Thailand gibt Gas. Das asiatische Land ist ja nicht gerade bekannt durch seine hohe Filmkunst, doch Filme wie „Ong Bak“ brachten das weltweite Publikum schon ein wenig zum staunen. Nun wagt sich Thailand an das Horrorgenre. Erster Auftakt ist die Hölle (Narok).
Sechs Jugendliche und ihr Onkel machen sich auf den Weg, einen Film zu drehen. Dabei hat jeder so sein kleines Geheimnis. Chod betrügt seine Freundin Djaa mit Kim(?, glaube ich zumindest), die mittlerweile schwanger ist, der Onkel ist dem Alkohol alles andere als abgeneigt und verprügelt im Suff auch mal seine Frau. Nur der junge Art scheint einer der wenigen Vernünftigen zu sein.
Nach einem Unfall mit einem Bus finden sich die sieben in einer fremden Welt wieder. Merkwürdige Wesen beherrschen diese Welt. Schnell wird ihnen klar, sie sind in der Hölle gelandet. Zwar war der Tod von einigen nicht vorgesehen, doch der Höllenfürst hat kein Interesse daran, sie gehen zu lassen. Jeder soll für seine Sünden büßen, mal mehr, mal weniger. Art und Kim finden heraus, dass sie noch nicht tot sind, sondern im Krankenhaus im Koma liegen. Art und seine Freunde versuchen der Hölle zu entkommen, doch die Schergen des Teufels sind ihnen dicht auf den Fersen...
Höllenfilme gab es einigte, der bekannteste und beste ist der japanische Vertreter „Jigoku“, der das Höllenszenario aber erst in der letzten halben Stunde wirklich thematisiert und vorher eher ein Drama ist. Bei „Narok“ sieht es da ganz anders aus. Dabei hat man sich natürlich auch diverse amerikanische Filme als Vorbild genommen und sicherlich aus dem einen oder anderen Film mal was abgeschaut.
Es gibt hier genau die gleichen klischeehaften Darsteller wie auch in den westlichen Filmen. Es gibt den Egoisten, der nur an sich denkt, hemmungslos seine Freundin betrügt usw. und natürlich das komplette Gegenteil, der alles für seine Freunde tun wird und sich natürlich in die Freundin des Egoisten verguckt, die unter diesen leidet.
Immerhin geht „Narok“ relativ schnell in die Vollen. Die Charaktere werden nur soweit eingeführt, wie es für das Verständnis nötig ist, inklusive ihrer Sünden natürlich. Danach landen alle relativ schnell in der Hölle und der Film beginnt wirklich.
Dabei unterscheidet sich die buddhistische Hölle nicht wirklich von der uns bekannten(?) Hölle im christlichen Glauben. Auch diese Hölle hat einen Art Oberteufel, der entscheidet, wer wo und wie lange in der entsprechenden Hölle zu leiden hat. Bestrafungen gibt es mehr als genug und 8000 Jahre heißes Kupfer trinken könnte ziemlich schmerzhaft sein.
Die Darsteller sind für das westliche Publikum natürlich total unbekannt, ich kann mir nicht mal vorstellen, dass man sie in Thailand selber vorher kannte. Daher sollte man auch nicht zu hart in der Bewertung sein. Die Darsteller kommen sogar alle recht sympathisch rüber und machen ihre Sache daher ganz gut für so einen Film. Es gibt sogar ein paar humorvolle Szenen, die zwar nicht so recht in den Film passen wollen, aber man gerne drüber hinweg sieht. Z.B. wirkt der betrunkene Onkel alles andere als der Schläger und Alkoholiker, den er eigentlich darstellen soll, egal.
Auch mit der Logik hapert es natürlich ein wenig. Einige Szenen wirken schon recht kurios, eben noch ist die Gruppe getrennt, plötzlich sitzen alle zusammen unter einer Brücke. Auch scheinen sie relativ ziellos durch die Hölle zu laufen und finden eher zufällig den Ausgang. Natürlich hat man diesen Ausgang auch schon zu Begin gefunden, doch der gute Art will natürlich seine Freunde retten. So sind sie dann relativ schnell auf dem Folterplatz, brauchen dann aber unglaublich lange, bis sie wieder zum Ausgang zurückfinden. OK, auch hier mal den Mantel des Schweigens drüber.
Positiv ist der thailändische Ansatz des Horrorfilms. Aus Asien ist man ja wirklich alle extreme gewohnt. Die Japaner sind eher knallhart und kompromisslos, die Inder hingegen fangen plötzlich auch in der dramatischsten Szene fröhlich an zu singen und zu tanzen.
Der thailändische Horrorfilm geht da eher den Weg, den die Indonesier in den 80er Jahren mit ihren trashigen Splatterfilmen gegangen sind. In Thialnd wird weder gesungen noch getanzt, eher dominieren in der Hölle einige harte Effekte. Auch hier muss man natürlich mal das eine oder andere Auge zudrücken. Die CGI-Effekte sind teilweise überdeutlich zu erkennen und sehen dadurch nicht wirklich toll aus. Andere, selbstgemachte Effekte sehen dafür deutlich besser aus, so dass sich hier eine gesunde Mischung entwickelt. Farblich wurde ein starker Rotfilter über die Hölle gelegt, die den Charakter der Hölle nochmals unterstreichen soll.
Die Effekte sind ungewöhnlich hart, wenn auch immer nur relativ kurz zu erahnen. Dennoch wird die Hölle aus meiner Sicht überzeugend dargestellt. Sehr gut gefallen hat mir die Musikuntermalung in der Hölle. Es ist nur eine fast chorartige Musik, die sich durch den ganzen Film zieht und meiner Meinung mehr als ausreichend ist. Jedenfalls kann man mit der Hölle zufrieden sein, geht sie doch noch einen Schritt weiter als die Szenen in „Jigoku“ oder auch die Darstellung von Jose Mojica Marins in seinen Ze do Caixao-Filmen. Wobei Marins natürlich farblich nicht zu toppen ist.
Fazit: „Narok“ kann man mit gemischten Gefühlen betrachten. Auf der einen Seite bietet der Film viele positive Ansätze, die Hölle ist z.B. relativ gut dargestellt inklusiver der diversen Greultaten. Inhaltlich hat der Film so seine Probleme, die Story ist alles andere als logisch, aber diesen Schuh dürfen sich auch bekannte amerikanische Vorbilder mühelos anziehen. Immerhin nerven einen hier die Schauspieler nicht, sie sind sogar ziemlich OK. Die Goreschraube wird zwar auch nicht bis zum Anschlag angezogen und die Effekte sind auch nicht immer das Wahre. Dennoch ist den Thais in Richtung Horrorfilm ein relativ großer Schritt gelungen. Schaut man sich dazu im Gegensatz z.B. den indischen Horrorfilm an, so ist dieser Schritt sogar riesig. So ist „Narok“ ein recht kurzweiliger Film, der niemanden aus den Socken hauen wird, aber der doch knapp 90 Minuten unterhält. Langweilig wird es jedenfalls nicht. Daher eher eine gute 6.5 als 6.