Nicht nur aus nostalgischen Gründen wird „Gremlins – Kleine Monster“ wohl für immer mein liebster Dante bleiben: eine vergnügliche Horrorkomödie, zwar aufgrund ihrer FSK-16 offiziell nicht für Kinder freigegeben, aber dennoch bereits ein Heidenspaß, wenn man die Pubertätsphase noch nicht erreicht hat und über liberale Eltern verfügt, die auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Die Geschichte von Mogwai Gizmo, so etwas wie ein zweibeiniger Plüsch-Mops mit großen Kulleraugen und riesigen Ohren, der aus der fürsorglichen Obhut eines Händlers aus Chinatown pünktlich zu Weihnachten in eine in der Kleinstadt Kingston Falls wohnenden Familie gerät und aufgrund von nachlässiger Handhabung der neuen Besitzer unfreiwillig einem Haufen ungezogener Artgenossen Leben schenkt, die sich in Folge noch größerer Unachtsamkeit in die titelgebenden Kreaturen verwandeln und für reichlich städtisches Chaos sorgen, ist vor allem eines, nämlich ungemein liebenswürdig. Wo man sich früher als Kind vor allem für das beeindruckende Design der herzzerreißend niedlichen Mogwais und abgrundtief häßlichen Gremlins in Kombination mit der perfekten Tricktechnik begeistern konnte, sieht man dies heutzutage als willkommenes Zubrot zu dem genüßlich ausgebreiteten Panoptikum spießiger Kleinstädter, die es eigentlich mehr als verdient haben, daß mal jemand ihren Alltag kräftig durcheinanderwirbelt.
Nicht zum letzten Mal nimmt Joe Dante das typische Kleinstadtleben aufs Korn: Der jugendliche Held mit seinem Love Interest fehlt hier ebenso wenig wie die treusorgende Ehefrau und Mutter, die allseits gefürchtete, weil bösartige Hexe (eine Art weibliche Ebenezer Scrooge, nur ohne Läuterung), der neugierige Wissenschaftler, die unfähige und arbeitsunwillige Polizei oder der – vor allem über alles Nicht-Amerikanische – grantelnde Säufer. Für viele dieser Figuren bringt Dante durchaus Sympathien auf, und eine der besten Stellen ist es, wenn besagte treusorgende Ehefrau und Mutter aus ihrem Rollenklischee ausbricht und zur patenten Furie wird, die die Unholde einfallsreich mit diversen Küchen(!)geräten zur Strecke bringt.
Richtig bösartig wird der Film allerdings nie. Im Prinzip sind die Gremlins nur ungezogene und auf äußerst primitive Weise zu erfreuende Kleinkinder, die sich einmal so richtig austoben wollen und alle Regeln dabei komplett außer acht lassen. Neben reichlich Sachschäden artet ihr Unterhaltungsprogramm mitunter jedoch durchaus in Mord aus, wobei die Einzelschicksale der Bewohner in den allermeisten Fällen offen gelassen werden. Sie tauchen in der Folge einfach nicht mehr auf, was aber genauso gut bedeuten kann, daß sie überlebt haben. Das Drehbuch interessiert sich nach ihren Unfällen nur schlichtweg nicht mehr für sie, weil es eigentlich eh nur um den Helden Billy samt Familie und seine neue Freundin kreist.
Tatsächlich ist die vergleichsweise lange Einleitungsphase, die die Charaktere erst ausgiebig vorstellt, keine Schwäche, sondern aufgrund der sehr warmherzigen Umsetzung ein echtes Pfund, mit dem der Film wuchern kann. Die sich andeutende Romanze zwischen Billy und Kate ist authentisch und einfühlsam an gängigem Kitsch vorbeiinszeniert. Stark auch die Präsentation des Familienlebens der Peltzers, das ebenfalls von einer ansteckenden Harmonie geprägt ist: ein völlig intaktes und sich ergänzendes Dreiergespann (plus Hund), in dem jeder seine ihm zugedachte Rolle klaglos einnimmt (der Vater der nicht zuletzt wegen seiner eher mangelhaften Erfindungen erfolglose Geldverdiener, der durch Nebenjobs von Billy außerhalb der Schule unterstützt wird, die Mutter die gute Seele und Hausfrau) und sich dabei sogar noch gut versteht. Dazwischen paßt kein Blatt. Die Darsteller harmonieren gut miteinander: Zach Galligan und Phoebe Cates ein glaubwürdiges und sympathisches Heldenpärchen, Hoyt Axton mit seinen kuriosen Erfindungen das unbestrittene humoristische Highlight (ein typischer Kumpel-Dad, mit dem man auch mal einen trinken gehen würde, ohne sich dafür schämen zu müssen), Frances Lee McCain eine Bilderbuchmama. In Nebenrollen geben sich Corey Feldman – noch vor seinem großen Durchbruch als Teddy in „Stand by Me“ – und Dante-Regular Dick Miller die Ehre, während 80er-Relikt Judge Reinhold am Anfang für zwei Szenen als eingebildeter Snob reinschaut.
Wenn es dann ans Eingemachte geht, hat „Gremlins“ auch keine Probleme damit, neben einigen durchaus gruselig aufgebauten und auch spannenden (Horror-)Szenen (die Parallelmontage, in der die Gremlins aus ihren Kokons schlüpfen) ins hemmungslos Alberne abzudriften, das aus der infantilen Freude der kleinen Monster am Sich-Daneben-Benehmen resultiert, ob diese sich nun betrinken, an der Elektronik herumspielen, sich exhibitionieren oder einfach gegenseitig eins auf die Glocke geben, weil es Fez macht. Auf die einfachste aller Lösungen, um der Lage Herr zu werden (eine fette Explosion), mag der Film dann nicht verzichten und auch schlecht kann das Ganze erwartungsgemäß natürlich nicht ausgehen, obwohl man es gerade als Kind als ungerecht empfinden mag, daß am Ende der Händler seinen Mogwai zurückhaben will.
Für mich bleibt es am Ende eine nostalgische Reise zurück in meine Kindheit, einer meiner ersten Kontakte mit dem Horror-Genre, heute mehr lustig als spannend, und rundum ein wahrer Wohlfühlfilm, in dem ich mich wie zu Hause fühle, ideal zu Weihnachten. Und fünf Mogwais (Gismo I bis Gismo V) aus dem Greifautomaten besitze ich auch immer noch. 9/10.