In einer idyllischen Kleinstadt in den 30er Jahren herrschen Rassismus und Misstrauen. Zwischen familiärem Klima und Rassenhass wachsen die beiden Kinder eines Rechtsanwaltes auf, der einen Schwarzen, welcher beschuldigt wurde, ein Mädchen vergewaltigt zu haben, verteidigt. Dabei kommt es zu Problemen mit den Anwohnern der Stadt...
"To Kill a Mockingbird" wird längst als Klassiker gehandelt und ist maßgeblich wegweisend für viele folgende Filme diesen Themas. So gut, wie er allerdings überall beschrieben wird, kann ich ihn nicht bewerten. Zur Analyse teilt man den Film am besten in zwei Hälften:
1. Hälfte: die beiden Kinder machen aus ihrem Umfeld ein Abenteuerspielplatz, erkunden den Garten des verrufenen Nachbarn und haben mit den Anschuldigungen ihrer Artgenossen bezüglich der Haltung ihres Vaters zur Verteidigung des Schwarzen zu kämpfen (Stichwort "Niggerlover"). In dieser ersten Stunde passiert nichts weiter als das gerade beschriebene, die Geschichte wird aus Sicht der Kinder erzählt, wobei der Zuschauer an mancher Stelle eher an "Die kleinen Strolche" erinnert wird, als an ein ernsthaftes Drama. Hierbei werden kleine kritische Untertöne viel zu rar unter den sonst eher belanglosen Handlungsablauf gemischt, mehr Stringenz hätte ich mir hier gewünscht und nicht die redundant wirkenden Ausflüge der Kinder.
2. Hälfte: die Gerichtsverhandlung findet statt (jede weitere Information wäre ein Spoiler). Endlich lenkt der Film in eine interessantere Richtung und schaltet ein paar Gänge hoch. Die Feindseligkeit vieler Einwohner gegenüber der farbigen Bevölkerung wird hier glaubhaft geschildert, als auch die schiere Hilflosigkeit der Unterdrückten, die sich aus iherer juristisch benachteiligeten Lage ergibt. Zum Schluss des Films wird dem Zuschauer offenbart, das man sich nicht an Gerüchte und konservative Meinungen halten sollte, das die Wahrheit vor allem in einem so rassistischen Umfeld wie dem hier präsentiertem Mut benötigt, um gefunden zu werden.
Fazit: aufgrund der schwächeren, ersten Hälfte sollte der Film nicht überbewertet werden, nichtsdestotrotz offenbart die zweite Hälfte dem Zuschauer ein sehenswertes, sozialkritisches Justizdrama, das man leicht als den Prototyp identifizieren kann, von dem sich auch viele heutige Filme dieser Machart gern den ein oder anderen Kniff borgen.