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Bevor Christopher Nolan mit seinem selbst produzierten Debüt „Following“ viele Kritiker begeistern konnte und mit Filmen wie „Memento“ und „Batman Begins“ mittlerweile in der Oberliga Hollywoods angekommen ist, versuchte sich der jetzige Star-Regisseur bereits an der Umsetzung verschiedener Kurzfilme. Am bekanntesten ist sicherlich der schwarz/weiße „Doodlebug“, in welchem Nolan bereits viel von seinen späteren Bildarrangements vorweg nimmt.
Kein Wort wird gesprochen und als einziger Schauspieler agiert Jeremy Theobald, auch in „Following“ sollte er schließlich die Hauptrolle spielen. Schon hier zeigt er sein vorhandenes Talent, auch wenn sich nicht viel Platz zur Entfaltung bietet. Der Hauptcharakter bleibt ungezeichnet, nur Theobalds Mimik und Gestik verleihen ihm Persönlichkeit. Eine Handlung existiert im engeren Sinne nicht wirklich, sieht man Theobald doch die ganze Zeit über ein Insekt jagen, augenscheinlich ist er schon lange dabei und verliert langsam sowohl seinen Verstand als auch jeglichen Bezug zur Außenwelt. Doch der Plottwist am Schluss zeigt, dass es gar kein Ungeziefer ist, hinter dem der seltsame Mann herjagt: Eine Miniatur-Version seiner selbst flüchtet durch die Wohnung, wird aber letztlich von Theobald in die Enge getrieben und erschlagen.
Für die letzte Szene sparte man sich dann auch logischerweise das beste Bild auf, kurz bevor Theobald seinen winzigen Zwilling mit einem Schuh zermalmt, bildet sich auf beiden Gesichtern genau derselbe Gesichtsausdruck – eine Mischung aus Befriedigung, Sadismus, Masochismus und totalem Wahnsinn. Neben der darstellerischen Qualität Theobalds überzeugt „Doodlebug“ vor allem in visueller Hinsicht, kein Wunder, bedenkt man wie schnell der Film vorbei ist. Im Prinzip arbeitet er nur auf den Effekt zum Schluss hin und funktioniert in der Genre-Tradition des Kurzfilms daher bestens: effizient, unterhaltsam und nicht zuletzt sehr ansprechend umgesetzt.
Schon die Credits sind mit viel Liebe gestaltet, die Kameraeinstellungen überraschen mit einigen Finessen, Musik und Schnitt befinden sich auf gutem Durchschnittsniveau. Die spröde Optik und die unheilvolle Atmosphäre lassen den Film beinahe schon kafkaesk erscheinen, ohne aber über bloße Symbolismen hinweg zu kommen. Raum für Interpretation wird zwar geschaffen, tiefere existenzialistische Betrachtungen fehlen aber im Endeffekt. Nicht umsonst wirkt der Stil des Films geläufig, Nolan arbeitete mit der gesamten Crew immer wieder zusammen im Laufe seiner weiteren Karriere und „Doodlebug“ kann hierfür als Grundstein angesehen werden. Ein Grundstein für die fruchtbare Zusammenarbeit mit Jeremy Theobald, Produzentin Emma Thomas oder Komponist David Julien („Memento“, „Insomnia“, „The Prestige“)
Fazit: Netter Kurzfilm, der aufgrund der knappen Laufzeit und der starken visuellen Umsetzung durchaus zu gefallen weiß und daher lohnt es sich einen Blick auf dieses Frühwerk Nolans zu werfen.
5,5 / 10