kurz angerissen*
Nach einem erfrischenden Auftakt unter 20th Century Fox, einer schwierigen Neuorientierung nach der Übernahme durch Universal und dem Aufstieg zur Hochphase mit „Das Spinnennest“ und „Die Kralle“ reguliert sich die Sherlock-Holmes-Reihe mit ihrem neunten Beitrag auf ein solides Unterhaltungsmaß und setzt auf die Vertrautheit mit Nigel Bruce und Basil Rathbone, deren Eigenarten sich dem Publikum längst eingebrannt haben.
Dass der stets wunderbar überheblich agierende Rathbone seinen Holmes einmal über die eigene Arroganz stolpern lassen würde, war fast abzusehen. Da möchte der Meisterdetektiv in all seiner Souveränität die moderne Technik bloßstellen und prompt nutzt ein Dieb die Gunst der Stunde, um eine kostbare Perle zu stehlen. Obwohl Holmes öfter mal in (meist vorgetäuschten) Momenten der Hilflosigkeit verweilte, glich er nie mehr einem begossenen Pudel; und so sehr man Rathbone auch mag, man freut sich doch diebisch über Hohn und Spott, der ihm am Szenenende zuteil wird.
Die Perle fungiert erwartungsgemäß als einfacher McGuffin für einen klassischen Heist-Plot, der zum routinierten Charakter des Films beiträgt. Andererseits wirken einige der erzählerischen Mittel durchaus fortschrittlich; so lässt die Rekonstruktion einer Schlüsselszene in ihrem sezierenden, Raum und Zeit aus dem Kontinuum hebenden Ablauf ganz besonders an Guy Ritchies Neuinterpretation denken.
Doch der Rest ist tatsächlich vor allem guter Krimi-Standard: Ein begehrtes Objekt, eine Reihe von Morden und ein paar Spitzfindigkeiten später ist man bereits beim Finale angelangt und kommt zu der Erkenntnis, dass „Die Perle der Borgia“ nicht mehr zu den allerbesten Einträgen in die Reihe gehört, gleichwohl er von den Erfahrungswerten der Vorgängerfilme profitiert und daraus einen hohen Unterhaltungswert gewinnt.
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