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Es klingt zunächst befremdlich, wenn Uschi Glas die Hauptrolle in einem deutschen Kannibalenfilm aus den Siebzigern spielt. Doch allzu viele Horrorelemente sollte man beim Werk des Tschechen Zbynek Brynych nicht erwarten, denn vielmehr spiegelt sich darin der entsprechende Zeitgeist wider, einschließlich psychedelisch angehauchter Momentaufnahmen.

Eve (Uschi Glas) ist mit dem Nerven am Ende und wird von ihrer Ärztin nach Bad Marein zur Kurklinik einer gewissen Dr. Barbara geschickt. Kurz nach ihrer Ankunft stellt Eve fest, dass es im Ort fast ausschließlich Frauen gibt, einen Abend später wähnt sie einen Mord zu beobachten. Doch niemand will der jungen Frau glauben…

Tendenziell bietet das Werk alles, was einen „Skandalfilm“ jener Zeit ausmachte: Halbnackte Frauen (zumindest oben ohne), einen entstellten Gärtner mit Krallenfingern, ein paar kesse Sprüche, Jazz und Rhythmus und eine finale Gewalteinlage, die neben den Aktionen während einer Frauendemo am ehesten im Gedächtnis bleibt.

Ansonsten dümpelt der Stoff relativ ereignisarm vor sich hin und ohne Uschi Glas sähe das Treiben recht amateurhaft aus, da viele Mimen entweder völlig drüber performen oder geradezu ausdruckslos bleiben. Es wird viel getanzt und gefeiert, es gibt zahlreiche Nahaufnahmen und chaotische, teils hyperaktive Kameraschwenks, dazwischen eine Dauerbeschallung von Peter Thomas und ein Wiedersehen mit Klaus Dahlen und Kurt Zips, den man hauptsächlich als Synchronsprecher (Dr. Bunsen aus den Muppets, Ulme aus Wickie) kennt.

Leider gerät die Chose selten spannend, denn schließlich geht es nur darum, ob die Morde tatsächlich stattfinden und ob Eve sich irgendwann ihrem Schicksal fügen und sich den Schwestern zugehörig fühlen wird. Immerhin ist die Metapher der Gottesanbeterin treffend gewählt und eine dazugehörige Nahaufnahme durchaus gelungen.

Als Krimi und Horror scheitert der Streifen in nahezu allen Belangen, für eine Gesellschaftssatire ist der Stoff nicht bissig genug, als surreale Groteske geht das Teil schon eher durch. In entsprechender Stimmung oder für Zuschauer, die jene Zeit aktiv erlebt haben, noch in Ordnung, ansonsten eher ein Schnarcher, der nicht ganz zu unrecht beinahe in der Versenkung verschwunden ist.
4 von 10

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