Mit „Just Heroes“ zeigt John Woo seine übliche Handschrift, aber bei noch nicht so gelungen wie z.B. in „Hard Boiled“ oder „The Killer“.
Es geht hier mal wieder um chinesische Gangster, die mit locker sitzenden Knarren die meisten ihrer Angelegenheiten regeln. Allerdings sagt ja eine alte Weisheit „Wer durch das Schwert lebt, wird durch das Schwert sterben“ und so wird der Boss des Syndikats eines Nachts an einer verlassenen Tankstelle mitsamt Leibwächtern niedergeschossen. Bietet zusammen mit der Auftaktsequenz, in der ein paar Ungehorsame vom Syndikat weggeballert werden, auch noch Action für den Anfang, denn danach ist erstmal schusswaffenfreie Zeit angesagt.
Hiernach lernt der Zuschauer mehr über die Zusammensetzung des Syndikats und die potentiellen Nachfolger des gewaltsamen verschiedenen Bosses. Hung und Leung sind noch immer Teil der Organisation und erfüllen ihre Aufgaben effizient auf ihre eigene Art. Keung, der dritte im Bunde, verließ das Syndikat jedoch, als er sich mit Leung wegen einer Frau zerstritt, und ist nun Fischer. Drei Männer, drei Schicksale und Woo nimmt sich für jeden der drei Zeit.
Doch gleichzeitig ist das Syndikat sicher, dass es Verräter gibt, die den Boss ermorden ließen, um selbst an die Macht zu kommen. Hung wird zum neuen Chef erklärt und setzt es sich zur obersten Priorität die Verräter aufzuspüren. Doch wem kann er trauen? Ist er am Ende selbst der Verräter? Kann Keung als Außenstehender bei der Lösung des Rätsels behilflich sein?
Wie viele andere Filme Woos vereint „Just Heroes“ Elemente von Drama, Action und Krimi in sich. In den Bereich Krimi lässt sich wohl ehesten die Handlung einordnen, die sich um die Entlarvung des Verräters dreht. Die Frage bleibt lange offen, allerdings wird spätestens nach der Halbzeitmarke aus dem Verhalten der Charaktere offensichtlich, wer hier ganz unfein den altehrwürdigen Chef übern Jordan gehen ließ. Doch die Geschichte ist recht spannend und besitzt wenig Längen, wenn auch mehr Wendungen und mehr Überraschungen den recht geradlinigen Plot aufgepeppt hätten.
Woos Markenzeichen sind allerdings nicht ausgeklügelte Plots, sondern derbe Shoot-Outs und auch die gibt es hier zu sehen. Allerdings ist die Masse nicht so hoch, denn es gibt nur drei längere (Auftakt, Steinbruch, Drogenlabor) und eine Woo-typisch ausgiebige Schießerei (Showdown); da ist man vom Meister ganz andere Kaliber gewohnt. Doch wenn es dann zur Sache geht, dann darf der Actionfan zufrieden sein: Blutige, fetzig choreographierte Shoot-Outs, wenn auch mit nur wenigen der Woo-typischen Stilmittel. Im Showdown nimmt Woo dann auch das Verstecken von Pistolen in Blumentöpfen aus seinem bekannten „City Wolf" auf die Schippe.
Mag die Handlung etwas banal sein, so ist der dramatische Aspekt deutlich ausgefeilter, wenn auch nicht ganz so tragisch wie Woos ganz großen Filmen. Doch man kann mit den Charakteren mitfühlen: Der vom Leben und der Liebe enttäuschte Keung, dessen Trauer ihn aus dem Syndikat trieb; der Lebemann Hung, der sich mit Leitung des Syndikats einer Aufgabe gegenübersieht, die unerwartet viel Verantwortung mit sich bringt und für die er nicht so recht bereit ist; Leung, der seine Aufgaben gut erfüllen will, um Anerkennung ringen will und sich dabei immer etwas schwerer tut als andere Syndikatsmitglieder. Die drei unterschiedlichen Schicksale mit Feingefühl in Szene gesetzt worden, auch wenn Woos Syndikat bei weitem nicht den Tiefgang des Corleone-Clans erreicht.
Aus den Darstellern holt Woo mal wieder das Maximum an Schauspielkunst heraus und das ist dem Mann hoch anzurechnen, denn gerade im Bereich der Asia-Action gibt es ja einige ganz schlimme Darstellerleistungen. Das charismatische Gesicht von Chow Yun Fat hätte „Just Heroes“ sicherlich noch aufgewertet, aber über sein Fehlen trösten Darsteller wie Danny Lee, David Chiang, Stephen Chow und Ti Lung dann doch halbwegs hinweg.
„Just Heroes“ ist trotz etwas banaler Handlung ein recht spannender, actionreicher und dramatischer Woo-Film, der allerdings weder den Actionoverkill eines „Hard Boiled“ noch den Tiefgang eines „Der Pate“ zu bieten hat.