„Du willst Bumsen? Ich komme schon!“
Im Zuge des Erfolgs von Slasher-Reihen wie „Halloween“ und „Freitag, der 13.“ entstand der Frühachtziger-US-Slasher „Hell Night“ im Jahre 1981 unter der Regie von Tom DeSimone, der vorher u.a. mit Schwulen-Pornos auf sich aufmerksam machte. Marti (Linda Blair, „Der Exorzist“), Jeff (Peter Barton, „Freitag der 13. - Das letzte Kapitel“), Seth (Vincent Van Patten, „Rock’n’Roll Highschool“) und Nicole wollen in die Studentenverbindung „Alpha Sigma Rho“ aufgenommen werden, müssen zu diesem Zwecke jedoch zunächst einmal die Aufnahmeprüfung bestehen: Sie müssen eine Nacht im „Garth Manor“-Anwesen verbringen, in dem es, so erzählt man sich, spuken soll. Die Geschichte des Hauses ist dann auch wahrlich keine sonderlich vertrauenserweckende: Nachdem seine Frau eine Missgeburt nach der anderen gebar, brachte Hausherr Garth eines Tages seine ganze Familie um und beging anschließend Selbstmord. Einer der degenerierten Söhne soll jedoch überlebt haben und weiterhin den alten Gemäuern vor sich hinvegetieren…
Einmal mehr werden also diverse Abziehbilder von Jugendlichen zum Opfer eines brutalen Killers, die paarungswilligsten zuerst. „Hell Night“ bedient viele typische Genre-Klischees und verzichtet dabei leider weitestgehend auf das Setzen eigener Akzente. Die Schauspieler, unter ihnen die als besessene Regan in „Der Exorzist“ bekanntgewordene Linda Blair, machen ihre Sache recht ordentlich. Auch Mac Ahlbergs („Re-Animator“) Kameraarbeit weiß grundsätzlich zu überzeugen und die Kulissen des Schlosses sorgen im Zusammenspiel mit Martis Burgfräulein-Kostüm für eine gewisse Gotik-Stimmung. Der Bodycount indes ist gering und explizite, blutige Szenen gibt es über einen langen Zeitraum quasi keine, man blendet i.d.R. vorher ab. Auf Genre-Charakteristika wie vom psychopathischen Killer drapierte Leichenberge muss man nicht verzichten, dafür bekommt man den Unhold aber auch schon mittendrin zu sehen und muss nicht auf eine Art Enthüllung nach ausgiebigem „Whodunit?“ bis zum Ende warten. Dessen Make-up möchte ich als zweckmäßig, aber unspektakulär bezeichnen. Der sehr dominante Soundtrack, der Spannungsszenen mit einem wabernden Klangteppich und Action mit dramatischem Bombast nicht unterlegt, sondern regelrecht überdeckt – und das verdammt laut –, hat einen hohen Nervfaktor inne und spricht nicht gerade für das Vertrauen in die inszenatorischen Fähigkeiten DeSimones.
Positiv fällt jedoch eine gelungene Variation des „Auto springt nicht an“-Genreklischees auf: Marti öffnet die Motorhaube und bringt die Karre kurzerhand selbst zum Laufen. U.A. dadurch qualifiziert sie sich zum jungfräulichen, doch emanzipierten „Final Girl“. Für das Finale hat man sich dann auch tatsächlich etwas mehr einfallen lassen und entschädigt letztlich für einiges. Die eigentliche Handlung indes ist ziemlich stumpf und überraschungsarm; ich spoilere sicher nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass schlicht und wenig ergreifend der anfänglich erwähnte Überlebende Familiensprössling wahrhaftig noch im Schloss weilt und nicht besonders gut auf nächtliche Besucher zu sprechen ist. Aus Fragen nach dem Wie und Warum und weshalb er bei vorausgegangenen Aufnahmeprüfungen nicht bereits in Erscheinung getreten ist (und in welchem Zusammenhang die zwischenzeitliche, unpassende Geistererscheinung steht) macht das Drehbuch nullkommanix, es ignoriert sie schlichtweg.
Fazit: Guckbarer Rip-Off-Slasher, dem ein recht schwaches, einfallsloses Drehbuch zugrunde liegt und besonders akustisch nervt, visuell und schauspielerisch aber weitestgehend angenehm apart ausfällt. Subgenre-Allesgucker werden nicht drum herum kommen, alle anderen greifen besser zu originellerer Dutzendware. In meinen 6/10 Punkten ist der übliche Slasher-Bonus bereits enthalten.