Review

Schwarz, weiss, grau, Amerika

„To Kill a Mockingbird“ ist eine der ganz großen Literaturverfilmungen und einer der ganz großen Filme zum Thema Rassismus. Keinen Deut weniger. Erzählt wird in dem unglaublich zeitlosen (Gerichts-)Drama von einem angesehenen Anwalt, der samt seiner Familie den Hass, die Vorurteile und die Gewalt seiner weißen amerikanischen „Vorzeigegesellschaft“ am eigenen Leib spüren muss, wenn er einen Schwarzen vertritt, der (womöglich unschuldig) des Mordes angeklagt ist… 

Es hat mir einer gezwitschert, dass das ein Meisterwerk sein könnte…

Gregory Peck mit nicht weniger als einer Jahrhundertperformance. Schwarz-weisse Bildsprache in Perfektion. Vorgänger im Geiste u.a. von „The Green Mile“ oder „Die Jury“. Dazu ein paar der besten Kinderdarstellungen, die Hollywood je vor die Linse bekommen hat. Und eben dieses (leider) zeitlose Thema voller Sprengkraft, Menschlichkeit und innerer Zerrissenheit, auch kindlicher Unschuld, heldenhaften Charaktereigenschaften und (wahrscheinlich vermessenen) amerikanischen Träumen (einer besseren Gesellschaft und Zeit). Fertig ist ein wegweisendes Werk, bei dem einem oft genug der Mund offen stehen bleibt, wenn man merkt, wie krass das Spielberg, Zemeckis, Reiner und andere Meister aus den darauffolgenden Generationen spürbar geprägt hat. Das ist human, das ist herzlich, das ist kindlich. Das ist vor allem herzzerreißend. Das hat enorm Fantasie und ist doch porentief real. Und das ist noch immer ein Augenöffner. Das Buch hat noch ein paar mehr Details, Nuancen und Facetten. Auch charakterliche Kanten. Aber im Grunde ist das ganz, ganz nah an der vollen Punktzahl für mich. Vielleicht nicht ganz auch weil ich Gerichtsfilme alles andere als zu meinen Lieblingsgenres zählen würde. Und trotzdem ist das viel mehr als nur eine genretechnische Schublade. Das ist höchst beeindruckend und bedrückend. Aus Sicht der heutigen Welt und vor allem USA vielleicht mehr denn je. Gerechtigkeit, Vergebung, Unschuld. Einfach kostbar. 

Robert Duvall sticht heraus

Fazit: So klassisch wie Klassiker nur gegen… „To Kill a Mockingbird“ ist amerikanische wie menschliche und natürlich auch filmische Grundausbildung. Zumindest sollte er das in einer besseren Welt sein! 

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