Review

Nach meinem wunderbaren Erlebnis mit „Savage Streets“ hatte ich mir fest vorgenommen, doch mal einige Filme mit dem Exorzistenopfer Linda Blair einzuwerfen, nachdem der erste Ruhm abgeklungen war und die harte B-Exploitation lockte. Da kam mir „Hell Night“ gerade recht, der kleine berühmte Slasher aus der Hochphase des Subgenres Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre.

„Hell Night“ gilt als einer der letzten „schicken“ Beiträge, als man die Filme noch hübsch für das Kino aufmachte und sich etwas von Look und Atmosphäre versprach, kurz bevor alles in ewig wiederholten Standards unterging. Deswegen kann der Film (vermutlich meistens unbemerkt vom Publikum) auch noch mit einem sogenannten „glossy look“ punkten, kräftigen Farben, minimaler Weichzeichner, warmes Timbre, Edellook.

Was den Inhalt angeht, so ist es ein freundlicher Standardslasher wie vom Fließband. Wo kein gesetzlicher Feiertag ist, machen wir einfach mit dem titelgebenden Uni-Tag ein Fass auf, in der „Hell Night“ wird gesoffen und gefummelt wie nichts Gutes und das ganze Örtchen laviert am Rande des Ausnahmezustands herum. Gleichzeitig ist es auch die Nacht, in der die obligatorischen Anwärter auf Mitgliedschaften bei Studentenverbindungen irgendeinen Kokolores machen müssen. In diesem Fall: eine Nacht in einem großen, verrufenen Geisteranwesen verbringen, während der Chef-Zampano, sein getreuer Speichellecker (an der Brille erkennbar) und seine wohlgeformte Else schlimme Streiche am und um das Haus anbringen.

Wie das aber nun mal in Slashern so ist, beruht die aufgeblähte Story von den ehemaligen Besitzern des Anwesens, den Mord an den missgebildeten Kindern und dem rachedurstigen Angehörigen auf dem Anwesen leider komplett auf der Realität. Ergo läuft in dem weitläufigen Anwesen ein missgünstiger und missgestalteter Albino rum, der sich anschickt, alle Anwesenden derbst zu entsorgen (warum auch immer).

Nach dem Prinzip „Sieht schick aus, kaschiert so prima Längen!“ geht „Hell Night“ dann aber leider die Extrameile in die dramaturgische Breite. Im mäßigem Tempo wird das alles ausgebreitet, die vier Delinquenten, die drei „Prankster“ und reichlich Natur, Dunkelheit, düstere Gänge und fauchender Wind. Während draußen langsam aber sicher den Übeltätern der Hahn zugedreht wird, teilen sich die Anwärter in zwei Pärchen auf. Eins geht sofort auf Matratze (generell schafft Suki Goodwin als Denise es, dem Begriff „Partymaus“ eine neue Dimension zu verleihen, denn die macht wirklich alles mit, wirft alles ein, hat alles dabei und hat auch noch Spaß dabei), während das Andere brav die ausstehende Zeit diskutiert. Miss Blair gehört in diesem Fall zu letzterem Pärchen, trägt die ganze Zeit Cape und Kleid zu ihren entzückenden Babyspeck-Wangen und läßt ihre Brüste komplett im Ausschnitt – war ja auch nicht immer so. Leider ist es immer etwas dröge, wenn das Glückslos Marke „final girl“ immer die größte Bedenkenträgerin und das größte Mäuschen abbekommen, das hat der Film hier mit „Halloween“ gemein.

Was den Bodycount angeht, hält sich der Splatterfaktor im zugelassenen Rahmen, einige der Morde geschehen sogar im Off und werden nur durch das Ergebnis präsentiert. Der Plot darf im letzten Drittel dann noch einige Haken schlagen, bis die Protagonistin sich endlich zur Gegenwehr gürtet, aber das soll hier nicht verraten werden.
So ist das Ergebnis dann zwar ein würdiger, gut ausgestatteter, aber wenig aufregender Slasher, den aber atmosphärisch kompetente Leute gedreht haben. Angesichts der Mülls, der fünf Jahre später aus bereits aus allen Ritzen quoll, wirkt „Hell Night“ jedoch wie eine Prestigeproduktion. (5/10)

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