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Mit seinem letzten Film „The Osterman Weekend“ kann Regisseur und Hollywoodrebell Sam Peckinpah nicht mehr ganz an alte Erfolge anknüpfen. Lag es daran das der Alkohol vielleicht doch seine Spuren hinterlassen hat oder einfach am Skript, dass für einen Mann der Filme wie „Wild Bunch“ oder „Getaway“ gedreht hat, etwas zu kompliziert zu sein scheint?

Dass die erste Szene des Films weit wichtiger ist, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, wird schon allein wegen ihrer Aufdringlichkeit deutlich. Im Grunde sind die ersten Minuten, wenn auch nicht leicht zugänglich, das Wichtigste am Film. Der Kalte Krieg tobt, Agenten sterben auf beiden Seiten und nun versucht der CIA ein gewagtes Spiel – er will gegnerische Spion umpolen. Zufällig sind drei Auserwählte Freunde des Enthüllungs-TV-Journalisten John Tanner (Rutger Hauer), der als Patriot ein idealer Verbündeter sein dürfte. Agent Fassett (John Hurt) versucht zusammen mit dem CIA-Direktor Danforth (Burt Lancaster) Tanner von der Richtigkeit dieser Operation zu überzeugen. Bei einem alljährlichen Treffen in einer abgelegenen Waldhütte soll John einen der drei umdrehen, um ihn so für die „richtige“ Sache zu gewinnen. Etwas widerwillig und nicht sonderlich überzeugt, willigt er ein.

Anfangs noch einfach und einer vorhersehbaren Struktur folgend ist „The Osterman Weekend“ ein überkonstruierter Thriller, der rückblickend einige Fragen aufwirft und bisweilen etwas konfus erscheint. Es wird wohl nie geklärt werden, wie der Film ursprünglich aussehen sollte.
Die Verkabelung des Hauses, das Ankommen der Gäste und die vorher präsentierten Szenen, die den Zuschauer an ein konspiratives Trio glauben lässt, bauen einige Jahre vor „Big Brother“ Voyeurismus auf. Stets sieht und weiß der Zuschauer mehr, als alle zusammen und doch ist der Verlauf nicht mal erahnbar.

Während die Atmosphäre sich aufgrund einiger kleiner Streitigkeiten langsam dem Siedepunkt nähert und der CIA immer aufdringlicher Hinweise streut, dass hier nicht alles so ist, wie es zu sein scheint, beginnt das Trio zu ahnen, dass es überführt werden soll. Die Situation spitzt sich zu, doch Peckinpahs immer wieder aufdringlicher Drang zur Fleischbeschau ist doch etwas befremdlich.

Bis auf eine unverwechselbar inszenierte Verfolgungsjagd, die für Peckinpahs Fähigkeit steht, Schnitt, Perspektive und Zeitlupe miteinander zu kombinieren, hat „The Osterman Weekend“ bis zum finalen Showdown keinerlei Action vorzuweisen. Nur da der Film nicht vom Plot, der erst zum Schluss hin ausgefuchster wird, getragen wird, sollten schon die Schauspieler zu Höchstform auflaufen, was hier aber nicht geschieht. Dennis Hopper ist gelinde ausgedrückt ein Totalsausfall und Craig T. Nelson auch nicht über jeden Zweifel erhaben, während Rutger Hauer hier noch am besten weg kommt – dennoch kein Vergleich zu seinen exzentrischen Rollen in „Blade Runner“ oder „Hitcher“. John Hurt bleibt dabei passabel.

Auch sind die Charaktervorstellungen seltsam oberflächlich. Da wird erklärt, dass Hopper zum Beispiel ein Schönheitschirurg ist und eine Kokserin zur Ehefrau hat, nur haben diese Elemente gar keinen weiteren Einfluss auf den Film. Im Grunde hätte das verdächtige Trio auch Tellerwäscher sein können und niemanden hätte es gejuckt.

Was bleibt ist die nette Idee den Zuschauern bis in die letzte Szene vor Augen zu führen, in wie fern die Medien Menschen, ihre Taten und Reaktionen manipulieren können. Die technischen Spielereien können sich durchaus sehen lassen und auch die Konstellation verspricht recht viel, nur will Peckinpah die Umsetzung nicht ganz gelingen.

Fazit:
Bisweilen wirrer und konfuser Agententhriller, der eine nette Auflösung besitzt. Leider schafft Peckinpah nicht das Potential auszuschöpfen, hinterlässt viele Fragen und scheint sein Händchen für Spannung und Dramaturgie verloren zu haben. Dafür klappt es noch mit der Action. Als Abschlussfilm einer großartigen Karriere enttäuschend.

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