Review
von Leimbacher-Mario
Rache ist ein Gericht, das am besten von Park Chan Wook serviert wird
Mit seiner nur thematisch zusammenhängenden Rache-Trilogie hat sich Regisseur PCW unsterblich gemacht und wird wegen ihr vollkommen zurecht kultig verehrt, sowohl von Genrefans der härteren Gangart als auch im Arthousekosmos. Diesen Spagat muss man erstmal schaffen. „Lady Vengeance“ ist das abschließende Kapitel - und das vielleicht verschachteltste, verspielteste und vielschichtigste der Reihe. Ohne seine Härte und Schocks aber ganz an der Tür abzugeben, keine Angst. Hier kommt eine junge Frau und vermeintliche Kindesmörderin nach über 13 Jahren aus dem Gefängnis frei - und hat einen Plan zur Rache geschmiedet, der u.a. ihre Unschuld beweist, ihre eigene Tochter zurückholt und ihre unruhige, gequälte Seele endlich zur Ruhe kommen lassen könnte…
Seife und Schnitte
„Lady Vengeance“ ist einer dieser Filme, die immer besser werden, je öfters man sie getroffen und geguckt hat. War er mir anfangs noch etwas zu sprunghaft und bunt, fast eine Art in Blut getränkte Korea-Amelie, liebe ich nun weit mehr an ihm als nur sein ultrahartes und „endlich“ zur Sache kommendes letztes Drittel. Park Chan Wook hat es wieder einmal geschafft die Grenzen zwischen Brutalität und Gefühlen, Rache und Schmerz, Waffen und Psychologie spielerisch zu verwischen. Und trotz aller Leichtigkeit geht es einem durch Mark und Bein. Die „gutherzige Geum-ja“ ist eine enorm starke und ambivalente (Frauen-)Figur, kommt beängstigend und doch immer mysteriös und verletzt rüber. Man merkt hier vielleicht mehr denn je, wieviel Bock Wook auf Kino, Kinetik und Klingen hat. Ihn während der Koreakinowochen in Wuppertal auf der großen Leinwand sehen zu können war eine Wonne, Pracht und ein Nervenkitzel. Selbst wenn ich ihn schon in und auswendig kannte. Blutorange is the New Black. Zwischen Himmel und Hölle. Koreakonflikt is down. Psychokillerqueen. Mord im Koreakinoexpress. Ein Fest für die Sinne und zugleich Schlag in die Magengrube. Zuckerbrot und Peitsche. Sado und Maso. Gaudi und Raudi.
Fazit: kein „Oldboy“, eher ein Younggirl - dieser blutgetränkte Todesengel hat es in sich und stellt geschickt den Sinn, die Gerechtigkeit und die Befriedigung der Rache an sich in Frage. Würdiger Abschluss der thematischen Trilogie. Sehr hart, sehr ambivalent, sehr sinnlich, sehr stylisch!