Lange bevor Charlton Heston als Ben Hur für Furore sorgte, gab es schon eine abendfüllende Verfilmung der Superlative.
Wie es sich für einen Stummfilm gehört, war das Wort subtil eher ein Fremdwort hierbei. Große Gesten, vielsagende Blicke, herzzerreißende Momente waren stilistisch der Normalfall.
So kommt es auch nicht von ungefähr, dass Messalla seinen Kindheitsfreund Ben Hur einfach niederträchtigerweise verrät.
Genausowenig ist es verwunderlich, dass es eine herzzerreißende Wiedervereinigungsszene zwischen Ben Hur und seiner Familie gibt, von der Ben Hur nichts mitbekommt, weil er erschöpfterweise schläft, als seine verseuchte Sippschaft nur einen Schritt von ihm entfernt ist, ihn aber nicht berühren darf, um ihn nicht auch anzustecken.
Allgemein trieft diese Version nur so voll Melodramatik, dass es eigentlich kaum erträglich ist. Dennoch, dieser Overkill an Emotionen fängt schon sehr bald an zu wirken, und man kann sich - so man bereit ist, sich darauf einzulassen - dem nicht mehr entziehen, schaut fasziniert, wie es weitergeht.
Die Geschichte ist prinzipiell dieselbe wie die mit Charlton Heston, es gibt kaum Unterschiede.
Genauso wie die spätere Version ist auch diese eine Produktion der Superlative: Superlang, supermelodramatisch und mit einem super legendären Wagenrennen: Es gibt zwar viele Szenen und Einstellungen, die sich andauernd wiederholen, spannend ist das Wagenrennen allemal und für damalige Verhältnisse revolutionär.
Die Darsteller sind allesamt sensationell und wenn man sich an die Inszenierungsmerkmale eines Stummfilms gewohnt hat, sogar fast besser als die Darsteller in der vertonten Fassung von William Wyler.
Man kann sogar soweit gehen zu behaupten, dass dieser Film sich allgemein überhaupt nicht zu verstecken braucht vor seinem viel berühmteren und erfolgreicheren Remake.
Zwar könnte man diesem Film vorhalten, dass er undifferenziert ist und sich in schwarz-weiß-Malerei ergibt, aber man darf nicht vergessen, von wann der Film ist, und er ist nicht halb so fragwürdig und politisch unkorrekt wie beispielsweise der für die Filmproduktion an sich richtungsweisende Film 'Die Geburt einer Nation'.
Alles in allem Maßstäbe setzendes Bombast-Kino der Superlative, zu Recht noch einmal Jahre später für das Tonfilmpublikum neu verfilmt worden, denn große Geschichten müssen für jedes Publikum zugänglich gemacht werden.
8 Punkte