Existenz in der Hölle oder wie ein paar fantasievolle Leute aus Thailand sich das vorstellen
Es gibt übrigens verschiedene Höllen für das jeweils schlimmste Vergehen im Leben, - fürs Fremdgehen, fürs Lügen, für Mord so und so, aber auch fürs Alkohol trinken.
Lustiger Stoff also, den uns die Südostasiaten da bescheren. Zum Schmunzeln bleibt jedoch wenig Zeit und wenn man erstmal tot ist, wird man noch einmal genauer über seine Sünden nachdenken, denn so wie „Narok“ die Hölle darstellt, will ich ab sofort ein guter Mensch sein, - obwohl, das mit dem Alkohol wird schwierig.
Die Handlung lässt sich simpel auf den Punkt bringen: Eine Gruppe junger Leute verunglückt bei einem Autounfall und landet in der Hölle. Hier findet einer von ihnen heraus, dass alle Beteiligten zwar schwer verletzt im Krankenhaus liegen, aber noch nicht tot sind. Also muss schleunigst ein Weg hinaus gefunden werden.
Natürlich ist das Herangehen eine eher buddhistische Sichtweise, da der Höllenbereich eines ihrer sechs zentralen Lebensräder darstellt. Sünder mit schlechtem Karma können sich reinigen und auf höherer Ebene wiedergeboren werden. Deshalb gibt es in dieser Unterwelt auch direkt einen Ausgang, bei dem Leute anstehen und sich eine schwarze Kugel reinpfeiffen, die per Zufall den Ort der Wiedergeburt bestimmt. Aber dafür sind nur wenige auserkoren.
Denn als unsere Gruppe in die Hölle eintritt, wird sie zunächst unsanft von kriegerähnlichen Kreaturen begrüßt und mit rustikalen Waffen vorangetrieben.
Die Hölle steht ja nun mal für das Grausamste, was man sich denken kann und diese Szenerie haben die Macher eindrucksvoll hinbekommen.
Hier herrschen Schmerz und Folter, alles eingebettet in einen passenden Orange-Rot-Filter.
Da werden Gliedmaßen mit riesigen Werkzeugen zertrümmert, Glut zu trinken gegeben, mit Stacheldraht gewickelt und etliche Sauereien in kurze aber explizite Szenen gepackt.
Es herrscht ein Wimmern und Wehklagen, Körperteile und Innereien, wohin man nur schaut.
Es kommt den pessimistischsten Bildern einer jenseitigen Unterwelt in erschreckender Weise recht nah.
Innerhalb dieser überaus morbiden, oft auch surreal wirkenden Kulisse, versuchen unsere Halbtoten einen Ausweg zu finden, der durch karge Einöden, einen verwilderten Dschungel, eine Höhle und eine Feuerschlucht führt, die wilden Höllenknechte stets im Nacken.
Dazu ein paar Ghulkinder in weißen Nachthemden, glitschige Höhlenmenschen und leichtbekleidete Nymphen.
Die Gestaltung der Schauplätze ist stimmig und atmosphärisch ausgefallen und auch die CGIs, die gegen Ende vermehrt eingesetzt werden, verfehlen nicht ihre Wirkung.
Der Score unterstützt einige Szenen recht gut, vorwiegend mit dazu passenden Synthie-Chören und grummelnden Streichern.
Etwas weniger gelungen ist demgegenüber die Charakterisierung der Protagonisten.
Von einer Frau erfährt man nur, dass sie just schwanger ist, der Vater (der auch in der Hölle ist) fremdging (mit einer Frau, die ebenfalls der Gruppe angehört). Ein weiterer ist ein herzensguter, aufopferungsvoller Held, bei dem man sich fragen muss, warum er nicht gleich im Himmel landete, dazu kommt noch einer, den alle Onkel nennen und zwei fast identisch aussehende Typen. Man fiebert zwar mit ihnen mit, weil man ihnen die Höllenqualen nicht zumuten will, aber etwas mehr Zwischenmenschlichkeit hätte ihrem Höllentrip nicht geschadet.
Dafür wurde auf die Gestaltung der Apokalypse besonderer Wert gelegt, die Höllenknechte wurden ordentlich kostümiert und die Masken stehen ihnen ausgezeichnet.
Leider wurden ihre Stimmen tiefer gepicht und zu allem Überfluss gibt es auch einen Satan auf dem obligatorischen Thron.
Doch insgesamt gibt die dünne Story ein paar spannende Fluchtmomente her, die Höllenszenerie ist atmosphärisch beeindruckend und die Wirkung einiger Folterszenen bedrückend.
Horrorfantasy der thailändischen Art, in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Streifen.
Und sollte sich jemand bereits auf die Hölle vorbereiten, - Satan ist Thai und es könnte hilfreich sein, schon mal seine Sprache zu lernen…
7 von 10 Punkten