Mit „Sympathy for Lady Vengeance“ schließt der koreanische Regisseur Park Chan-wook seine dreiteilige Rachereihe ab. Und wer glaubt, Park wärmt hier das Thema nur noch mal auf, der irrt sich.
13 lange Jahre saß Geum-ja im Gefängnis. Sie gab zu, im Alter von 19 Jahren ein fünfjähriges Kind ermordet zu haben. Doch Geum-ja hat dieses Kind nie getötet, saß also 13 Jahre lang zu Unrecht im Gefängnis. In den 13 Jahren hatte sie viel Zeit nachzudenken, einen perfekten Plan auszuarbeiten, sich an dem Mann zu rächen, nur wegen ihm saß sie im Gefängnis.
Im Gefängnis war sie eine Frau mit Herz, nicht zu verstehen, warum gerade sie ein Kind töten könnte. Aufgrund ihres Herzens sammelt sie viele weibliche Häftlinge um sich. Die werden ihr helfen, wenn es darum geht, Rache auszuüben. Das „Opfer“ soll ein gewisser Mr. Baek werden. Baek steht schon unter voller Kontrolle und der Tag wird kommen, wann er Geun-ja gegenübersteht. Doch auch Geun-ja hat noch eine große Hürde zu überwinden, in Form ihrer Tochter...
Man kann sagen was man will. Ob es nun innovativ ist, drei Rachefilme zu drehen, mag jeder für sich selbst entscheiden. Für mich steht der Name Park Chan-wook mittlerweile für Qualität. Natürlich wurde der koreanische oder gar der asiatische Film oft gehypt, aber zumindest bei Parks Filmen ist es auch gerechtfertigt.
Park wärmt keine Story neu auf, auch „Sympathy for Lady Vengeance“ ist anders als die Vorgänger „Sympathy for Mr. Vengeance“ oder „Oldboy“. Auch hier spielt das Wort Sympathie eine große Rolle. Kann man für jemanden Sympathie empfinden, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt, Selbstjustiz ausführt? In diesem Fall wird es sogar noch auf die Spitze getrieben, der Zuschauer muss sich seinen Teil denken. Auch beim dritten Mal gelingt es Park, zu provozieren, den Zuschauer aus der Reserve zu locken. Der Zuschauer wird konfrontiert, in eine Situation gebracht, wie würde er selber handeln, und es muss sich nicht nur in Geum-ja Reinversetzen
„Sympathy for Lady Vengeance“ ist meiner Meinung nach der ruhigste Vertreter aller drei Filme, was aber irgendwie passt, da diesmal eine Frau die Hauptrolle einnimmt. Sie geht weniger barsch vor, alles ist geplant, nichts wird dem Zufall überlassen, wenn man auch nicht alles einkalkulieren kann. Man erinnert sich nur an „Sympathy for Mr. Vengeance“, wo eigentlich im Nachhinein alles schief geht, was schief gehen kann, so ist es hier anders. Der Plan geht früh auf, doch wenn man denkt, alles ist schon zu ende, dreht der Film erst richtig auf. Vielleicht könnte man die etwas zu ruhige Phase in der Mitte bemängeln, doch gerade dann merkt man umso stärker, wie sich der Film wendet, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, Vergeltung zu üben.
Der Film reduziert sich fast auf ein Ein-Personen-Stück, auch wenn es natürlich eine Unmenge an Leuten gibt. Aber der Film dreht sich um Geum-ja, gespielt von Yeong-ae Lee.
Mr. Baek kennen wir, es ist Min-sik Choi, der schon die Hauptrolle in „Oldboy“ übernahm. Damals musste er leiden, und er wird wieder leiden, auch wenn es diesmal die Rolle einnimmt, für die man eigentlich gar keine Sympathie mehr haben kann, wenn man erst mal alle Umstände kennt.
„Sympathy for Lady Vengeance“ ist, wenn man es überhaupt so sagen darf, der harmloseste Film der Reihe. Viel mehr entsteht die Gewalt im Kopf des Betrachters, dennoch gibt es auch hier einige Szenen, die einen zusammenzucken lassen, insbesondere wenn ein bestimmtes Video gespielt wird. Park arbeitet nun weniger graphisch, geht ruhiger vor bei der Entstehung der Geschichte, dafür aber lässt er am Ende alles auf den Zuschauer zurollen. Wie schon bei den beiden Vorgängern lässt sich Park auch hier ein hammerhartes Finale einfallen, welches den Zuschauer zum Nachdenken bringen wird. Man muss sich dabei ertappen, wie man selber handeln würde. Was Gerechtigkeit ist, und nicht nur im Sinne von Geum-ja, dies bleibt dem Zuschauer selber überlassen.
Auch die Musik in Parks Filmen spielt immer eine wichtige Rolle. Sicherlich, der Soundtrack ist diesmal nicht so genial wie noch bei „Oldboy“, aber wie gesagt, es passt einfach zum Film. Der Film soll wohl diesmal nicht so rau oder gar dreckig wirken. Immerhin spielt hier eine Frau die Hauptrolle, eine Frau übt Rache, so passt auch mehr diese Musik dazu.
Im Bereich der Kamera muss man zu der Arbeit von Park eh nichts mehr sagen, allein das Intro ist wunderschön und der Rest der Arbeit ist es auch. Park fängt wieder mal wunderschöne Bilder ein, schafft geschickte Übergänge, „Sympathy for Lady Vengeance“ ist ein visueller Film, den man sich sogar in zwei Versionen ansehen kann. Entweder durchgängig in Farbe, oder in einer Farbfassung, die zum ende hin verblasst, bis der Film nur noch in schwarz-weiß zu sehen ist. Welche Fassung man favorisiert, bleibt die Sache des Zuschauers. Park wollte einfach mal was ausprobieren und überlässt es dem Zuschauer, welche Fassung ihm am besten gefällt.
Fazit: Auch „Sympathy for Lady Vengeance“ überzeugt mich. Das Thema ist zwar gleich, der Film jedoch inhaltlich wieder völlig anders, so dass gar keine Langeweile aufkommt, wenn man schon „Sympathy for Mr.Vengance“ und „Oldboy“ gesehen hat. Auch an diesem Film kommt man nicht vorbei, es sei denn, man mag aus Prinzip keine ruhigen Filme, dann könnte man in der Tat Probleme bekommen. Sein letzter Film der Trilogie ist der ruhigste, aber vielleicht auch der visuell schönste Film. Jedenfalls hat mich Park nicht enttäuscht und einen mehr als würdigen Abschluss seiner Rache-Trilogie abgeliefert. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis Park seinen nächsten Film dreht. Diesmal darf es dann aber mal was neues sein, denn der man hat sicherlich noch andere filmische Qualitäten, als sich nur auf Rachefilme zu beschränken, wie es schon JSA zeigt.