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Nachdem die gewissen Mystery- und Horrorelemente recht gut innerhalb der Sherlock-Holmes-Serie funktioniert hatten, war es kaum verwunderlich, daß man für den nächsten Beitrag ein weiteres Element hinzufügte, das diesen ähnlich war: ein "Monstrum". Letztendlich eigentlich nicht mehr als ein Handlanger und ein gedungener Killer hängt die Wolke des Schreckens dieser Figur über weiten Strecken des Films, ohne daß wir sie je zu Gesicht bekommen (oder mehr als ihre gewaltige Hand).
Man erfährt lediglich, daß der Täter seinen Opfern die Wirbelsäule zerquetscht hat, was in Sachen roher Brutalität (natürlich offscreen, das Breen Office verhinderte bis zum Ende der Serie offene Zurschaustellung von Gewalttätigkeiten) ein neue Höchstmarke darstellte.

Latent inspiriert von der Originalgeschichte "The Six Napoleons", erzählt der Film eine klassische Detektivgeschichte im Stile des Film Noir (wie "The Maltes Falcon" etwa), mit einem Detektiv, seinem Assistenten, einem Verbrechergenie, seiner wandlungsfähigen Gefährtin und einem hünenhaften "henchman" auf der Suche nach einem geheimnisvollen Juwel.
Die "Perle des Todes" bzw. der Borgias ist es, hinter dem alle her sind und zunächst gelingt Holmes der saubere Coup, an Bord eines Schiffes den Edelstein vor dem Zugriff des Meisterverbrechers Giles Conover (wieder Miles Mander, der in "The Scarlet Claw" den Richter spielte) und seiner Assistentin Naomi (wieder einmal Evelyn Ankers) in Sicherheit zu bringen. Bei der Prüfung der Sicherheit im britischen Museum jedoch fallen Holmes eklatante Mängel auf, die allerdings von Conover überhört und sofort benutzt werden, um die Perle zu stehlen. Er wird gefaßt, hat das Diebesgut jedoch versteckt.
Nach dieser zwanzigminütigen Einführung geht der Fall allerdings erst richtig los, denn eine Mordserie brutaler Natur überzieht die Stadt und dabei wird immer reichlich Geschirr zerbrochen. Verantwortlich dafür ist der "Creeper" und natürlich ist er auf der Suche nach der Perle.

Der "Creeper", dargestellt von dem durch Akromegalie entstellten Rondo Hatton, einem deformiert wirkenden, stillen Hünen, ist die große Attraktion des sonst sehr gradlinigen Falls. Zunächst wird nur von "ihm" gesprochen - Evelyn Ankers darf mit enormer Panik und Abscheu reagieren - später sieht man erst seinen Schatten, dann seine Hand, bis er im Finale schließlich selbst auftritt, was ihm danach noch so einige größere Rollen einbrachte, auch wenn er sie dank seines frühen Todes zwei Jahre später nicht selbst im Kino erleben durfte. Der Aufbau seiner Figur ist makellos, da man ihn jedoch nie wirklich in Action sehen kann, leidet seine Wirkung aus heutiger Sicht etwas.

Weniger einprägsam ist Miles Mander als Conover (Ankers ist so sicher und überzeugend wie immer), der ein bißchen eindimensional wirkt und keine übermenschliche oder dämonische Präsenz wie Moriarty aufweist, obwohl in kriminellen Dingen immer in höchsten Tönen von ihm gesprochen wird.
Interessant auch, daß der Druck in diesem Fall auf Seiten Holmes liegt, der ja dank seiner Unachtsamkeit im Museum verantwortlich für den Raub der Perle ist, was auch alle Verantwortlichen samt und sonders an ihm auslassen (und er bissig an Lestrade wiederum ausläßt).
Ansonsten gestaltet sich der Fall wieder wie ein robuster, gut gestricktes Detektivgarn, ohne größere Grobheiten in der Konstruktion und wenig Unwahrscheinlichkeiten, so daß sich alle Beteiligten in guter Form zeigen können.
Das änderte jedoch nichts daran, daß der deutsche Verleih für die TV-Fassung wieder einmal enorm kürzte, sagenhafte acht Minuten mußten dran glauben, samt und sonders ergänzende und abrundende Szenen, die wohl aus Streckungsgründen unter die Axt kamen - eine reine Barbarei.

Nach drei sehr guten Holmes-Filmen war die Blütezeit jetzt überschritten. Es sollten zwar noch fünf Filme folgen, aber so wie die Horrorabteilung bei Universal sich in endlosen Variationen und Kompilationen von Filmmonstern ergab, wie Schnellschuß auf Schnellschuß folgte und man auf mäßige Darsteller wie Lon Chaney jr. setzte, so sanken auch die Qualitäten der Holmesreihe wieder auf ein Durchschnittsmaß. Diesen hier sollte man aber auf jeden Fall genießen. (7/10)

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