Sechs befreundete Frauen beschließen in den Appalachen ein Höhlensystem zu erforschen. Als ihnen der Rückweg im weit verzweigten System jedoch durch einen Felsblock blockiert wird, müssen sie sich einen Ausgang suchen. Dabei müssen sie jedoch feststellen, dass sie unter Tage nicht allein sind.
Immer mal wieder überraschen Independent-Produktionen von absolut unbekannten Regisseuren, in diesem Fall Neil Marshall, der den Durchbruch mit "The Descent" schaffte und zuletzt mit "Doomsday" in Erscheinung trat, überaus positiv und "The Descent" ist ein weiteres Beispiel dafür. Überraschend ist dabei vor allem, dass der Film trotz seiner schlichten Story und seiner konventionellen Inszenierung einen enorm hohen Spannungsbogen erzeugen kann.
Warum spielten vor "The Descent" eigentlich kaum Horror-Filme in Höhlen? Regisseure griffen auf die abstrusesten Ideen zurück, um eine gespannte Atmosphäre erzeugen zu können, ließen Mörder wie Freddy Krueger Jugendliche in deren Träumen ermorden, schickten ihre Protagonisten mit Schiffen in den Weltraum, die schließlich ein Eigenleben entwickeln, oder in eine Stadt vordringen, die von Verbrechern kontrolliert wird. Auf die schlichte und einfache Idee, einen Film in einer Höhle spielen zu lassen, kamen dabei zu wenige und das obwohl es eigentlich nahe liegt, da Höhlen ja dunkel, feucht und durchaus furchteinflössend sind. Neil Marshall holt aus dieser Idee einiges heraus und inszeniert den Film beinahe komplett in der Dunkelheit, lässt die ganze Zeit über Wasser von der Decke tropfen und baut damit eine enorm dichte Atmosphäre auf, die er die ganze Zeit über halten kann, da er die Ängste seiner Zuschauer durchaus kennt und zu nutzen weiß.
Alles Weitere ist konventionell, aber die typischen gezielten Schock-Momente, Ton-Effekte und Ekel-Szenen können durchaus zünden, da Marshall sie perfekt platziert und sie bei dieser dichten Atmosphäre zwangsläufig funktionieren müssen. Die Story ist unglaublich schlicht gehalten, die Charakterkonstruktion besteht aus einer kaum vorhandenen Exposition, in der die Familie der Hauptfigur stirbt und unvorhersehbar ist der Film auch nicht unbedingt. Vielleicht ist es aber gerade die Schlichtheit der Story, die den abgrundtief dunklen Film so spannend gestaltet, da er sich so sich nicht auf überflüssigen Nebenschauplätzen verirrt und keine Zeit damit vertrödelt, die Charaktere zu konstruieren, wobei Mashall zumindest am Ende einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele werfen kann. Zudem überzeugen die gute Maske und die angenehme Abwechslung zum amerikanischen Horror-Film, da Marshall gänzlich auf schwarzen Humor verzichtet.
Darstellerisch gibt es nichts zu bemängeln. Die sechs Frauen machen sich allesamt gut und überzeugen sowohl als taffe Überlebenskünstler, als auch als Scream-Queens vom alten Schlag. Besonders hervorheben kann sich dabei keine von ihnen, da man in der dunklen Höhle wenig erkennt und sie von den blutrünstigen Monstern zum Ende hin die Show gestohlen bekommen.
Fazit:
Die Story könnte kaum schlichter gehalten sein, aber dennoch erreicht "The Descent" einen höheren Spannungsbogen als die meisten anderen Filme des Genres, was im Endeffekt auf die unglaublich düstere und gespannte Atmosphäre und die guten Darsteller zurückzuführen ist. "The Descent" ist damit der Beweis dafür, dass man auch ohne ein hohes Budget ausschließlich mit konventionellen Mitteln einen schockierenden Horror-Film auf die Leinwand bekommen kann.
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