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Zurück zu den Wurzeln! Nach teils missglückten Ausflügen als Nazijäger und den allerdings durchaus gelungenen Streifzügen durch die Gefilde des Gothic Horror kehrt der Meister aller Detektive nach Hause zurück. Das heißt einerseits zurück in das pulsierende London, wo er von seinem Domizil in der Baker Street 221b die Fäden zieht für seinen neuesten Fall, welcher sich in der Millionenmetropole als ungleich schwieriger erweisen dürfte als auf manch verlassenen Flecken vor den Toren der Stadt, wo innerhalb eines Dorfes oder in den Gemäuern eines alten Schlosses die Zahl der in Frage kommenden Täter zumeist überschaubar blieb. Das hier vorliegende neunte Abenteuer des Duos Rathbone/Bruce bedeutete aber auch die Rückkehr zum klassischen Detektivspiel der alten Schule, mit geradliniger Story und knackigen Rätseln.

Es ist vielleicht etwas schade, dass die hier vorliegende Adaption der Short Story „Sechsmal Napoleon" bereits anhand des Filmtitels mit der Tür ins Haus fällt und von Anfang an die Marschrichtung vorgibt, nach was man eigentlich sucht, nämlich einer großen Perle von unschätzbarem Wert. Dadurch entsteht quasi der Eindruck, dass die Geschichte in umgekehrter Reihenfolge erzählt wird, da das Objekt der Begierde bereits von Anfang an bekannt ist. So geht natürlich ein Teil des Mysteriösen der Buchvorlage verloren, wo die Jagd nach den zerbrochenen Gipsbüsten des französischen Feldherrn ohne diese Vorgeschichte lange Zeit in einen Dunstschleier getaucht wird und die Morde auch nicht zwingende Begleiterscheinungen eines jeden Einbruchs waren.

Im Film geht man dagegen in die Vollen, da erstens an jedem Tatort auch eine Menge Porzellan zertrümmert wird statt nur eine Büste, zweitens gibt es bei jedem Einbruch einen Mord, wobei den bedauernswerten Opfern immer auf die gleiche Art das Rückgrat gebrochen wird. Das Einflechten des Porzellanzerschlagens ist dabei ein gelungener Kniff, um auch den Zuschauer die Suche nach dem Motiv zu erschweren, die Morde selbst sorgen dann noch zusätzlich für eine düstere Note in den Ermittlungen, welche dank Holmes wie immer zielstrebig vorangetrieben werden, natürlich wie gewohnt mit dem gutmütigen Watson, der allerdings diesmal kaum eine echte Bewährungschance bekommt und einem wie immer hochnäsigen und von sich selbst überzeugten Lestrade, der allerdings von Anfang bis Ende wieder mal im Dunklen tappen muss.

Man sollte bei der „Perle der Borgia" unbedingt der restaurierten Fassung den Vorzug geben, die mit knapp neun Minuten längerer Laufzeit einige Dinge noch runder wirken lässt als in der ohnehin nur eine knappe Stunde laufenden früher gezeigten Version. Und dennoch kommen auch hier die Holmes'schen Gegenspieler in Gestalt eines seltsam zusammengewürfelten Gaunertrios etwas zu kurz. Wenigstens wird die fragile Beziehung zwischen dem Bösewicht Conover und seiner auf dem ersten Blick nur als hübsche Gehilfin agierende Noemi etwas deutlicher ausgeleuchtet, ist sie ihm doch auf eine gewisse Art auch hörig.

Und leider hat der „Creeper" in voller Gestalt und Größe nur einen kurzen Auftritt am Ende, dennoch ist für Gruselstimmung gesorgt, wenn unter Zuhilfenahme reizvoller Schattenspiele die Umrisse des Riesen im fahlen Halbdunkel auftauchen und seine Hände bzw. Pranken das nächste Opfer zu Packen bekommen. Doch schwingt in der Darstellung des Ungeheuers auch ein trauriger Unterton mit, da Rondo Hatton nur aufgrund seiner Krankheit diese Rolle auf den unkontrolliert wuchernden Leib geschneidert wurde. Und das auch der „Hoxton Creeper" der schönen Noemi zugetan war, bedeutete schließlich das kurze und schmerzlose Ende der Pläne von Conover, der alles in allem etwas blass agiert und weit hinter der Größe eines Moriarty zurückbleibt.

In der Mischung aller Zutaten kann „The Pearl of Death" dennoch über weite Strecken überzeugen, und vertiefende Charakterstudien waren ja sowieso noch nie die Stärke der Holmes-Erzählungen. Und neben der ausbalancierten Wanderung zwischen Düsteratmosphäre und humorvollen Einschüben erweist sich gerade eine Szene als bemerkenswert, in der Holmes durch das Abschalten der Alarmanlage im Museum den Diebstahl der Perle ermöglichte. Mag sein, dass einige darin seinen Ruf als perfekter Detektiv geschädigt sahen. Ich sage, dass Holmes selten so menschlich wirkte wie in dieser Einstellung. Nicht nur deshalb ein sehenswerter Beitrag innerhalb der Serie.

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