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- Achtung, evtl. Spoiler -

Endlich in den Videotheken, konnte sich auch mir „The Descent“, der neue Streifen von „Dog Soldiers“-Regisseur Neil Marshall, nicht entziehen. Die Story ist relativ simpel:

Sechs abenteuerlustige Frauen unternehmen eine Klettertour durch ein unerforschtes Höhlensystem. Als der Rückweg verschüttet wird gilt es, einen anderen Weg herauszufinden. Doch in der Höhle sind die Frauen nicth allein.


Mehr sollte man wirklich nicht wissen, und mehr muss man auch gar nicht wissen. Marshall gestaltet seine Exposition als kleine Tragödie der Hauptfigur Sarah (Shauna MacDonald), die somit ein Charakter mit Vergangenheitsbewältigung darstellt. Lang hält sich Marshall aber nicht damit auf und schickt seine sechs Protagonistinnen direkt in die Einöde eines amerikanischen Nationalparks, umgeben von tiefen Wäldern und fern ab der Zivilisation. Wie schon in „Dog Soldiers“ sind Marshalls Bilder dabei düster und unheimlich kalt und atmosphärisch. Hier gibt es gewiss keine Einstellung, in der sich der Zuschauer wirklich wohlfühl. Die Kulisse ist daran natürlich nicht ganz unschuldig.

Sobald die Figuren sich auf ihren Höhlentrip machen wird es nicht nur düster, sondern wahrhaftig dunkel. In der Höhle gibt es kein natürliches Licht, alles spielt sich in den Lichtkegeln der Grubenhelme und Taschenlampen oder dem farbigen Leuchten der Fackeln ab. Dass es schwer in die Hose gehen kann, Dunkelheit überwiegen zu lassen, hat man bereits bei „Doom“ gesehen, und dort war es nicht mal immer richtig dunkel. Bei „The Descent“ funktioniert das allerdings recht gut und unterstützt die Atmosphäre ungemein, außerdem wirkt es verteufelt realitätsnah, denn in so einer Höhle ist es nunmal nicht hell erleuchtet.

Marshall zögert das Auftauchen der „Crawlers“ gut bis zur Hälfte des Films hinaus und wenn sie dann zuschlagen ist das Ganze dermaßen unerwartet, dass es beim Publikum für Adrenalinschübe, leichtes Aufschreien und Sofasprünge sorgen dürfte. Von diesem Moment an gewinnt der Film auch an Tempo. Marshalls Videoclip-Schnitt ist überraschender Weise zum großen Teil doch recht übersichtlich – eine Eigenschaft, die man bei modernen Filmen weitesgehend vermisst. Nur beim Grande Finale hat er es etwas übertrieben.

Blut und Gore gibt es auch jede Menge, auch wenn es wegen der Dunkelheit nicht immer ganz zu erkennen ist. Dennoch sollten Gorehounds recht zufrieden sein, denn für genug Gewalt ist auf jeden Fall gesorgt.

Nach dem ersten Angriff der „Crawlers“ lässt die Spannung leider ein wenig nach, was aber nicht heißen soll, dass das Geschehen nicht mehr atmosphärisch und spannend ist. Nur ist der große Schock vorbei, weshalb der Zuschauer ein wenig in der Luft hängt. Dennoch wird die Grundstimmung bis zum wahrhaft trostlos-bösen Ende durchgezogen.

Marshall beweißt nach „Dog Soldiers“ erneut, dass er hochspannende Kost abliefern kann und Vorbilder wie „Aliens“ und „Predator“ bis ins Detail studiert hat. Düstere Bilder, atmosphärische Kulissen und jede Menge Spannung machen „The Descent“ zum ultimativen Grußler. Schade nur, dass die Spannung sich nicht bis zum Ende steigert. Für mich trotzdem noch einen Tick besser als der schon sehr gelunge „Dog Soldiers“.

13 von 15 Punkten (1-)

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