In der Regel bekommen Regieneulinge nicht gleich ein Dutzend bekannter Gesichter an die Angel, zumal das Budget für diese Mischung aus Cop-Krimi und Thriller mit zwei Millionen Dollar nicht sonderlich hoch angesetzt ist. Da muss ein gewisser Herr Kyle Dean Jackson entweder ein überzeugendes Drehbuch vorgelegt haben oder einige Mimen benötigten dringend einen kleinen finanziellen Schub, denn allzu innovativ gestaltet sich die Erzählung letztlich nicht.
Detective Harrison (Michael Madsen) und sein neuer Kollege Davis (Corey Large) werden zum Tatort in einen Club gerufen, in der just der Sohn eines großen Unterweltbosses inmitten einer Privatparty ermordet wurde. Nachdem man einen Verdächtigen ermittelt hat, wird auch dieser ermordet aufgefunden, während sich am Tatort ein Dutzend Polaroids befinden.
Nach weiteren Morden und weiteren Fotos deutet alles auf einen mächtigen Drogenbaron im Zusammenhang mit dem einstigen Verschwinden eines Cops hin…
Es kommt ein wenig das Feeling von Finchers „Seven“ auf, vor allem in Sachen Atmosphäre und düsterer Schauplätze, weniger jedoch in Aspekten der Gewaltdarstellungen und Präsentation entstellter Leichen. Vielmehr konzentriert sich die Geschichte auf seine Figuren und ihre Probleme: Madsen gibt mal wieder den heruntergekommenen Cop, der einen Undercover-Einsatz noch nicht ganz verarbeitet hat und auch sein neuer Kollege Davis scheint einige böse Erinnerungen vom Drogendezernat mit sich herumzutragen. Demgegenüber wirkt die einzig erwähnenswerte Frau, Taylor Spencer (Shannyn Sossamon), die Tochter des verschollenen Cops, ein wenig geheimnisvoll und latent melancholisch.
Die erste Hälfte gestaltet sich insgesamt ein wenig sperrig, da sich die Geschichte viel Zeit für seine Figuren nimmt und die Dialoglast zuweilen etwas erdrückend erscheint.
Dabei werden die Ermittlungsarbeiten jedoch nicht außer Acht gelassen und bei den vielen Mitwirkenden, Verdächtigen und Querverbindungen ist durchaus Konzentration gefragt, um bis zum Ende nicht den Faden zu verlieren.
Dabei werden regelmäßig Flashbacks eingestreut, deren Verlauf ein ums andere Mal eine andere Sicht der Dinge präsentieren und erst am Ende entschlüsseln, was mit es mit dem damaligen Undercover-Einsatz tatsächlich auf sich hatte.
Gleichzeitig kommt ein Twist ins Spiel, der jedoch viel früher erahnbar ist, da ein wenig zu viele Hinweise gestreut wurden. Dennoch vermag der Schlussakt aufgrund parallel ablaufender Handlungsstränge und gutem Timing zu überzeugen.
Die vielen bekannten Gesichter sorgen natürlich ebenfalls für einen positiven Effekt. Auch wenn Madsen nicht mehr als sein routiniertes, aber markantes Programm abspult und Corey Large nicht wirklich gegen die meisten seiner Kollegen ankommt, so trumpft Gary Busey erneut als schmieriger Bösewicht auf, Meat Loaf überzeugt als gelassener Chief, ferner sorgen Danny Trejo, Michael Rooker und Sean Whalen für die nötige Präsenz ihrer Figuren.
Einigermaßen präsent ist auch der Score und auch einige weiche Szenenübergänge zeugen von sensiblem Gespür für stimmungsvolle Einstellungen.
„Chasing Ghosts“ legt also weniger Wert auf Action und viel Bewegung, obgleich eine Verfolgungsjagd mit Schießerei enthalten ist und das Tempo zum Showdown merklich erhöht wird. Vielmehr setzt er sich mit seinen wesentlichen Protagonisten auseinander, streut ein paar Hinweise für die Aufklärung der Mordreihe und erzählt im Gesamtbild eine routinierte und handwerklich sauber in Szene gesetzte Story mit kleinen Twists und minimalen Wendungen.
Für Freunde des eher unspektakulär erzählten Detective-Krimis eine durchaus solide Vorstellung.
6,5 von 10