Review

Gemeinsam einsam

Ein schwules Paar aus Hongkong startet einen Neuanfang in Buenos Aires - doch auch die argentinische Leidenschaft will die kriselnde Beziehung der beiden nicht so unterstützen, befeuern und retten, wie sie sich das vielleicht vorgestellt hatten… 

Tango & Trugschlüsse

Weiter geht’s in meiner intensiven Wong Kar-Wei-Rundschau. „Happy Together“ hatte ich tatsächlich noch nie gesehen. Und was für einen romantisch-tragischen Genuss er hiermit bereithält… Aufopferungsvoll gespielt von den Herren. Klarer und straighter erzählt als vieles anderes von Wong. Aber mit seinem unnachahmlichen Auge und Style. Ein wahrer Künstler. Viel schwarz-weiß. Sehr emotional. Sehr aufgeladen. Sehr intim wie episch zugleich. Überhaupt nicht nur für die schwule Nische. Das ist sowas von universell. Über Einsamkeit und/in scheiternde(n) Beziehungen. Über Neustarts und Heimweh. Über Umwege und Sackgassen. „Happy Together“ ist richtig intensiv und knackig. Elliptisch und doch zugänglich. Kuschelig und doch abstoßend. Anziehend und verführerisch und hypnotisch - aber doch andersartig und nicht ohne seine messerscharfen Zähnchen. Da kann der Weichzeichner greifen wie er will. Traurig, melancholisch, stilsicher. Der argentinische Geschmack tut dem Film und WKW gut. Das ist ein Gedicht. Eine Ode an das Alleinsein. An gescheiterte Träume. An ferne Welten und unwirkliche Länder, an toxische Sitten und faule Gewohnheiten. Eine Busfahrt mit leerem Blick ins schwarze Nichts. Ein Tunnel ohne Licht am Ende. Ein Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen kann. Absolut wundervoll. 

Aufwühlend wie die Niagarafälle

Fazit: ein Roadtrip von Hong Kong über Argentinien bis direkt ins lonely Herzchen… Ein Weltfilm. Persönlich und progressiv. 

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