Review

Durch einen ehemaligen Indien-fanatischen WG-Genossen baute sich bereits vor dem großen "Bollywood"-Hype in mir eine imense Skepsis gegenüber der indischen Film-Industrie auf. Berichte über das indische Kino-Publikum und die übliche Gestaltung der Filme sind Gründe für das bisherige Ignorieren - ein "Horror-Film" in Form von "Kaal" schien mir ein geeigneter Einstieg zu sein, mich allen Vorbehalten zum Trotz behutsam dem Bollywood-Genre zu nähern...
Der Kultur-Schock fällt vergleichsweise gering aus. Die Story um mysteriöse Morde in einem Wald wird mit einem MTV-Sponsor-Logo eingeleitet und dem entsprechend fällt die Tanzeinlage zum Vorspann aus: kein pompös barocker Kitsch, sondern fetzig choreographierte Dance-Action mit chicer Fotographie kennzeichnen sauberes Handwerk. Sexy Babes, fitte Sänger - diese Einlage hält promblemlos internationalen Standards stand und die anderen auf der DVD ausgelagerten Musicclips toppen diese sogar teilweise mit ihrer ungewohnten Oppulenz...
Dafür geht's im Film deutlich kruder zu. Unübersehbar am westlichen Backwood-Horror angelegt, überzeugt zwar vorrangig die Kamera-Arbeit - die Beleuchter Indiens müssen einen hohen Status geniessen und die Bilder sehen aus, als hätte Michael Bay persönlich an den Farbreglern gedreht - aber bereits bei den Darstellern scheitert "Kaal" kläglich. Tanzen und Singen könne'se, aber wenn's etwas emotionaler wird wird mit der Brechstange gelitten. Die mystische Figur Kaals entpuppt sich kurz nach seinem ersten Auftritt als Weiheiten-Dampfplauderer³ und pusht den Streifen mit seinem Wortschwall zum Finale in lächerlichste Regionen - da fällt selbst der überdeutlich vorhersehbare Polt-Twist nicht weiter auf...

Freunde exotischer Film-Kost dürften "Kaal" etwas abgewinnen! Die Effekte wirken zwar nicht ganz up to date, sind aber überraschend derb konzipiert und wissen damit evt. auch den Horror-Puristen zu gefallen, aber zum nächsten bollywoodschen Schmachtfetzen verleitet der Film noch nicht...

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