten lies und deshalb in Konflikt mit keinem Geringeren als Edgar Hoover kam, der Privatmensch Chaplin, der eine Vorliebe für junge Frauen hatte und einige Ehen und Affären durchlebte, die Ikone, deren Kreativität kaum Grenzen kannte, die echte Freude daran hatte, die Menschen zum Lachen zu bringen, ist durchaus zufrieden stellend konstruiert und auch, wenn man den Stoff noch spannender und fesselnder hätte aufbauen können, sind die Fakten, die hier über den Komiker zu sehen sind doch sehr interessant, auch wenn hier und da Eigeninterpretationen vorhanden sind, die jedoch nicht sonderlich viel verfälschen.
Fazit:
Da zu viele Nebenfiguren in den Film integriert werden und "Chaplin" daher etwas schleppend erzählt ist, entstehen immer mal wieder kleinere Längen. Aber mehr kann man Attenboroughs Werk, das mit dem brillanten Downey jr. und der liebevollen, detailverliebten, sowie stilvollen Inszenierung durchaus zu überzeugen weiß und im Großen und Ganzen das Leben der Ikone, der der Film durchaus gerecht wird, interessant darstellt, definitiv nicht vorwerfen. Kein Meisterwerk, aber recht nah dran und damit sehenswert.
73%